Fussball

Was wirklich an Schalke schockiert

Von Haruka Gruber
Auf einer Baustelle: Felix Magath vor den Schuttbergen des Parkstadions
© Imago

Selbst Dirk Nowitzki ist über Schalkes Tief und das 0:0 in Tel Aviv erschüttert. Kritik an Felix Magath gibt es zuhauf, doch sie greift einfach nicht - was die Lage umso dramatischer macht. Der SPOX-Kommentar von Haruka Gruber.

KommentARZwei Wochen hatte Dirk Nowitzki sich Zeit gelassen, um in seinem neu eingerichteten Twitter-Account einen deutschen Tweet zu veröffentlichen. Und über was? Nicht die NBA, nicht die Dallas Mavericks, vielmehr thematisierte er den desolaten Zustand des FC Schalke 04.

"Was ist mit Schalke los? 0:0 in Tel Aviv?", twitterte Nowitzki und fasste in aller Kürze zusammen, was sich jeder Fußball-Fan in Deutschland seit dieser Saison denkt. Was ist mit Schalke los?

Als ob es eines letzten Beweises bedurft hätte, zeigte die Mannschaft auch bei Hapoel eine Leistung, die selbst für moderate Beobachter erschreckend anzusehen war. Und das in der Champions League - dem Wettbewerb, in dem Schalke anders als in der Bundesliga bisher zu überzeugen wusste.

Erklärungsansätze greifen nicht

Die vermeintlichen Gründe für die Misere sind so zahlreich wie auf dem ersten Blick nachvollziehbar. Felix Magaths Umbruch im Sommer sei zu radikal gewesen und wäre zu spät eingeleitet worden. Er würde zu oft die Taktik ändern, die Abwehr durcheinandermischen und die Spieler auf den befremdlichsten Positionen aufstellen.

Dass Magath außerdem die Mannschaft zunächst gegen etwaige Kritik in Schutz nahm, nur um nach einem offenbar harmlosen Diskobesuch einiger Spieler diese zu kritisieren, wurde von der Öffentlichkeit wiederum als Fehlen einer straffen Linie bei der Mitarbeiterführung umgedeutet.

Doch derart leicht sind Schalkes Probleme nicht zu erklären, denn Magaths Arbeitsweise hat sich im Vergleich zu den letzten beiden Jahren, als er Wolfsburg zur Meisterschaft und Schalke zum zweiten Platz geführt hatte, nicht wesentlich verändert.

Magath macht nichts anders

Wolfsburg gewann 2009 nur den Titel, weil Magath beinahe eine gesamte Mannschaft austauschte und dieser ein neues Gesicht verpasste. Schalke profitierte in der Vorsaison davon, dass sich die Gegner nur schwer darauf einstellen konnten, welcher Taktik und welche Aufstellung der unberechenbare Magath vertraute.

Es mag befremdlich wirken, wenn Magath plötzlich die gelernten Innenverteidiger Christoph Metzelder oder Benedikt Höwedes hinten rechts aufbietet oder Christoph Moritz plötzlich den verkappten Linksaußen spielt.

Doch letztes Jahr ging er in gleicher Art vor, bot Peer Kluge als Zehner oder Rafinha als Linksverteidiger auf und wurde ob des Erfolgs als Trainergenie gefeiert. Ivan Rakitics überraschende Rückversetzung ins defensive Mittelfeld war womöglich sogar der Schlüssel für die Vizemeisterschaft.

Die Unberechenbarkeit ist Magaths Markenzeichen - auch im Miteinander. Kevin Kuranyi, Edin Dzeko, sie alle waren unersetzlich und wurden hofiert oder je nach Bedarf verbal von Magath angegangen, was sie erst zu Höchstleistungen trieb.

In Tel Aviv war das Wetter schuld

All die Erklärungsansätze für das Schalker Tief taugen entsprechend nur bedingt. Weswegen wohl auch Magath eingestehen musste: "Ich mache mir Sorgen, aber ich habe kein Patentrezept."

Dass sich Benedikt Höwedes nach dem 0:0 in Tel Aviv zu dieser nicht nachvollziehbaren Äußerung verleiten ließ, passte ins Bild: "Wir hatten hier einen Wetterumschwung und schlechte Platzverhältnisse. Unten rutschig, oben trocken. Da wusste man nicht, was auf einen zukommt."

Selbst Experten und Journalisten sind sprachlos

Schalke ist nicht mehr es selbst. Und wenn man ehrlich ist: In dem Ausmaß kann keiner den Absturz erklären.

Weder Magath und die Spieler, noch die begleitenden Journalisten und Experten. Zuletzt zog selbst Magath wenig gehaltvolle Plattitüden zu Rate, auf die sonst die Medien so gerne zurückgreifen, wenn sonst nichts einfällt.

Es könnte an der Einstellung liegen oder an der angeknacksten Psyche, so recht wisse er es auch nicht.

Ratlosigkeit regiert

Die gezeigten Leistungen in dieser Saison waren in allen Belangen enttäuschend. Doch das Schockierende sind nicht die Ergebnisse, sondern die Ratlosigkeit von jedem, der sich mit Schalke auseinandersetzt.

In den letzten Jahre regierte Felix Almighty. Jetzt regiert die Ratlosigkeit.

Tel Aviv - Schalke: Eine tote Mannschaft

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