Mega-Vorsprung auf die Bayern

Was kann Dortmund noch stoppen?

Von Stefan Rommel
Sonntag, 21.11.2010 | 23:00 Uhr
Was ist denn hier los? Jürgen Klopp und Borussia Dortmund beherrschen die Bundesliga
© Getty
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Borussia Dortmund enteilt der Liga. Nur Bayer Leverkusen und Rekordmeister Bayern München erscheinen noch als so etwas wie Konkurrenten. Der BVB vermeidet das Thema Meisterschaft - aber warum eigentlich?

Bei den Bayern muss man ja immer aufpassen. Ganz besonders dann, wenn der Rekordmeister zur verbalen Kriegsführung ansetzt. Die Münchener loben ganz unverhohlen? Oder, ganz bizarr: Schreiben die Meisterschaft schon nach 13 Spieltagen ab? Dann ist Vorsicht geboten.

"Wir sollten die Plätze zwei und drei anvisieren", sagt Christian Nerlinger. Und der ist laut Jobbeschreibung immerhin Sportdirektor, im Volksmund der Mini-Hoeneß.

Keiner kann mithalten

Nur: dieses Mal will man den Bayern doch irgendwie Glauben schenken. Denn während sich die Konkurrenz Woche für Woche schön gegenseitig die Punkte klaut, enteilt Borussia Dortmund mit großen Schritten.

Der Vorsprung auf die Bayern - und die sind schließlich immer der Gratmesser - beträgt 14 Punkte. Da bleibt derzeit definitiv kein Platz mehr für "Mia san mia".

Von den anderen Mannschaften, die man eigentlich oben erwarten durfte, hält Bayer Leverkusen bei "nur" neun Punkten Rückstand noch einigermaßen mit.

Hoffenheim (13 Punkte Rückstand), Hamburg (16), Wolfsburg, Bremen (beide 19), Schalke (21) oder der VfB Stuttgart (23) werden nach menschlichem Ermessen für den BVB in dieser Saison keine nachhaltige Gefahr mehr darstellen.

Und Teams wie Mainz, Hannover, Freiburg oder Frankfurt sind - bei allem Respekt - keine Gefahr im Kampf um den Titel. Im Prinzip kann sich der BVB schon auf ein Duell mit den Bayern und Bayer einstellen.

Rechnerisch beste Chancen

Zwei Siege - und damit 40 Punkte - sind bis zur Winterpause beim machbaren Restprogramm (Gladbach, Nürnberg, Bremen, Frankfurt) eigentlich das Minimum. Selbst dann stünden die Chancen auf den Titel rechnerisch bestens.

In den letzten fünf Spielzeiten hätten im Schnitt 72 Punkte gereicht, um Meister zu werden. In den beiden Jahren unter Jürgen Klopp holte der BVB im Schnitt 28,5 Zähler in der Rückrunde. Wären bei einem eher durchschnittlichen Verlauf bis zum 34. Spieltag also mindestens 68,5 Punkte. Ein Sieg mehr und der BVB ist in der Theorie schon Meister.

Kadertiefe als Pluspunkt

Um aber in der Praxis zu bleiben: Dortmund offenbart einfach keine Schwachstellen. Die Bank hat der Mannschaft in den letzten Spielen etliche Punkte gerettet (Hoffenheim, Hannover, Freiburg), die Diskussion um angeblich fehlende Tiefe des Kaders wirkt doch sehr aufgesetzt.

In Freiburg hat der BVB eine weitere Facette abgedeckt, nämlich ein Spiel komplett zu drehen. Und vielleicht noch wichtiger: Der Trainer erreicht die Mannschaft bis in die letzte Zelle. Nach einer sehr schwachen ersten Halbzeit und der entsprechenden Klopp-Ansprache spielte Dortmund die Gastgeber förmlich an die Wand.

Dabei passt auch die gut dosierte Erwartungshaltung. Erfolge werden in angemessener Weise gefeiert, ohne aber dabei abzuheben. Selbst die Fans halten sich im Zaum, lediglich hinter vorgehaltener Hand wird leise von der Meisterschaft getuschelt.

Hartes Auftaktprogramm

Dortmund kann sich eigentlich nur noch selbst im Weg stehen. Das Auftaktprogramm nach der Winterpause wird mörderisch, in den ersten sieben Spielen geht es ausnahmslos gegen große Namen, das Auswärtsspiel bei den Bayern bildet den Abschluss.

Letzte Saison wartete ein ähnliches Programm auf die Dortmunder, am Ende standen nur neun von 21 möglichen Punkten. Am besten begreift die Mannschaft so schnell gar nicht, was sie in dieser Saison erreichen kann.

Einen Präzedenzfall dafür gibt es schließlich nicht. Kein einziger aus der derzeitigen Stammelf hat Erfahrungen im Umgang mit großem Erwartungsdruck, keiner hat bisher um die deutsche Meisterschaft gespielt.

Sahin (und Barrios) nicht zu ersetzen

Die größte aller Gefahren könnte aber auch die gute Bank nicht lösen: Nuri Sahin und mit Abstrichen auch Lucas Barrios sind auf Dauer nicht zu ersetzen. Die Balance zwischen Sahin als Spielgestalter und Sven Bender als Abräumer ist nahezu perfekt.

Und Barrios glänzt neben seiner Eigenschaft als Torschütze durch eine unheimliche Präsenz, viel Laufarbeit und für einen Stürmer bärenstarke Zweikampfwerte.

Robert Lewandowski mag ein talentierter Knipser sein - Barrios könnte der Pole im Dortmunder System nicht adäquat ersetzen.

Es sind noch ein paar Punkte, die der Konkurrenz noch berechtigte Hoffnungen machen und die Bundesliga hat auch schon skurrile Geschichten geschrieben. Die Parameter für die siebte Dortmunder Meisterschaft sind aber so gut wie noch nie.

Der 13. Spieltag im Überblick

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