Alternative Liste - Spieltag 12

Diffidati con noi, Pierre!

Von Max-Jacob Ost
Montag, 15.11.2010 | 13:35 Uhr
Könnten Sie es übers Herz bringen, diesen Mann auf die Tribüne zu schicken?
© Getty
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Fuß-ball-ma-fia-De-Eff-Bee! - Verzeiht die Emotionen. Aber wir sind es leid. Diese ständige Gängelung der Kleinen, das Bevorzugen von wild gewordenen Kappenrowdies wie Klopp kann nicht länger hingenommen werden. Die Alternative Liste fordert: Freiheit für Litti!

1. Biologie mit Michael: Mit den Einstiegsfragen ist es ja so eine Sache. Will man sich das obligatorische "Wie fühlen Sie sich?" verkneifen, erscheinen die Optionen für manchen Fragesteller spärlicher als die Inneneinrichtung eines Schlachthofs. So ging es wohl auch Michael Steinbrecher im "Aktuellen Sportstudio", als er das Gespräch mit den BVBs (Besten Verteidigern Borussias) des BVBs, Hummels und Subotic, begann: "Was Viele immer noch gar nicht wissen: Sie könnten fast Zwillinge sein! Sie sind beide 21 Jahre alt und nur sechs Tage auseinander!"

Nun ja, Michael, wie sollen wir Dir das erklären. Natürlich wurden die beiden eventuell vom selben Storch gebracht. Aber weißt Du, Steini, manchmal gibt es gleich mehrere Bienen, die Bock auf die Blumen haben. Wie sollen wir das sagen. Das ist nicht so wie bei Lothar Matthäus, dass eine Hummel gleich das ganze Beet... ähm... ach, weißt du Michael, eigentlich ist das gar nicht so wichtig. Vielleicht liegt es gar nicht an Dir und man kann den Dortmundern derzeit einfach nur wie ein Grundschüler mit durchnässter Hose dem Lehrer begegnen. Ging dem HSV am Freitag ja genauso.

2. Mein Name ist Jürgen und ich bin Kloppomane: Apropos durchnässte Hose. Es wäre kein Wunder, wenn der Vierte Offizielle vom Spiel Dortmund gegen den HSV eine ebensolche in der Halbzeit wechseln musste. Denn das, was Jürgen Klopp da mit Stefan Trautmann veranstaltete, erinnerte schon sehr an den Trash Talk von Andre the Giant gegen den Hulkster im Vorfeld von Wrestlemania 3. Wenn der Assistent des Schiedsrichters statt purer Panik Humor gehabt hätte, hätte er dem guten Kloppo wie einst Norbert Meier erst einen Kopfstoß verpasst, sich dann fallen lassen und ihm nach dem Spiel die spontane Untersuchung von Kloppos Mandeln in Rechnung gestellt. Aber der Gute hatte vermutlich in dem Moment andere Sorgen - wer weiß, was Jürgen Klopp den Tag über gegessen hatte.

Zum eigentlichen Skandal von mafiaesken Ausmaßen wird der Ausraster von Kappenmeister Klopp sowieso erst im Gesamtzusammenhang. Denn während er die zweite Halbzeit gemütlich von der kuscheligen Seitenlinie aus verfolgen durfte, wurde einen Tag später in Wolfsburg mit Co-Trainer Pierre Littbarski ein Mann auf die Tribüne geschickt, der ungefähr so harmlos ist wie ein frisch geborenes Kätzchen nach einem Tropfen von Omas gutem Eierlikör. Ein Skandal, auf den reagiert werden muss. Wir freuen uns deshalb jetzt schon auf die Plakate in den Fankurven der Liga am nächsten Wochenende: "Fußball-Co-Trainer sind keine Verbrecher!" und natürlich: "Diffidati con noi, Pierre!"

3. Als Metzelder zum Pils griff: Es war aber auch ein verflixt skandalöses Spielchen da in Wolfsburg. Erst reaktiviert der VfL die Geheimtaktik "Rathausbalkon" aus dem Jahr 2009 gegen den alten Trainer, nur um anschließend die Geheimtaktik "Regenschirm" des aktuellen Trainers perfekt umzusetzen. Wobei man auch festhalten muss: Was Schalke macht, hat einfach Hand und Fuß. Oder wie man auf Niederländisch sagt: Hunt e laar.

Drehbuchautor der Partie war ganz offensichtlich Thierry Henry, der einfach ein Händchen für Dramatik hat. Denn auch auf der Gegenseite kam es zur sexuellen Belästigung des Spielgeräts, als die Schalker Vereinslegende Christoph Metzelder die Torfabrik befummelte wie beim dritten Date im Autokino. Urteil des starken Schiris Wolfgang Schwach: Keine unnatürliche Handbewegung. Spätestens da war der Skandal perfekt. Denn jeder Fan weiß: Die einzig natürliche Handbewegung am Samstagnachmittag um 17:05 Uhr ist ja wohl der Griff zum Bier. Oder bei Köln-Fans zum Herz.

4. Als Meier zur Schaufel griff: Womit wir ungewöhnlich galant bei einem heiklen Thema gelandet wären. Der 1. FC Köln. Es gibt derzeit drei Themen in Deutschland, bei denen man sich richtig den Mund verbrennen kann: Atommüll, Stuttgart 21 und der Effzeh. Und was haben alle drei gemeinsam? Es geht immer darum, ob etwas unter die Erde gebracht wird. Um nicht als Leichenfledderer beschimpft zu werden, übergebe ich vor der Hauptversammlung in dieser Woche das Wort deshalb lieber an Sportdirektor Michael Meier, der extra für das Interview bei LigaTotal! die Schaufel aus der Hand gelegt hat:

"Ich denke, dass man in einer Hauptversammlung schon eher argumentieren kann. Das haben wir eigentlich auch in den vergangenen Wochen getan. Wir haben mit unseren Fans diskutiert und ich habe mich den Hauptkritikpunkten gestellt. Es ist immer sicherlich angenehmer und zielführender, wenn man emotionsfrei auf Kritik antworten kann  - und das tun wir." Womit im Nachhinein wenigstens die Frage geklärt wäre, warum man im Jahr 2009 mit Zvonimir Soldo einen Trainer verpflichtet hat, gegen den ein Mauerstein aus dem Kölner Dom ein Klatschweib ist. Denn emotionsfreier wurde in der Vergangenheit nun wirklich nicht auf Kritik reagiert.

5. Geschichtsschreibung mit Heino Ferch: Manchmal muss man sich historische Ereignisse einfach herbeireden. Dachte man sich wohl auch bei SKY. Denn nachdem es für den FCK erst amedick gekommen war, drehten die Teufel mit freundlicher Unterstützung des VfB (eine Fanfreundschaft mit Wolfsburg ist inzwischen so gut wie sicher) mal eben flockig ein 0:3. An sich schon ein Ereignis. Aber erst als der Kommentator in der Konferenz das 3:3 mit sakralen Worten begleitete, wurde uns die wahre Tragweite dieses Spiels bewusst: "Abel gleicht aus - was ist das für eine Geschichte! Was für ein Comeback!" Allerdings! Was für ein Comeback! Jahrtausende nach der Schmach vom Ackerfeld gelingt Abel endlich der Ausgleich! Wahnsinn! Verpassen Sie nicht nächste Woche die Verfilmung dieser Sensation! Exklusiv und nur auf Sat.1 in einer Weltpremiere: "Ausgleich. Abel schlägt zurück." Mit Heino Ferch in einer Doppelrolle und Veronica Ferres als Kainsmal!

6. Wladimir Pinto verprügelt die Torfabrik: Hannover 96. Ein Verein wie ein Leitz-Ordner. Wenig sexy, man weiß nie, was drinsteckt, und - weiß der Teufel wie das kam - irgendwie hat er inzwischen einen Stammplatz im Regal. Hannover also gab sich die Ehre im Topspiel der Liga bei Mainz anzutreten. Topspiel. Mainz. Hannover. Ist wie eine gute Marinade: Muss man ein bisschen wirken lassen.

Aber jetzt kommt der eigentliche Hammer: Das Spiel war wirklich genießbar. Erst Sergio Pinto mit einer linken Klebe, die man höchstens Wladimir Klitschko zugetraut hätte. Dann Steven Cherundolo, der mal wieder gezeigt hat, warum er der Papa Schlumpf bei Hannover ist. Wobei Letzteres leider weniger mit dem Kapitänsamt als mit der Vorliebe für die Farbe Rot zu tun hat. Insgesamt ein gelungener Auftritt, also. Wir halten fest: Dieses Jahr wird man ausnahmsweise mal nicht mit seiner Steuererklärung fertig, wenn man sie während Spielen der 96er macht. Nicht nur Wolfgang Schäuble wird sich denken: Gott sei Dank gibt es noch den Effzeh.

7. Hexenkessel Mainz: Man muss wirklich sagen: Das Topspiel war der Knaller. Nicht nur Hannover hat uns gefallen, fast noch ansehnlicher war das Nachspiel. Denn nach der Heimniederlage trat mit Mainz-Torhüter Wetklo ein Mann vor die Mikrofone, der passend zu seinem Namen, so richtig angep... - sagen wir "an-uriniert" war: "Die Stimmung war natürlich sensationell heute. Wir hatten ein Auswärtsspiel vor heimischer Kulisse, was ich in zehn Jahren zum ersten Mal erlebt habe. Da muss ich sagen: Ich ziehe den Hut vor unseren Fans. Ich wusste nicht, dass ich bei Bayern spiele. Ich dachte, ich spiele für Mainz." Schade, dass die eigenen Zuschauer das gar nicht mitbekommen haben. Denn die waren da schon lange in den zweiten Band von "Hexe Lilly" vertieft. Damit das mit dem Hexenkessel auch beim nächsten Heimspiel klappt.

8. Dahinter steckt RTL II: Wobei die AL wie gewohnt ihre eigene Theorie zu dieser grenzdebilen Dezibelgeschichte hat. Denn während sich in Mainz die gesamte Gegengerade bei dem Herren beschwerte, der in Minute 41 so laut in seine Bratwurst gebissen hatte, kochte einen Tag später beim Derby Bayern gegen Nürnberg die Hütte so sehr, dass Fritz von Thurn und Taxis vor Freude fast sein Kommentatorenpult begattete: "Was für eine Riesen-Stimmung! So etwas habe ich selten erlebt!" Jetzt mal ehrlich, spätestens da war klar: Das muss irgendein neues Sendeformat von RTL II sein. "Frauentausch - jetzt sind die Fans dran" oder so ähnlich.

9. Dekorationselement Tymoschtschuk: Überhaupt gehörte das Derby am Sonntagabend zu den erstaunlicheren Partien des Wochenendes. Allein mit Episoden zur Klofrau Raphael Schäfer, Elfmetertöter Gomez und dem Neuzugang in der Muppet-Show, Javier Pinola (Mischung aus Mr. Waldorf und einem Lama), könnte man eine halbe AL füllen.

Den obligatorischen Bayernpunkt widmen wir aber lieber dem bereits angesprochenen Kommentator, Fritz von Teufelskerl und Taxis. Denn er hat es geschafft, dass wir endlich verstanden haben, welche Rolle Anatolij Tymoschtschuk im System van Gaals spielt: "Er hat dieses Gefühl, das man nicht erlernen kann: Gut im Raum zu stehen." Womit endlich geklärt wäre: Tymo ist unter van Gaal so etwas wie eine dekorative Stehlampe. Treffender wurde es nie formuliert.

10. Hinten ist vorne verdammt weit weg: Der taktische Sonderpreis der Woche geht derweil an Oldie Jupp Heynckes. Der wechselte beim Stand von 0:0 gegen St. Pauli die einzige Spitze aus - und brachte dafür mit Lars Bender einen Spieler, der selbst bei der Siegerpolonaise nur hinten mitlaufen will. Und was geschah? Der Null-Mann-Sturm machte noch den Siegtreffer in Hamburg. Wir ziehen den Hut und sagen: Chapeau, Don Jupp! Wobei das irgendwie auch ungerecht von uns ist. Denn mit der Null-Mann-Sturm-Taktik hat ja wohl Louis van Gaal mit Gomez als erstes angefangen.

11. A new born Lothar Matthäus: Außergewöhnliche Ereignisse erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Deshalb widmen wir diesen letzten Punkt dem eigentlichen Champion des Wochenendes: Sebastian Vettel. Junge, Du bist wahnsinniger als manche Pressekonferenz mit Christoph Daum. Wir gratulieren Dir zum Weltmeistertitel - möge es Dir anders ergehen als Lothar Matthäus und Du auch 20 Jahre danach in Deutschland noch gefeiert werden!

Und bevor Ihr jetzt in die Tasten haut: "Boah, SPOX, das ist eine Fußiballi-Liste, hier soll es um Buli und Fuba gehen!" - machen wir die Sache rund. Denn was macht man in der Formel 1 eigentlich? Man startet sonntags, dreht sich im Kreis, spult sein Pensum runter ohne voran zu kommen und am Ende wird jemand mit Alkohol begossen - falls es Euch noch nicht klar war: Die Formel 1 ist nichts anderes als der "Doppelpass". Mit Bernie Ecclestone als Udo Lattek. Seht Ihr?


Der 12. Spieltag im Überblick

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