Montag, 01.11.2010

Alternative Liste - Spieltag 10

Auf der Waschstraße ins Glück

Maradona wird 50, Bobic 39, Krake Paul wird Sushi, und Hoeneß platzt erst der Kopf und dann der Kragen. Und all das bleibt unerwähnt, denn die elf Punkte haben wir mit völlig nutzlosem Wissen total vollgeschrieben: Die Alternative Liste des 10. Spieltags.

Auch bei starkem Flutlicht zu empfehlen: Kölns Hennes XIII. benutzt Nutella als Sonnencreme
© Getty
Auch bei starkem Flutlicht zu empfehlen: Kölns Hennes XIII. benutzt Nutella als Sonnencreme

1. Schlechtes Timing: Da staunte der Raul nicht schlecht! Als ihm beim Einmarsch in die Schalker Arena ein Kind von höchstens zwölf Jahren plötzlich erklären wollte, wie Fußball in Deutschland funktioniert. "Eier!", signalisierte ihm der Bengel an seiner rechten Hand nämlich mit einer durchaus eindeutigen Geste: "Ihr braucht jetzt Eier!" Da legte Raul kurz seine Stirn in Falten, zuckte mit den Schultern - und wandte schließlich milde lächelnd seinen Blick ab. Als Vater von fünf Kindern, konnte er die Zeichen richtig lesen: Wahrscheinlich musste der arme Knirps nur einfach ziemlich dringend mal aufs Klo.

2. Ball verkehrt: Am Freitag war Gegenteiltag, eine tolle Erfindung: Danijel Pranjic bereitete stolze drei Tore vor! Anatolij Tymoschtschuk, Toni Kroos und sogar Martin Demichelis trafen selbst die Hütte! Und was kommt wohl als nächstes? Macht Ratzinger jetzt in Kondome? Senkt Amerika die CO2-Emissionen? Wird Westerwelle Englisch lernen? Oder Werder gar zu Null spielen? Die Welt könnte so schön sein! Doch dann kam Edson Braafheid...

3. Die verflixten sieben Minuten: In sieben Minuten kann man ein Pils zapfen. Sieben Minuten steht der Deutsche im Durchschnitt an der Kasse Schlange. Sieben Minuten braucht man im Ferrari einmal um die Nordschleife, und sieben Minuten benötigt ein Hausarzt laut Statistik, um einen Schnupfen zu diagnostizieren.

Was war zuerst da? Das Foul oder der Schiedsrichter? Die Philosophen streiten
Was war zuerst da? Das Foul oder der Schiedsrichter? Die Philosophen streiten
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Alles super Sachen - und alle aus der Reihe: Wie hätten Gerald Asamoah und Manuel Schmiedebach die Zeit auch sinnvoll nutzen können? Beide flogen am Wochenende nämlich vom Platz. Beide je zweimal Gelb, innerhalb von nur sieben Minuten.

4. Endlich: Weil der Pokal seine eigenen Gesetze hat (Paragraph 1: Werder doof, Schiri blöd, Schweini BAMM!), sind die echten Topvereine jetzt endlich die bescheuerte Doppelbelastung los.

Auch der HSV kann sich nun wieder voll auf Platz acht in der Liga konzentrieren. Beim 2:3 in  Köln tat er das gleich sehr erfolgreich - und stellte damit wieder einmal unter Beweis: Der HSV ist wie eine Droge.

5. Hä? Wie bitte? Wie eine Droge? Logisch, der HSV ist wie eine Droge! Aber nicht etwa der weiche Scheiß! Hamburg ist wie Heroin! Ab und zu ein geiler Kick - doch der Alltag ist die Hölle.

6. Nightmare on Bökelberg: In ganz Nordrhein-Westfalen gingen die Menschen am Wochenende als Gladbacher "Abwehr" verkleidet auf diverse Halloween-Partys, und wer musste dafür wieder seinen Kopf hinhalten? Natürlich Michael Frontzeck. Der Borussen-Trainer nämlich durfte einmal mehr eine 0:3-Niederlage erklären - und schöpfte dafür in seiner Not sogar ein neues Wort. Ein kleiner Freudscher Versprecher, der zwar auf den ersten Blick sehr anrüchig klingt, auf den zweiten aber ziemlich genau das zusammenfasst, was gegen Lautern wirklich passiert war: "Das Ergebnis ist ein Witz! Wir wurden ganz bitter beschlaft."

7. Apropos Witz: Das Ergebnis war aber auch wirklich ein Witz. Das Spiel hätte mindestens 1:3 ausgehen müssen - hätte Mo Idrissou aus fünf Metern nur das leere Tor getroffen! Aber hätte, hätte, Fahrradklingel, im Fußball gibt es keinen Konjunktiv, und Idrissou hat nun mal lieber danebengeömmelt. Apropos Idrissou: Ist das nicht der, der letztes Jahr in Freiburg noch mit dem Satz zitiert wurde: "Ich habe keine Lust mehr, mit euch Absteigern zu spielen"? Na dann: Glückwunsch zu Platz 18!

8. Gallisches Dorf: In Gladbach müssen alle nun also noch näher zusammenrücken, in Köln die Geißböcke mehr Gras fressen und auch auf Schalke, da sind sich Trainer und Manager einig, sollten die Spieler endlich den Kampf annehmen: Willkommen im Tabellenkeller! Wo die Parolen noch frei leben dürfen.

Nur ein Trainer stellt sich auch im Abstiegskampf noch mutig vor sein Team. Stuttgarts Jens Keller nämlich erklärte die Niederlage seiner Mannschaft mit einem "schweren Pokalspiel am Donnerstag über 120 Minuten." Das Spiel war zwar am Mittwoch, abgesehen davon ist die Argumentation aber unbedingt schlüssig. Denn erstens kassierte der VfB die zwei Tore gegen Wolfsburg ja nach ruhenden Bällen, und zweitens hatte schließlich auch der Pokalgegner so seine Probleme: Der FC Chemnitz gewann zwar am Wochenende in der Regionalliga Nord. Aber nur ganz knapp, in Magdeburg, mit 6:1.

9. Für alle Nerds, Geeks und Facebook-Friends: Ein durchschnittliches Pferd hat ca. 24 PS, die Vorwahl der Antarktis lautet 00672, Nutella hat einen Lichtschutzfaktor von 9,7 und "Klammer auf, Unterstrich, Acht, Klammer auf, senkrechter Strich, Klammer zu", ergibt ein Bild von Homer Simpson. Neues aus der Reihe: Völlig nutzloses Wissen, aber immerhin noch interessanter als das, was Effzeh-Manager Michael Meier so erzählt.

10. Gesammelte Werke: Als Beleg ein kurzes Best of Meier: "Der Weg, die Brocken hinzuwerfen, das ist der leichtere. Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir jetzt andere Trainer ins Gespräch bringen würden. Wir haben der Mannschaft bildlich empfohlen: Vergesst die ersten Spiele, geht gedanklich durch die Waschstraße, stellt die Resettaste auf Null und vergesst alles Negative. Ich hoffe dass wir ein Rädchenwerk sehen, wo ein Rädchen ins andere greift." Mensch, Meier! Sie sollten wirklich langsam aufhören, sich die "Fabelhafte Welt der Amelie" reinzuziehen!

Braafheid und Demichelis heben sich gegenseitig auf. Pasta und Antipasta dagegen nicht
Braafheid und Demichelis heben sich gegenseitig auf. Pasta und Antipasta dagegen nicht
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11. Alle Kreter lügen: Aus Meiers Mund klingt Weltweisheit zwar hübsch und anschaulich, unterm Strich ist Philosophie aber doch irgendwie kacke.

Denn sie führt nur zur sehr komplizierten Fragen, wie zum Beispiel: Was soll ich tun? Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn? Hat Julian flink den Schieber getanzt, oder ist Sebastian eher unflink hinterhergeprödlt? Nennt man den Kleinen an Rauls Hand denn wirklich "Einlaufkind"? Und vor allem: Wenn am Freitag wirklich Gegenteiltag war, war dann nicht eigentlich, im Gegenteil, der Nicht-Gegenteiltag? Aber wäre dann wiederum die Aussage, am Freitag sei Gegenteiltag, nicht wieder richtig? Antworten an Edson Braafheid.

Der 10. Spieltag im Überblick

Stefan Moser

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