Fussball

Der Friedensgipfel

Von Daniel Börlein
Freitag, 29.10.2010 | 15:25 Uhr
In der letzten Saison gewannen die Mainzer ihr Heimspiel gegen den BVB mit 1:0
© Getty

Am Sonntag empfängt der FSV Mainz 05 Borussia Dortmund zum etwas anderen Spitzenspiel (15.15 Uhr im LIVE-TICKER). Beide Klubs verbindet ein ganz besonderes Verhältnis. Statt Kampfansagen gibt's Lobeshymnen, gemeinsame Feiern, Einkaufs-Tipps und die gleiche Idee vom Fußball.

"Wird Dortmunds Watzke der neue Hoeneß?", fragte Alfred Draxler, der stellvertretende Chefredakteur der "Bild", in einem Kommentar vor rund einer Woche.

Hans-Joachim Watzke hatte zuvor öffentlich die Neuverteilung der TV-Gelder zugunsten der Traditionsvereine gefordert, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen - so wie der frühere Bayern-Manager Uli Hoeneß es gerne getan hatte.

Seit Hoeneß allerdings Präsident des Rekordmeisters ist, gibt er sich öffentlich deutlich reservierter. Die "Abteilung Attacke" rückt nur noch selten aus, so dass sich der Boulevard freut, wenn mal jemand wie Watzke Klartext redet. Der 51-Jährige ist ein Mann der offenen Worte, scheut sich auch nicht, mal übers Ziel hinauszuschießen. Als legitimer Hoeneß-Nachfolger taugt er allerdings nicht.

Keine Kampfansagen

Denn während der Bayern-Boss vor Spitzenspielen regelmäßig gegen die Kontrahenten stichelte, gibt sich Dortmunds Geschäftsführer im Vorfeld des Duells mit Tabellenführer Mainz alles andere als kämpferisch. Aus gutem Grund: Zu den Nullfünfern pflegt der BVB ein ganz besonderes Verhältnis.

Statt Kampfansagen bestätigen sich beide Seiten gegenseitig, derzeit völlig zu Recht in der Spitzengruppe der Liga zu sein und das Potenzial zu besitzen, auch am Ende der Saison dort zu stehen. "Ich traue es Mainz zu, Meister zu werden", sagt BVB-Coach Jürgen Klopp. "Dortmund wird bis zum Schluss oben mitspielen", erklärt 05-Manager Christian Heidel.

Watzke und Heidel feiern Bayern-Sieg

Dortmund und Mainz, das scheint zu passen. Aus Sympathie füreinander hat sich mittlerweile sogar so etwas wie Freundschaft entwickelt. So feierten etwa Heidel und Watzke den Erfolg des BVB gegen die Bayern zusammen.

"Nach unserem Sieg gegen München haben wir gemeinsam versucht, die Nacht durchzumachen. Ich musste aber am nächsten Morgen in die Direktoren-Sitzung. Trotzdem haben wir einen zweiten Kasten Bier aufgemacht", sagte Watzke der "Sport-Bild".

Tipps von Heidel für Klopp

Maßgeblichen Anteil am guten Verhältnis hat natürlich Klopp. Der 43-Jährige hat den Kontakt nach Mainz nie abreißen lassen, war 2009 sogar bei der Aufstiegsfeier der 05er mittendrin und telefoniert auch rund zweieinhalb Jahre nach seinem Wechsel zur Borussia regelmäßig mit Heidel und Präsident Harald Strutz. Und das, obwohl Klopp schon den einen oder anderen Mainzer Spieler nach Dortmund gelockt hat.

Neben seinen Assistenten Zeljko Buvac und Peter Krawietz stehen mit Mohamed Zidan, Markus Feulner, Antonio da Silva und Neven Subotic derzeit vier ehemalige Mainzer beim BVB unter Vertrag.

Sauer ist bei den 05ern deshalb allerdings keiner, denn Heidel weiß: "Kloppo geht keinen Mainzer an." Im Gegenteil. Plant Mainz, einen Spieler abzugeben, wird Klopp vorab informiert, wie im Fall von Neven Subotic, der vor seinem Wechsel nach Dortmund eigentlich schon mit 1899 Hoffenheim klar war.

"Ich habe Kloppo angerufen", bestätigte Heidel der "Sport-Bild": "Auch bei Schürrle habe ich Kloppo informiert, dass wir ihn wohl abgeben." Der U-21-Nationalspieler war für den BVB laut Watzke allerdings nicht bezahlbar und entschied sich deshalb für einen Wechsel nach Leverkusen.

Gleiche fußballerische Grundidee

Doch nicht nur enge persönliche Kontakte verbinden Mainz und den BVB. "Beide Klubs haben die­selbe fußballerische Grundidee. Beide haben diese jungen Spieler wie Götze, Kagawa, Bender oder Schürrle, Holtby, Szalai und Alla­gui, die voll reingehauen haben. Die Philosophie ähnelt sich. Dann der Enthusiasmus der Fans", sagte Subotic dem "Kicker".

Das alles führt dazu, dass sich der Fußball, den Mainz-Coach Thomas Tuchel wie auch Dortmunds Klopp derzeit spielen lassen, durchaus ähnelt. "Das Grundprinzip ist ähn­lich", sagt Nikolce Noveski, der in Mainz auch schon mit Klopp zusammen gearbeitet hat. "Damals wie heute versuchen wir, früh Druck auf den Gegner aufzubauen, zu verschieben und kompakt zu stehen."

"Die Stürmer müssen mit nach hinten arbeiten, Druck auf den Gegner ausüben und Zwei­kämpfe gewinnen. Das erleichtert Mittelfeld und Abwehr die Arbeit", ergänzt Subotic. Die Folge: Dortmund und Mainz stellen sowohl die beste Abwehr (sieben bzw. acht Gegentore) als auch den erfolgreichsten Sturm (21 bzw. 19) der Liga.

Trotz einer ähnlichen Spielweise wollen beide Klubs am Sonntag allerdings einen Dreier. Die gegenseitigen Sympathien werden dann für 90 Minuten ruhen. Doch egal, wie das Duell ausgeht, am Ende wird einer von beiden in der Tabelle ganz oben stehen. Und damit kann wohl auch der Verlierer ganz gut leben.

Mainz - BVB: Die Bilanz

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