Ex-Bayern-Keeper ist arbeitslos

Der Absturz des Michael Rensing

Von Daniel Börlein
Dienstag, 14.09.2010 | 15:55 Uhr
Michael Rensing ist seit 30. Juni 2010 ohne Job
© Getty
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Michael Rensing sollte beim FC Bayern München Nachfolger von Oliver Kahn werden und wollte eine Ära prägen. Mittlerweile ist der 26-Jährige allerdings arbeitslos. Die Geschichte eines Absturzes.

Der Unterschied ist gewaltig. Die einen spielen in der Bezirksliga Weser/Ems, die anderen in Bundesliga und Champions League. Und dennoch hat der TuS Lingen ein ganz besonderes Verhältnis zum großen FC Bayern. Innerhalb von zwei Jahren schafften zwei Torhüter der Niedersachsen den Sprung nach München zum deutschen Rekordmeister.

Ähnlich Außergewöhnliches hat wohl kein anderer Amateurklub vorzuweisen. Noch extraordinärer wird die Geschichte allerdings, wenn man sieht, was aus den Keepern nach ihrem Wechsel zum FC Bayern wurde.

Beiden wurde großes Potenzial bescheinigt. Beide schafften den Sprung in die erste Mannschaft der Münchner. Für beide war dort aber kein Vorbeikommen an Stammkeeper Oliver Kahn. Während einer von beiden sein Glück schließlich bei einem anderen Klub versuchte, wartete der andere auf seine Chance als Nummer eins - der einzige Unterschied zwischen beiden. Heute sind Stefan Wessels und Michael Rensing arbeitslos. Beide.

Uli Hoeneß: "Das ist ein Drama"

Während Wessels diese Situation schon aus dem letzten Jahr kennt, als er erst nach einigen Monaten ohne Job vom FC Basel angeheuert wurde, ist es für Rensing eine völlig neue Erfahrung. Nach insgesamt zehn Jahren in München endete am 30. Juni seine Zeit bei den Bayern.

Seitdem sucht der 26-Jährige nach einem neuen Klub. Bislang vergeblich. "Das ist ein Drama", sagte Uli Hoeneß in der "Bild". "Besonders nach dem 31. August war er richtig fertig." Keiner der interessierten Vereine entschloss sich, Rensing zu verpflichten. Dabei war er ablösefrei zu haben und die Liste der Interessenten lang.

Viele Interessenten

Neben Köln und der Hertha sollen aus dem Ausland RB Salzburg, West Ham, Getafe, Alicante, Mallorca und Malaga zumindest angefragt haben. Mehr aber auch nicht. Während andere Keeper wie Timo Hildebrand mittlerweile untergekommen sind, sucht Rensing noch immer. Immerhin: Weil er seit Ende Juni vereinslos ist, kann er jederzeit unter Vertrag genommen werden.

Zuletzt gab es Gerüchte aus Griechenland, wonach ihn Berater Roman Grill bei Iraklis Thessaloniki angeboten haben soll. Ohne Erfolg. Die Klubs scheinen ihre Suche nach Torhütern längst abgeschlossen zu haben.

Torwarttraining mit Walter Junghans

Die Hoffnung, irgendwo in der Bundesliga einen neuen Job zu finden, hat Rensing längst aufgegeben. "Ich möchte eine neue Erfahrung machen und ins Ausland wechseln", sagte er vor rund drei Wochen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" in seinem einzigen Interview seit Monaten.

Schon lange ist Rensing aus der Öffentlichkeit abgetaucht. Werbung für sich machen will er nicht. Mit Walter Junghans, seinem ehemaligen Torwarttrainer bei den Bayern, hält er sich privat und auf eigene Kosten fit.

"Habe es mir leichter vorgestellt"

Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus. Damals trainierte Rensing mit Junghans noch an der Säbener Straße. Als Nummer eins der Bayern. Die Verantwortlichen des Rekordmeisters hatten sich zuvor an ihr Versprechen gehalten und ihn als Nachfolger von Kahn in seine erste Saison als Stammkeeper geschickt.

"Mein Ziel ist es, eine Ära wie Kahn zu prägen", sagte Rensing nach nur wenigen Wochen, und: "Wer die Nummer eins bei den Bayern ist und sich, wie ich, in dieser Rolle auch international beweist, wird auch ein Thema für die Nationalelf."

Doch schnell geriet er in die Kritik. Kahn war noch immer allgegenwärtig. "Ehrlich, ich habe es mir leichter vorgestellt. Mir war schon klar, dass ich mit Kahn verglichen werde, aber dass selbst nach souveränen Spielen nach Fehlern gesucht wird, das war mir neu", gab Rensing im "SZ-Magazin" Ende 2009 zu.

Von Klinsi und van Gaal degradiert

Zu diesem Zeitpunkt war sein Schicksal bei den Bayern schon so gut wie besiegelt. Der damalige Coach Jürgen Klinsmann hatte ihn drei Wochen zuvor beim Champions-League-Viertelfinale in Barcelona "ohne Grund" auf die Bank gesetzt. Und dort blieb Rensing bis zum Saisonende.

Unter Neu-Coach Louis van Gaal sollte sich das wieder ändern. Rensing ging motiviert in die neue Spielzeit, vergessen war die Zeit unter Klinsmann. Nach einem engen Duell mit Jörg Butt in der Vorbereitung entschied sich van Gaal schließlich, mit Rensing als Nummer eins in die Saison zu gehen. Nach nur drei Spieltagen revidierte der Niederländer seine Meinung. Rensing war raus aus der Mannschaft und damit auch raus beim FC Bayern.

"Jede Kleinigkeit wurde so bewertet, wie es wahrscheinlich noch nie bei einem Spieler auf diesem Planeten der Fall gewesen ist. Ich glaube, dass meine Leistung in der Bundesliga okay war. Ich kann mich an keinen großen Fehler außer zwei Bällen zu Beginn der letzten Saison, vielleicht an einige kleine Unsicherheiten erinnern", sagt Rensing noch heute selbstbewusst.

Dabei hatte Hoeneß schon kurz nach Rensings Demission dessen fehlende Selbstkritik angeprangert: "Als klar war, dass er die Nummer 1 ist, hätte ich erwartet, dass er sich den Arsch aufreißt, dass er im Urlaub trainiert wie ein Geisteskranker. Das war alles nicht der Fall. Er kam in einem katastrophalen Zustand zum Training."

Warme Worte der Bayern

Hoeneß' Zorn von damals ist mittlerweile allerdings längst verflogen. "Er ist gesund, ein junger Kerl, hat Kräfte wie ein Bär. Es ist nicht aller Tage Abend", macht der Bayern-Präsident Rensing Mut. Und auch Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge sagt: "Ich halte ihn nach wie vor für einen guten Torwart."

Einen neuen Verein hat Rensing allerdings trotz der warmen Worte bislang nicht gefunden. "Besonders traurig", findet es Kahn, dass sein vermeintlicher Nachfolger momentan arbeitslos ist.

Rensing selbst sagte dazu vor einiger Zeit mal: "Viele Menschen verlieren ihren Job oder ihre Altersvorsorge. Sie machen Schulden oder können die Sicherheit ihrer Kinder nicht mehr gewährleisten. Das ist schlimm. Dagegen geht's mir doch blendend. Und außerdem dreht sich auch nicht die ganze Welt um mich." Momentan noch nicht mal mehr die Fußball-Welt.

Michael Rensing im Steckbrief

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