DFL

Rauball vor schwieriger Amtsperiode

SID
Mittwoch, 18.08.2010 | 10:11 Uhr
Reinhard Rauball ist seit August 2007 Präsident der DFL
© Getty
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DFL-Präsident Reinhard Rauball steht nach dem Rückzieher von Uli Hoeneß vor seiner Wiederwahl. Seine nächste Amtsperiode dürfte allerdings alles andere als leicht werden.

Sky-Krise, Investorenstreit und Schuldenberg in der Bundesliga: Die Wiederwahl von Reinhard Rauball zum Liga-Präsidenten ist nach dem Rückzieher von Uli Hoeneß nur noch reine Formsache - doch die Amtsperiode bis 2013 wird für den 63 Jahre alten Juristen wegen zahlreicher Probleme zur Herkulesaufgabe. "Ich will keine blühenden Landschaften versprechen", sagte Rauball vor der Generalversammlung der 36 Profiklubs heute in Berlin dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Sorgen bereiten der Liga derzeit nicht nur die roten Zahlen von Pay-TV-Partner Sky. Auch die Klage von Bundesligist Hannover 96 vor dem DFB-Schiedsgericht wegen der Abschaffung der Investorenregel im deutschen Profifußball schwebt derzeit wie ein Damoklesschwert über dem Oberhaus.

Nicht nur Rauball fürchtet bei einer Aufhebung der sogenannten 50+1-Regel das Ende der Solidargemeinschaft Bundesliga. Die Klage steht im Herbst auf der Agenda und könnte weitreichende Folgen für die Bundesliga haben.

Rauball für 50+1 Regelung

"Die Abschaffung der 50+1-Regel wäre eine historische Weichenstellung. Das würde zum Bruch der von uns in Deutschland gelebten Solidarität im Fußball führen", sagte Rauball einen Tag vor der Wahl: "Der Ligaverband ist der Auffassung, dass man diese Tür nicht öffnen darf, weil man sie nie wieder schließen kann."

Die bestehende 50+1-Regelung sieht vor, dass Investoren bei den Klubs des Ligaverbandes nicht die Stimmenmehrheit übernehmen können.

Laut Rauball zeige insbesondere das Beispiel Premier League, dass die Mitgliederversammlung der DFL im November 2009 "nicht umsonst" den Antrag von Hannovers Klub-Chef Martin Kind auf Streichung der Regel fast einstimmig abgelehnt hatte.

England als mahnendes Beispiel

"In England erleben wir, was passiert, wenn branchenfremde Investoren aus anderen Kulturkreisen einen Verein übernehmen. Das kann unabsehbare Folgen haben. Das ist alles nicht im Sinne der Vereine und der der Fans", sagte Rauball.

Kopfzerbrechen bereiten der Liga derzeit auch die finanziellen Schwierigkeiten von Pay-TV-Partner Sky. Die wirtschaftliche Lage beim Münchner Bezahlsender, der die Übertragungsrechte von 2009 bis 2013 für rund 200 Millionen Euro pro Spielzeit von der Deutschen Fußball Liga (DFL) erworben hatte, ist so problematisch, dass Rauball die Klubs jüngst schriftlich über die Situation informieren musste.

Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge stellte deshalb das Geschäftsmodell von Sky infrage. "Ich mache mir große Sorgen, weil es uns gemeinsam, Liga und Bezahlsender, in 20 Jahren nicht gelungen ist, Pay-TV in Deutschland wirklich zu etablieren", sagte Rummenigge.

Wolfsburgs Geschäftsführer Thomas Röttgermann denkt sogar schon an einen eigenen Ligakanal: "Die Liga muss am Szenario eines eigenen Senders arbeiten. Das unternehmerische Risiko ist angesichts der Attraktivität des Fußballs überschaubar."

Attraktivität der Bundesliga wird immer höher

Auch durch einen eigenen TV-Kanal würden sich aber nicht zwangsläufig höhere Einnahmen generieren lassen. "Medien-Erlöse wie in England sind für uns derzeit nicht zu erzielen. Man muss den Blick für die Realität wahren. In der aktuellen Diskussion über die Situation auf dem Fernsehmarkt wird deutlich, dass solche Zahlen bei uns im Moment nicht zu erreichen sind", sagte Rauball.

Rummenigge hatte zuletzt gefordert, dass ab der Saison 2013/2014 Einnahmen in Höhe von mindestens 800 Millionen Euro erzielt werden müssten. So hoch ist allerdings der komplette Jahresumsatz von Sky.

Zudem plant der Ligaverband wegen der Schuldenlast der Vereine offenbar eine Verschärfung des Lizenzierungsverfahrens. Die Pläne sehen vor, dass jeder Erstligist seine Schulden in der kommenden Saison um zehn Prozent verringern muss. "Wir wollen, dass Negativkapital abgebaut und in angemessener Weise zurückgezahlt wird", sagte Rauball.

Unabhängig von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind Rauball die Bundesliga im Vergleich mit den übrigen europäischen Topligen aber weiter im Aufwind. "Die Attraktivität der Liga wird von Jahr zu Jahr höher. Wir wollen in dieser Saison den vierten Champions-League-Platz anpeilen. In der vergangenen Spielzeit haben wir den nur ganz knapp verpasst", sagte Rauball.

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