Positive und negative Schlagzeilen in Hamburg

HSV: Spitzen Auftakt! Aber...

Von Daniel Börlein
Montag, 23.08.2010 | 14:39 Uhr
Ruud van Nistelrooy war gegen Schalke mit zwei Treffern der Matchwinner für den HSV
© Getty
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Der Hamburger SV überzeugte zum Bundesliga-Auftakt gegen Schalke mit einer starken Leistung, strafte damit viele Kritiker Lügen und ist einer der Gewinner des Wochenendes. Zumindest sportlich. Denn zwei Vorfälle abseits des Platzes trüben die gute Stimmung.

Vor drei Wochen war Ruud van Nistelrooy noch deutlich schneller. Nach sechs Minuten hatte der Niederländer den HSV damals beim LIGA total! Cup gegen Schalke 04 in Führung geschossen. Am Ende unterlagen die Norddeutschen den Knappen allerdings mit 1:2.

Zum Bundesliga-Auftakt drehte der HSV das Ergebnis nun um - dank van Nistelrooy, der seinem Treffer in der 46. Minute noch das Siegtor in der 83. Minute folgen ließ. Der Torjäger hat sich in den vergangenen Wochen in absolute Top-Form gebracht, treffsicher wie zu besten Zeiten und so fit wie noch nie, seit er in Hamburg ist.

Van Nistelrooy: "Ein Signal an die Liga"

Van Nistelrooy ist allerdings nicht der einzige Hamburger, der zum Auftakt begeisterte und damit viele neutrale Beobachter, die dem HSV einen schwierigen Saisonstart prophezeiten, überraschte.

Heiko Westermann beispielsweise, in der Vorbereitung noch mit vielen Tiefen, präsentierte sich gegen Schalke aufmerksam und bildete zusammen mit Joris Mathijsen eine stabile Innenverteidigung. Mladen Petric lieferte zentral offensiv eine engagiertere Leistung ab, als zuletzt auf dem rechten Flügel. Und Ze Roberto gefiel als unermüdlicher Antreiber und Vorbereiter des Siegtreffers.

"Dieser Sieg gegen Schalke war ein Signal an die Liga, dass mit dem HSV wieder zu rechnen ist. Wir sind auf einem guten Weg", sagte der Brasilianer. "Der Sieg bringt Vertrauen und Ruhe", ergänzte van Nistelrooy.

Eljero Elia bleibt

Endgültig beendet sind auch die Diskussionen um einen Wechsel von Eljero Elia. "Er bleibt, wir geben ihn nicht ab. Ende, aus!", sagte Coach Armin Veh.

Der Niederländer selbst ist glücklich ob dieses Bekenntnisses: "Dass Vereine bereit sind, 15 oder 20 Millionen Euro für mich zu bieten, macht mich stolz. Aber noch stolzer macht es mich, dass der HSV darüber nicht verhandeln will, sondern mir deutlich gemacht hat, dass er auf mich setzt."

Nach nicht ganz einfachen ersten Wochen für Trainer Veh und Neu-Sportdirektor Bastian Reinhardt, verschafft der Sieg gegen Schalke den Hamburgern erstmal etwas Ruhe. Zumindest sportlich. Denn abseits des Platzes trübt die eine oder andere Schlagzeile das gute Bild, das der HSV durch den Auftaktdreier abgibt.

Ärger mit Investor Kühne

Allen voran sind da die Unstimmigkeiten mit Investor Klaus-Michael Kühne. Der Milliardär hatte den Norddeutschen insgesamt 15 Millionen Euro in Aussicht gestellt und dafür die Beteiligung an den Transferrechten mehrerer Profis erhalten. Gleichzeitig war allerdings vereinbart worden, dass Kühne sich aus dem operativen Geschäft heraushält und auf öffentliche Statements zum HSV verzichtet.

Davon will der 73-Jährige nun aber nichts mehr wissen. Er stellte zuletzt gegenüber einer Zeitung die Qualität der neuen Spieler in Frage und forderte einen Mittelfeldspieler von "internationalem Format", der Hertha-Neuzugang Gojko Kacar seiner Meinung nach nicht ist.

Reinhardt: "Haben uns das anders vorgestellt"

Beim HSV ist man aufgrund dieser Äußerungen verärgert. "Das haben wir uns anders vorgestellt", sagte Sportdirektor Reinhardt im "Sport1-Doppelpass": "Mit solchen Aussagen macht er uns das Leben nicht einfacher."

Auch die Konkurrenz sieht Kühnes Auftreten kritisch. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watze verkündete am Montag im "Kicker"-Interview, dass ihn die Vorgänge in Hamburg erschrecken. "Dass ein Investor die handelnden Personen kritisiert, Spieler diskreditiert und den Sportdirektor mit Nichtachtung straft" erzeuge einen Bruch zwischen Fans und Verein.

"Das ist für die Außendarstellung der Liga extrem schädlich", so Watzke.

Aussprache mit Kühne am Mittwoch

Ein Problem beim HSV: "Noch habe ich Herrn Kühne nicht kennengelernt", muss Reinhardt zugeben. Der HSV-Investor hatte bislang alle strategischen Gespräche ausschließlich mit Klub-Boss Bernd Hoffmann und Urs Siegenthaler geführt, dessen Engagement beim HSV sich jedoch kurzfristig zerschlug.

Nun muss Reinhardt versuchen, eine Basis mit Kühne zu finden und ihn vom eingeschlagenen Weg zu überzeugen, um weitere Unruhe in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Oder wird die Zusammenarbeit nach nur wenigen Wochen schon wieder beendet?

Wie die "Bild" berichtet, kommen die HSV-Verantwortlichen und Kühne am Mittwoch zu einem Treffen zusammen und beraten, wie es weitergehen soll. Aufsichtsratschef Horst Becker: "Wir wollen kein Fass aufmachen, aber wir müssen darüber reden." Laut "Bild" tendieren die HSV-Bosse dazu, keine weiteren Millionen-Deals mit Kühne zu machen.

"Vermeintliche Fans" schaden dem Image

Das Verhältnis zwischen Klub und Investor scheint zumindest belastet. Massiv dem Image des Klubs geschadet hat dagegen eine Gruppe "vermeintlicher HSV-Anhänger" (Hoffmann), die in der Nacht zum Sonntag auf einem Bahnhof in Altona Fans des FC St. Pauli, darunter auch Pauli-Ersatzkeeper Benedikt Pliquett, angriffen und verletzten.

"Ich entschuldige mich im Namen des Hamburger Sport-Vereins für diesen Vorfall, insbesondere bei den Betroffenen. Dieses Verhalten ist absolut beschämend und trübt die Freude über den tollen ersten Spieltag für beide Vereine", erklärte Hoffmann.

"Wir werden das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bestrafen. Für solche Leute haben wir keinen Platz in der HSV-Familie." Und negative Schlagzeilen hat man - wenn es sportlich läuft - auch nicht gerne.

Hooligan-Attacke: Einfluss auf Hamburger Derby

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