Martin Lanig im Interview

"Der Ballack-Vergleich schmeichelt mir"

Von Interview: Christian Bernhard
Freitag, 30.07.2010 | 11:11 Uhr
Martin Lanig (Mitte) wechselte vom VfB Stuttgart zum 1. FC Köln
© Imago
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Martin Lanig ist einer von bislang sechs Neuzugängen beim 1. FC Köln. Der Ex-Stuttgarter bestritt aufgrund eines Kreuzbandrisses nur ein Spiel in der vergangenen Saison und startet jetzt in der Domstadt einen Neuanfang. Im SPOX-Interview spricht der 26-Jährige über die Vergleiche mit Michael Ballack, die neue Jugendwelle beim FC, Coach Zvonimir Soldo, seine Erkenntnisse der WM und Schlägereien mit Gegenspielern.

SPOX: Herr Lanig, Sie wurden im letzten Testspiel gegen Lens bereits nach 48 Minuten ausgewechselt. Machte das operierte Knie Probleme?

Martin Lanig: Nein, ich habe einen Ellbogen in den Rücken bekommen und musste deshalb raus. Es war aber nur eine Vorsichtsmaßnahme. Mit meinem Knie habe ich überhaupt keine Probleme, ich kann alles voll mitmachen. Alles läuft nach Plan.

SPOX: Sind Sie zum Saisonstart topfit?

Lanig: Ja, auf jeden Fall. Ich bin auf demselben Leistungsstand wie alle anderen auch. Ich habe alles mitgemacht, fühle mich gut und bin auf jeden Fall fit, wenn die Saison losgeht.

SPOX: Gegen Lens hat es bereits zum zweiten Mal in Serie bei FC-Spielen gekracht. Diesmal war Kevin McKenna mittendrin, im Spiel zuvor sind Sie mit einem Gegenspieler aneinander geraten. Was ist los beim FC?

Lanig: Zur Situation mit McKenna kann ich wenig sagen, weil ich das nicht so richtig mitbekommen habe. Solche Situationen sind natürlich immer blöd, aber im ersten Testspiel hier in Österreich sind den Spielern von Al Hilal die Nerven durchgegangen. Sie haben uns massiv attackiert. Da kann es schon mal zu einer Rudelbildung kommen. Man lässt sich eben auch nicht dreimal von einem Gegenspieler schlagen.

SPOX: Coach Zvonimir Soldo möchte in dieser Saison im 4-3-1-2-System spielen lassen. Fühlen Sie sich darin wohl?

Lanig: Das System ist gut. Die vier Mittelfeldpositionen sind ja alle relativ zentral, das kommt mir entgegen.

SPOX: Petit kommt zentral in der Dreierreihe eine Schlüsselposition zu. Wie läuft das Zusammenspiel zwischen ihnen?

Lanig: Wir verstehen uns gut. Für meine Begriffe haben wir auch in den Testspielen schon ganz ordentlich harmoniert. Das alles ist natürlich noch ausbaufähig, aber wir haben ja noch ein bisschen Zeit, um am Feinschliff zu arbeiten. Aber ich gehe mit einem guten Gefühl in die Runde, die Grundvoraussetzungen sind geschaffen.

SPOX: Was erwartet Soldo von Ihnen?

Lanig: Es gab noch kein längeres Gespräch, aber der Trainer möchte, dass ich Verantwortung übernehme. Dass ich im Spiel spreche, Kommandos gebe.

SPOX: Auf welcher Position sehen Sie sich?

Lanig: Ich kann alle vier Positionen im Mittelfeld spielen, von daher ist es mir egal, wo mich der Trainer einsetzt. Bisher habe ich immer halbrechts gespielt. Deshalb gehe ich davon aus, dass ich auch da auflaufen werde.

SPOX: FC-Manager Michael Meier hat Sie als sehr kopfballstarken und schussstarken Mittelfeldspieler beschrieben, der offensiv Akzente setzen wird. Der Verein scheint sich viele Treffer von Ihnen zu erwarten.

Lanig: Ich werde natürlich versuchen, Tore zu schießen -  möglichst viele in dieser Saison. Wobei man sehen muss, wie das vom System her passt, wann ich in die Spitze stoßen kann.

SPOX: Wie meinen Sie das?

Lanig: Im neuen System sind die drei vor der Abwehr doch einen Tick defensiver. Aber nichtsdestotrotz kann man sich natürlich vorne mit einschalten, zum Beispiel wenn Flanken über die andere Seite kommen oder bei Standardsituationen. Ich hatte meine Chancen in den Testspielen, das stimmt mich positiv.

SPOX: Sie haben gesagt, dass dieses Team nichts mit dem Abstieg zu tun haben darf. Wie lautet Ihr Saisonziel?

Lanig: Realistisch ist, dass wir mindestens Platz zehn erreichen. Persönlich will ich der Mannschaft helfen, indem ich vorangehe und Verantwortung übernehme.

SPOX: Sie haben sicher auch die WM intensiv verfolgt. Haben Sie für sich etwas daraus ziehen können? Gerade im zentralen Mittelfeld gab es doch einige beeindruckende Vorstellungen - besonders von ihren Bundesligakollegen Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira...

Lanig: Mir sind grundsätzliche Dinge aufgefallen, die man heutzutage beherzigen muss, um erfolgreich zu sein. Im Passspiel zum Beispiel: dass man keine einfachen Fehlpässe spielt, dass die Pässe mit Druck gespielt werden, dass man sicher spielt. Das hat das deutsche Team gut gemacht - und das kann man auch gut auf uns übertragen. Um erfolgreich zu sein, ist das eine Voraussetzung.

SPOX: Was ist Ihnen besonders ins Auge gestochen?

Lanig: Auffällig fand ich die Passschärfe. Bei den Teams, die weit vorne gelandet sind, sah man, dass sie eine große Schärfe und sehr hohe Genauigkeit in den Pässen hatten. Daran sieht man, wie wichtig das ist.

SPOX: Michael Ballack war in Südafrika nicht dabei. Sie werden aufgrund ihrer Spielweise oft mit ihm verglichen. Nervt Sie das mittlerweile?

Lanig: Also erstmal schmeicheln mir die Vergleiche, weil Ballack ein Weltklassespieler ist. Aber nichtsdestotrotz denke ich doch, dass ich ein eigener Spielertyp bin.

SPOX: Der FC hat Sie als Führungsspieler geholt, gleichzeitig aber auch klargemacht, jetzt und in Zukunft vermehrt auf die eigene Jugend setzen zu wollen. Wie finden Sie diesen Weg?

Lanig: Grundsätzlich gut. Aber es ist auch wichtig, eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen, hungrigen Spielern in der Mannschaft zu haben. Ich glaube, dass diese Mischung bei uns ganz gut ist.

SPOX: Welchen Eindruck haben Sie von der jungen Garde um Stephan Salger, Adam Matuschyk, Taner Yalcin, Mark Uth und Co.?

Lanig: Das sind gute Spieler, Talente, die sehr willig sind. Aber natürlich brauchen sie noch Zeit, müssen Erfahrung sammeln. Wichtig ist, dass sie willig sind und dazulernen wollen. Und diese Bereitschaft sehe ich.

SPOX: Wer kann den Durchbruch in dieser Saison schaffen?

Lanig: Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, dass alle es schaffen können. Sie haben alle das Zeug dazu. Da gehört aber immer auch ein bisschen Glück dazu.

SPOX: Welcher ihrer Teamkollegen hat sie in der Vorbereitung positiv überrascht?

Lanig: Mit Mato Jajalo, der im linken Mittelfeld spielt, harmoniere ich sehr gut. Obwohl wir noch wenig zusammengespielt haben, läuft der Ball im Mittelfeld bereits ganz gut.

SPOX: In Kürze stößt auch Lukas Podolski zum Team. Was erwarten Sie sich von ihm?

Lanig: Mit Poldi kommt noch mal große Qualität hinzu. Er hat eine sehr gute WM gespielt und wird auf jeden Fall eine riesengroße Verstärkung für uns.

SPOX: Köln ist ein heißes Pflaster, auf dem FC liegt traditionell großer Druck. Haben Sie das kurz vor dem Saisonstart bereits miterlebt und wie gehen Sie damit um?

Lanig: Dagegen gibt es ein simples Rezept: einfach gut spielen. (lacht)

Umdenken beim FC: Paradigmenwechsel in Köln

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