Mut zur Gelassenheit

Von Für Spox in Trentino: Florian Bogner
Mittwoch, 21.07.2010 | 11:04 Uhr
Hamit Altintop ist 2007 ablösefrei von Schalke zum FC Bayern gewechselt
© Getty
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Hamit Altintop ist dienstältester Bayern-Profi im Trainingslager am Gardasee. Der zwölfte Mann will in der kommenden Saison eine feste Größe im Team werden - auch, weil er nicht mehr jeden Rat von Louis van Gaal annimmt.

Hamit Altintop stand mitten im Estadio Santiago Bernabeu und war doch ganz weit weg. Am 22. Mai dieses Jahres herzten sich auf der Tribüne gerade mehrere Inter-Spieler nach Leibeskräften, vor ihnen wartete ein Pokal mit großen Ohren auf die Ehrenrunde. Und unten auf dem Rasen stand Altintop, blickte mit glasigen Augen Richtung Bayern-Kurve und hob die Arme zum Gruß. Seine Gestik hatte etwas von Abschied.

Knapp acht Wochen später sieht Altintop wie verwandelt aus. Na gut, das Haar ist immer noch etwas buschig am Hinterkopf, der Drei-Tage-Bart sprießt in alle Richtungen. Aber die Mimik und Gestik und vor allem die Augen sagen: Der Mann will. Rein in die erste Elf.

"Habe meine Identität zur Seite gelegt"

"Ich weiß, dass ich mich mit meinen Qualitäten absolut nicht verstecken brauche", lässt Altintop die Pressevertreter an diesem Dienstag wissen und signalisiert: Er ist jetzt hier im Trainingslager am Gardasee, um sich einen Vorsprung auf die WM-Fahrer zu erarbeiten, die jetzt gerade im Urlaub weilen.

Altintop hat lange gezögert, bis er in der Sommerpause doch noch für ein weiteres Jahr beim FC Bayern unterschrieb. In der abgelaufenen Saison war er am Anfang drin im Team, dann ganz lange draußen und erst zum Schluss wieder auf dem Platz.

"Es war eine Riesenumstellung für mich, als der neue Trainer kam", meint Altintop im Rückblick. Er habe sich zu sehr unter Druck gesetzt und partout das umsetzen wollen, was van Gaal von ihm verlangte. "Ich wollte das eins zu eins so machen und habe dabei meine eigene Identität zur Seite gelegt", sagt er selbstkritisch. "Das hat mir eher geschadet."

Verkrampfung weicht der Zuversicht

Der 27-Jährige berichtet von Selbstzweifeln, die ihn plagten. "Manchmal habe ich mir selbst gesagt: 'Hey, du machst das doch schon Jahre lang - was ist los?'" Er hat viel geschimpft in dieser Zeit. Mit sich, mit seinem Umfeld. Mit Leuten, die gar nichts dafür konnten.

Zu Beginn der vergangenen Saison war Altintop nicht richtig fit, berichtet er. Er habe teilweise vielleicht zu viel gewollt, die Schmerzen mit Willen kompensieren wollen. Das geht nun nicht mehr. "Ich habe gelernt, dass ich, wenn irgendwas nicht in Ordnung ist und ich der Mannschaft nicht helfen kann, auch nicht spielen werde", sagt der Deutsch-Türke.

Jetzt, im Trainingslager, ist die Welt wieder in Ordnung. Seine ärgsten Konkurrenten steigen erst in zwei Wochen ins Training ein. Altintop wird beim Supercup spielen, vielleicht auch im DFB-Pokal und zum Bundesligastart in der Startelf stehen. "Ich gehe jetzt mit mehr Gelassenheit an die Sache, bin aber voll fixiert auf das Ziel, jedes Spiel mit der Mannschaft zu gewinnen", diktiert er artig.

Sanfte Rebellion

Und van Gaals Vorgaben? Die wolle er nicht mehr blaupausenartig umsetzen. "Dann wäre ich nicht der, der ich bin", sagt Altintop. "Ich versuche das alles aufzunehmen - aber am Ende entscheide ich, wie und wann ich den Pass spiele", sagt er.

Am Montagabend, in Riva del Garda, winkte Altintop wieder einer großen Menge Bayern-Fans. Vor 4000 Fans waren die Bayern in den Hafen eingelaufen, wurden auf einer Bühne den Fans und Urlaubern vorgeführt.

Nicht nur die Amateurspieler machten dabei große Augen, erzählt der 27-Jährige. Und: "Das war noch mal eine Bestätigung für mich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe." Jetzt muss sich Altintop nur noch selbst beweisen, dass er das Zeug zum Stammspieler beim FC Bayern München hat.

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