Das Mysterium Jefferson Farfan

Jefferson Farfan: Egozentrik in der Quarantäne

Von Haruka Gruber
Montag, 05.07.2010 | 10:30 Uhr
Jefferson Farfan erzielte in der letzten Saison acht Tore für Schalke 04
© Imago
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Mit seinen Privat-Eskapaden sorgt Stürmer Jefferson Farfan für Ärger auf Schalke. Sportlich jedoch ist der 25-jährige Peruaner unersetzbar. Wie tickt das wandelnde Rätsel, das selbst Felix Magath nicht entschlüsseln kann?

Für ein, zwei Tage kam er sich wie ein Aussätziger vor. Isoliert und abgeschirmt von allen anderen, verharrte er in der Quarantäne und wartete darauf, dass seine Krankheit endlich abklingt.

Dabei hatte sich Jefferson Farfan nur erkältet - was für die Ärzte jedoch Grund genug war, um ihn wegen der Ansteckungsgefahr von der Mannschaft zu trennen. Und so konnte er Schalkes Erstrunden-Pokalspiel bei Germania Windeck nur im Hotelzimmer verfolgen.

Und aus diesem Grund bekam er auch erst später mit, was sein Trainer Felix Magath direkt nach dem 4:0 beim Fünftligisten auf die Frage antwortete, weswegen Farfan denn nicht gespielt hätte: "Er hat sich gestern nach dem Biertrinken krankgemeldet", sagte Magath - und ließ Raum für Spekulationen über Farfans Lebenswandel.

Farfan, der Problemfall?

Fast genau ein Jahr ist seitdem vergangen. Magath klärte bald auf, dass er missverstanden worden sei und Farfan nichts unterstellen wollte, der Peruaner selbst zeigte sich vom missglückten Start in die Saison schnell erholt und war maßgeblich an Schalkes Vizemeisterschaft beteiligt. Farfan, der Leistungsträger. Farfan, der Top-Vorbereiter.

Aber auch: Farfan, der Problemfall?

Denn ausgerechnet in der Vorbereitung zur kommenden Saison, in der der 25-Jährige endlich der Sprung vom hochbegabten Jungstar zum Fixpunkt eines Champions-League-Klubs gelingen soll, sorgt er höchst eigen dafür, isoliert zu werden.

Farfan verlängerte offenbar wegen eines eskalierten Streits mit Melissa, seiner Freundin und Mutter des gemeinsamen Sohnes, eigenmächtig den Urlaub und reiste mit einer einwöchigen Verspätung zum Schalker Trainingslager auf Borkum.

Magath zeigt Verständnis

Nach den Unstimmigkeiten zwischen Magath und Aufsichtsrats-Boss Clemens Tönnies, der bisher erfolglosen Suche nach einem Kuranyi-Nachfolger und den Querelen um den renitenten Rafinha der nächste drohende Konflikt.

Bisher äußerte sich Magath überraschend verhalten, sagt: "Man muss Verständnis haben für Farfan. Jeder Mensch ist anders." Was dennoch nicht die Frage beantwortet, was Magath von seinem einzig verbliebenen Stürmer von internationalem Format wirklich hält. Was soll man überhaupt von diesem Jefferson Farfan halten?

Farfan mag mit zehn Millionen Euro Ablöse der teuerste Transfer in der Schalke-Geschichte sein - aber es gibt wohl keinen anderen Star in der Bundeliga, der derart schwer einzuschätzen ist. Ein verantwortungsloser Hallodri, dem das Talent zugeflogen kam? Oder ein missverstandener Twen mit Eingewöhnungsproblemen?

Ein wandelndes Rätsel

Er selbst ist bei der Suche nach dem wahren Farfan keine Hilfe, weil er schlichtweg nichts sagt. Interviews gibt er gar nicht oder sagt diese kurzfristig ab.

Sei es wegen seiner schlechten Deutsch-Kenntnisse, obwohl ihm Magath bereits letzten Sommer dazu aufrief, die Sprache zu erlernen ("Ein Unding, dass Farfan nach einem Jahr noch immer nichts versteht").  Oder sei es, weil er generell den Medien misstraut - wobei es kurios anmutet, dass er zuletzt statt nach Deutschland zurückzukehren in eine peruanische TV-Show ging, um dort über sein Privatleben zu sprechen, wie die "Bild" berichtet.

Farfan bleibt nicht fassbar. Ein wandelndes Rätsel.

Farfan-Transfer ein Meilenstein für Schalke

Aufgewachsen ist er in Pamplona Alta, einem Armenviertel im Süden der peruanischen Hauptstadt Lima. Da das Geld fehlte, bastelte sich der kleine Jefferson aus alten Kleidungsstücken einen Fußball und erlernte so den Sport. Mit 11 wurde er von Deportivo Municipal entdeckt, drei Jahre später verpflichtete ihn Perus Vorzeigeklub Alianza Lima für immerhin 8000 Euro.

Und es ging rasant weiter: Debüt in der ersten Mannschaft mit 16, Debüt in der Nationalmannschaft mit 18, Wechsel zu PSV Eindhoven mit 19. Als der damals 23-Jährige 2008 von Schalke verpflichtet wurde, hatte er bereits sieben Landestitel gewonnen, vier mit Eindhoven, drei mit Lima.

"Für Schalke ist der Transfer eine neue Dimension, doch ich denke, dass sich jeder Cent bezahlt machen wird", sagte der damalige Manager Andreas Müller. Doch das erste Jahr bei S04 geriet zu einer Enttäuschung. Farfan fremdelte im neuen Umfeld und der neuen Mannschaft, die im Vergleich zu Eindhoven so mittelmäßig war. Und er wurde bereits damals arg abgelenkt vom Privatleben.

Private Turbulenzen, sportliche Erfolge

Schon seine erste Vorbereitung mit Schalke nahm er erst mit zweitägiger Verspätung auf, weil "ich es liebe, Melissa zu verwöhnen", ein halbes Jahr darauf bekam er wiederum wegen einer kranken Großmutter Sonderurlaub. Der wahre Grund war wohl eine Beziehungskrise.

Umso erstaunlicher, dass Farfan trotz all der Probleme in seinem Debüt-Jahr 15 Scorer-Punkte (neun Tore, sechs Assists) gelangen. Jedoch deutete er erst in der abgelaufenen Saison an, welch immense Begabung in ihm steckt.

Mit seiner Dynamik, Konstanz, taktischen Intelligenz und verbesserten Effektivität (acht Tore, zehn Assists) gehörte er zu den besten Offensivspielern des Landes, egal ob er als Rechtsaußen oder als zweiter Angreifer aufgeboten wurde.

"Von Bayerns Arjen Robben abgesehen gibt es keinen Bundesliga-Spieler, der rechts so viel Dampf machen kann wie Farfan. Und was häufig vergessen wird: Er ist sich nicht zu schade, nach hinten zu arbeiten", lobt Schalkes Stürmer-Legende Klaus Fischer bei SPOX.

"Farfan ist der wertvollste Spieler"

Für einige war Farfan für Schalke sogar unabdingbar und wichtiger als etwa Top-Torjäger Kuranyi. Eine Übertreigung? Nein - behauptet ausgerechnet Farfan von sich selbst.

"Jefferson verfügt über ein Potenzial, um das ihn viele andere Stürmer auf der Welt beneiden. Er ist beidfüssig und hat eine großartige Freistoß-Technik. Im Augenblick ist er der wertvollste Spieler von Schalke 04", heißt es auf seiner offiziellen Homepage. Eine Egozentrik, die zum Eindruck passt, den Farfan derzeit hinterlässt.

Vor einem Jahr sagte Farfan noch: "Felix Magath hat mir die Augen geöffnet." Derzeit scheint es, als ob seine Augen geschlossen sind.

Peru, Holland, Deutschland: Jefferson Farfan im Steckbrief

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