Mittwoch, 19.05.2010

Toni Kroos im Interview

"Klinsmann hat sich gegen mich entschieden"

Nach eineinhalb Jahren als Leihspieler bei Bayer Leverkusen kehrt Toni Kroos zu seinem Stammverein, dem FC Bayern München, zurück. Der Zwischenstopp hat sich für den Mittelfeldspieler extrem gelohnt, der neue deutsche Meister bekommt einen Spieler, der sich sehr gut weiterentwickelt und zudem den Sprung in die Nationalmannschaft gepackt hat.

Toni Kroos erzielte in der abgelaufenen Saison neun Tore für Bayer Leverkusen
© Getty
Toni Kroos erzielte in der abgelaufenen Saison neun Tore für Bayer Leverkusen

Im Interview spricht der 20-Jährige über seine Zeit in Leverkusen, den Unterschied zwischen Jürgen Klinsmann und Jupp Heynckes und erklärt, wie man als "Jahrhunderttalent" zurecht kommt.

SPOX: Herr Kroos, wussten Sie, dass Sie aus sportjournalistischer Sicht schon Geschichte geschrieben haben?

Toni Kroos: Nein, wieso?

SPOX: Der "Kicker" kürte Sie am 17., 18. und 19. Spieltag der abgelaufenen Saison dreimal in Folge zum Mann des Tages. Das gab es zuvor noch nie.

Kroos: Achso, ja, das war mir bekannt. Ich wusste allerdings auch nicht, dass es so etwas noch nie gab. Das habe ich dann irgendwo gelesen.

SPOX: Klingt nicht so, als ob Ihnen das viel bedeutet.

Kroos: Wenn man sieht, wie viele Profis jeden Spieltag auflaufen und man dann dreimal in Serie zum Besten gekürt wird, freut man sich auf jeden Fall darüber. Ich hänge das aber nicht zu hoch.

SPOX: Leverkusen spielte eine sensationelle Vorrunde, stürzte dann aber wie im Vorjahr ab. Sie waren beide Male dabei: Was ist passiert?

Kroos: Es war dieses Jahr ganz anders als im letzten Jahr. Diese Saison waren wir in der Rückrunde in ein paar Spielen vom Kopf her als Mannschaft nicht ganz da und haben dadurch den Abstand nach oben immer größer werden lassen. Ansonsten haben wir in den restlichen Partien zumeist vollends überzeugt.

SPOX: Im Sommer geht es zurück zu den Bayern. Wenn Sie unbedingt in Leverkusen hätten bleiben wollen, hätten Sie bei den Bayern eine Chance gehabt?

Kroos: Das weiß ich nicht. Der vertragliche Standpunkt war von Anfang an klar. Nach den Gesprächen mit den Bayern zuletzt stand dann sofort fest, dass es zurück nach München geht.

SPOX: Sie haben sich kürzlich mit den Verantwortlichen des FC Bayern getroffen, um Ihre Perspektiven für die kommende Spielzeit auszuloten. Was hat Ihnen Louis van Gaal denn genau gesagt?

Kroos: Da werde ich Ihnen leider nichts verraten können.

SPOX: Van Gaal sagte aber im Vorfeld, dass Sie bei ihm nicht auf der linken Außenseite spielen werden, da er Sie auf der 10er-Position sieht und Sie genau deshalb zurück kommen sollen. In Leverkusen spielten Sie zumeist auf der linken Seite. Wo sehen Sie sich am liebsten?

Kroos: Wo ich am Ende spiele - auch wenn das eine Floskel ist - entscheidet der Trainer. Ich spiele sowohl links als auch zentral gerne. Ich habe beides schon gespielt und werde daher auch mit beiden Positionen zurecht kommen.

SPOX: Ihre Forderung ist, dass Sie auf eine gewisse Anzahl von Spielen kommen wollen, um einen Knick in Ihrer Karriere zu vermeiden. So etwas ist bei den Bayern jedoch nicht zu garantieren. Ist Ihnen diese Gefahr bewusst?

Kroos: Das ist derzeit schwer zu sagen. Ich werde in München von der ersten Minute an Gas geben und versuchen, meine Leistung aus dieser Saison zu bestätigen. Mehr kann ich nicht machen. Wie es dann für mich am Ende läuft, kann ich momentan natürlich noch nicht sagen.

Die Höhepunkte der Bundesliga-Saison 2009/2010
Startschuss: Der amtierende Meister aus Wolfsburg empfing zu Saisonbeginn den VfB Stuttgart. Den Wölfen gelang ein Einstand nach Maß, das Spiel endete 2:0
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Startschuss: Der amtierende Meister aus Wolfsburg empfing zu Saisonbeginn den VfB Stuttgart. Den Wölfen gelang ein Einstand nach Maß, das Spiel endete 2:0
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Auch die Mainzer legten einen furiosen Start hin. Nach dem Überraschungs-Sieg gegen die Bayern, als Heinz Müller (r.) Gomez und Co verzweifeln ließ, stand der FSV auf Rang fünf
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Die Bayern sorgten noch rechtzeitig für Verstärkung - Neuzugang Robben (M.) schlug ein wie eine Bombe. Gleich im ersten Spiel gegen Wolfsburg gelang ihm ein Doppelpack
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In Berlin wurde schon am 7. Spieltag die Reißleine gezogen, Funkel ersetzte Favre. Doch Ersatzkeeper Burchert (r.) versaute Funkels Debüt, er kassierte drei selten blöde Gegentore
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In Berlin wurde schon am 7. Spieltag die Reißleine gezogen, Funkel ersetzte Favre. Doch Ersatzkeeper Burchert (r.) versaute Funkels Debüt, er kassierte drei selten blöde Gegentore
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Auch die Bayern rutschten in die Krise, Höhepunkt war das Gastspiel von Ex-Münchner Lukas Podolski (r.). Nach dem 0:0 gegen Köln stand der FCB auf Rang acht
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Auch die Bayern rutschten in die Krise, Höhepunkt war das Gastspiel von Ex-Münchner Lukas Podolski (r.). Nach dem 0:0 gegen Köln stand der FCB auf Rang acht
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Urplötzlich wurde die Bundesliga von einem tragischen Todesfall erschüttert. Robert Enke, Torhüter von Hannover 96, nahm sich das Leben. Fußballdeutschland verharrte in Trauer
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Robert Enke wurde im Mittelkreis der AWD-Arena die letzte Ehre erwiesen. Sämtliche Fußballgrößen Deutschlands waren zu Gast
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Doch die Fußballwelt musste sich weiter drehen. Bremen gelang am Spieltag Eins nach dem Enke-Tod der bis dato höchste Saisonsieg (6:0). Dabei überragend: Mesut Özil (l.)
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In Stuttgart hingegen herrschte Frust pur. Schuld am katastrophalen Saisonstart war laut Fan-Meinung Trainer Babbel. Es folgte die Entlassung, Nachfolger wurde Christian Gross
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Doch Jens Lehmann erschwerte Gross' Bundesliga-Einstand. Nach einem fiesen Tritt auf den Fuß des Mainzers Aristide Bance, musste er mit glatt Rot vom Platz. Endergebnis: 1:1
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Doch Jens Lehmann erschwerte Gross' Bundesliga-Einstand. Nach einem fiesen Tritt auf den Fuß des Mainzers Aristide Bance, musste er mit glatt Rot vom Platz. Endergebnis: 1:1
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Für Hannover ging es nach dem Enke-Drama stetig bergab. Unglaublich: Beim 3:5 gegen Gladbach traf Constant Djakpa (r.) einmal, Karim Haggui (M.) gleich zweifach ins eigene Tor
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Für Hannover ging es nach dem Enke-Drama stetig bergab. Unglaublich: Beim 3:5 gegen Gladbach traf Constant Djakpa (r.) einmal, Karim Haggui (M.) gleich zweifach ins eigene Tor
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Auch in der Rückrunde drehte sich das Trainerkarussel weiter. Adil Chihi (oben) besiegelte Wolfsburgs 2:3-Pleite gegen Köln, VfL-Coach Armin Veh wurde daraufhin freigestellt
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Auch in der Rückrunde drehte sich das Trainerkarussel weiter. Adil Chihi (oben) besiegelte Wolfsburgs 2:3-Pleite gegen Köln, VfL-Coach Armin Veh wurde daraufhin freigestellt
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Das Comeback des Jahres feierte Cacau. Unter Christian Gross ging es für Stuttgart wieder aufwärts, beim 5:1 gegen Köln schlug der wieder genesene Cacau gleich vierfach zu
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Das Comeback des Jahres feierte Cacau. Unter Christian Gross ging es für Stuttgart wieder aufwärts, beim 5:1 gegen Köln schlug der wieder genesene Cacau gleich vierfach zu
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Auch der FC Bayern fand den Weg aus der Krise. Am 24. Spieltag stand der FCB dank Riberys Tor gegen den HSV erstmals seit 652 Tagen wieder an der Tabellenspitze
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Auch der FC Bayern fand den Weg aus der Krise. Am 24. Spieltag stand der FCB dank Riberys Tor gegen den HSV erstmals seit 652 Tagen wieder an der Tabellenspitze
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Für Bayern Leverkusen ging es hingegen in die andere Richtung. Die erste Saisonniederlage gegen Nürnberg am 25. Spieltag war der Beginn einer bitteren Talfahrt
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Für Bayern Leverkusen ging es hingegen in die andere Richtung. Die erste Saisonniederlage gegen Nürnberg am 25. Spieltag war der Beginn einer bitteren Talfahrt
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Das Wort "Krise" gehörte bei der Hertha längst zum Basis-Vokabular. Negativer Höhepunkt: Nach der last-minute-Pleite gegen Nürnberg randalierten wütende Fans auf dem Spielfeld
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Das Wort "Krise" gehörte bei der Hertha längst zum Basis-Vokabular. Negativer Höhepunkt: Nach der last-minute-Pleite gegen Nürnberg randalierten wütende Fans auf dem Spielfeld
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An der Spitze blieb es spannend: Schalke nutzte den 1:2-Patzer der Bayern in Stuttgart und holte in Leverkusen einen Dreier. S04 war wieder Tabellenführer
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An der Spitze blieb es spannend: Schalke nutzte den 1:2-Patzer der Bayern in Stuttgart und holte in Leverkusen einen Dreier. S04 war wieder Tabellenführer
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Spektakulärer Höhepunkt der Leverkusener Pleiten-Serie: In Frankfurt besorgte Maik Franz (M.) den Eintracht-Sieg in der 90. Minute per Fallrückzieher
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Spektakulärer Höhepunkt der Leverkusener Pleiten-Serie: In Frankfurt besorgte Maik Franz (M.) den Eintracht-Sieg in der 90. Minute per Fallrückzieher
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Für Franck Ribery (r.) war es keine überragende Saison, aber er war oft der Mann für die wichtigen Tore. Im Matchball-Spiel gegen Schalke netzte er ein, Bayern zog an S04 vorbei
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Für Franck Ribery (r.) war es keine überragende Saison, aber er war oft der Mann für die wichtigen Tore. Im Matchball-Spiel gegen Schalke netzte er ein, Bayern zog an S04 vorbei
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Sinnbild der Berliner Saison: Florian Kringe (r.), der gerade einen Mittelfußbruch auskuriert hatte, musste drei Minuten nach seinem Comeback vom Platz. Diagnose: Mittelfußbruch
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Zum Ende der Rückrunde wurde auch der HSV in der Tabelle durchgereicht und Trainer Bruno Labbadia entlassen. Es half wenig: Hamburg schied aus der Europa League aus
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Zum Ende der Rückrunde wurde auch der HSV in der Tabelle durchgereicht und Trainer Bruno Labbadia entlassen. Es half wenig: Hamburg schied aus der Europa League aus
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Auch der VfL Bochum reagierte zwei Spieltage vor Schluss - mit ähnlichem "Erfolg". Herrlich-Nachfolger Darius Wosz musste hilflos mit ansehen, wie der VfL Richtung Liga zwei trudelte
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Auch der VfL Bochum reagierte zwei Spieltage vor Schluss - mit ähnlichem "Erfolg". Herrlich-Nachfolger Darius Wosz musste hilflos mit ansehen, wie der VfL Richtung Liga zwei trudelte
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Am 33. Spieltag fiel die Entscheidung im Meisterkampf: Bayern siegte gegen Bochum, S04 unterlag Bremen. Dennoch wurden Mannschaft und Trainer von den Fans gefeiert
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Am 33. Spieltag fiel die Entscheidung im Meisterkampf: Bayern siegte gegen Bochum, S04 unterlag Bremen. Dennoch wurden Mannschaft und Trainer von den Fans gefeiert
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Die Schale wandert wie so oft zum Rekordmeister nach München. Meistermacher Louis van Gaal (l.) feierte mit den Fans am Marienplatz den 22. Titel für Bayern München
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SPOX: Welche Umstellungen erwarten Sie, wenn Sie aus dem relativ beschaulichen Leverkusen wieder in die Medienstadt München zurückkehren?

Kroos: Mein Vorteil ist, dass ich München schon gut kenne. Medial ist dort die Präsenz größer, auch die Erwartungshaltung ist eine andere. Mir hat es aber auch in Leverkusen sehr gut gefallen.

SPOX: Wenn man von Ihnen spricht, fällt häufig  das Wort "Jahrhunderttalent". Wie gehen Sie persönlich damit um?

Kroos: Das wird alles von außen an mich herangetragen. Ich nenne mich ja selbst nicht so. Ich glaube, dass man den Begriff des Jahrhunderttalents sowieso nie bestätigen kann. Das ist für mich ein viel zu großer Begriff. "Talent" an sich ist schon eine sehr große Wertschätzung.

SPOX: Als sogenanntes "Jahrhunderttalent" ist auch die Wellenbewegung zwischen extremem Hype und schneller negativer Kritik sehr groß. Nervt das?

Kroos: Nein, ganz und gar nicht. Ich bewerte das für mich persönlich ganz anders, als es die Öffentlichkeit tut. Heutzutage ist die Fallhöhe bei den Medien eben sehr groß. Wenn man gelernt hat, richtig damit umzugehen, macht es einem nichts mehr aus. Egal ob ich gut oder schlecht spiele, ich bewerte meine Spiele für mich selbst realistisch genug.

SPOX: Sie haben sich in Leverkusen enorm weiterentwickelt. War Ihnen gleich klar, dass Sie immer besser werden, so lange Sie das Vertrauen vom Trainer genießen und regelmäßig zum Einsatz kommen?

Kroos: Eigentlich schon. Es ist meiner Ansicht nach nur logisch, dass man für eine Weiterentwicklung auch so oft wie möglich auf dem Platz stehen und spielen muss. Das ist die absolute Grundvoraussetzung. Wenn man eine gewisse Qualität mitbringt, kann man sich als junger Spieler nur über die Spielpraxis weiterentwickeln. Das finde ich normal und das hat sich bei mir ja jetzt auch bestätigt.

"Es gibt - wie im normalen Leben auch - einfach ab und zu Kombinationen zwischen Spielern und Trainern, wo es eben nicht so wirklich passt."

Toni Kroos

SPOX: In welchen Bereichen haben Sie Ihrer Meinung nach den größten Schritt nach vorne gemacht?

Kroos: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich habe beispielsweise im physischen Bereich viele Extraschichten eingelegt. Ich bin jedoch der Meinung, dass ich mich komplett als Spieler verbessert habe, da ich eben genug Spielpraxis bekommen habe.

SPOX: Haben oder hatten Sie sportliche Vorbilder im europäischen Fußball?

Kroos: Früher war mein Vorbild Johan Micoud, als er in Bremen gespielt hat. Er hat mir aufgrund seiner Art und Weise, das Spiel zu lenken, unheimlich gefallen. Sonst habe ich derzeit kein spezielles Vorbild.

SPOX: Sie haben zuletzt zwei völlig unterschiedliche Trainer erlebt: den als Vereinstrainer unerfahrenen Jürgen Klinsmann und "Oldie" Jupp Heynckes. Wie groß waren die Unterschiede?

Kroos: Es war schon ein Unterschied. Bei Jupp Heynckes merkt man eben, dass er ein alter Hase und schon sehr lange im Geschäft ist. Er löst viele Dinge mit einer gewissen Ruhe und hat einen sehr guten Zugang zu den Spielern. Er weiß durch seine Erfahrung in vielen Bereichen, wie er in bestimmten Situationen reagieren muss.

SPOX: Im Gegensatz zu Heynckes sind Sie unter Klinsmann kaum zum Zuge gekommen.

Kroos: Es kommt immer auf die Philosophie des Trainers an. Da ist es egal, ob er jung oder etwas älter ist. Klinsmann hat sich eben in vielen Situationen gegen mich, Heynckes für mich entschieden.

SPOX: Ihr Ex-Coach Bruno Labbadia wurde in Hamburg aus denselben Gründen entlassen, wie ein Jahr zuvor in Leverkusen. Wie können solche Gräben zwischen Team und Trainer denn überhaupt entstehen?

Kroos: Das ist meist sehr unterschiedlich. Es gibt - wie im normalen Leben auch - einfach ab und zu Kombinationen zwischen Spielern und Trainern, wo es eben nicht so wirklich passt. Wenn man merkt, dass man gleich zu Anfang nicht auf einer Wellenlänge liegt, dann ist das bei einer Mannschaftssportart auf Dauer eher problematisch.

SPOX: Bald beginnt die WM. Die rechte Mittelfeldseite ist im Nationalteam unter anderem noch offen. Derzeit sind Thomas Müller und Sie die Favoriten für diese Position. Im Verein spielten Sie dort jedoch nicht so oft. Wäre das nicht eine große Umstellung, mal kurz eine WM auf einer Position zu spielen, die man die Saison über kaum bekleidet hat?

Kroos: Es sind zwei verschiedene Seiten, also muss man sich auch etwas umstellen. Das kommt auch immer auf den Spielertyp an. Man muss sich als Spieler oft anpassen und flexibel sein, vor allem was Positionen anbelangt.

SPOX: Wie haben Sie denn das WM-Aus Ihres Noch-Teamkollegen Rene Adler aufgenommen?

Kroos: Das ist eine sehr tragische Sache für ihn. Die WM war eines seiner großen Ziele. Er hatte die ganze Saison darauf hingearbeitet und jetzt das. Das ist schon sehr traurig.

Toni Kroos im Steckbrief

Interview: Jochen Tittmar

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