Mittwoch, 12.05.2010

Steve McClaren im Porträt

McClown sucht sein Glück

Der VfL Wolfsburg hat sich einen Trainer mit einer sehr bewegten Vergangenheit geangelt. Steve McClaren hat den Tiefpunkt seiner Karriere hinter sich und erkämpft sich seine Reputation zurück. Dabei soll Wolfsburg wohl nur eine Zwischenstation auf dem Weg zurück auf die Insel sein.

Wolfsburgs neuer Trainer Steve McClaren nach dem Titelgewinn mit dem FC Twente Enschede
© Imago
Wolfsburgs neuer Trainer Steve McClaren nach dem Titelgewinn mit dem FC Twente Enschede

Manchmal braucht es nicht viel, um für ewige Zeiten als Trottel der Nation zu gelten. Stephen "Steve" McClaren gehört zu den wenigen Menschen, die das sehr schmerzhaft am eigenen Leib erfahren mussten.

Ein bisschen Mladen Petric, noch mehr Scott Carson, ganz viel Regen und ein grässlichbunter Schirm machten einem zwar umstrittenen, aber farblos-unemotionalen Mann zu Englands Staatsfeind Nummer eins.

Charakterlos in der Schmach

Der 21. November 2007 veränderte das Leben von McClaren auf einen Schlag. Englands stolze Nationalmannschaft hatte im heimischen Wembley-Stadion die Qualifikation zur Europameisterschaft 2008 kläglich verspielt, zum ersten Mal seit 24 Jahren. McClaren war ihr Trainer.

Das 2:3 gegen die längst qualifizierten Kroaten, besonders aber die Art und Weise, wie dieses Ergebnis zustand kam und wie zögerlich und charakterlos McClaren mit der Schmach umgehen wollte, löste einen Sturm der Entrüstung aus auf der Insel.

"Viele haben es ihm damals übel genommen, dass er nicht von sich aus zurückgetreten ist. Das hat den Leuten richtig gestunken und die Stimmung aufgeheizt", erinnert sich Matt Hughes von der renommierten "Times" im Gespräch mit SPOX.

Flucht in die Provinz

Die Yellow Press war gnadenlos, teilweise unter der Gürtellinie beleidigend.

Noch in der Nacht nach dem Spiel tobte in den Internet-Foren der Hass, bei der FA gingen Morddrohungen ein gegen McClaren und all jenen, die "McClown" noch länger im Amt halten wollten. Am Morgen des darauffolgenden Tages knickte der Verband ein.

Seither ist der 49-Jährige in seiner Heimat nicht mehr erwünscht. Nicht umsonst führte ihn  sein Weg zunächst nach Enschede, 150.000 Einwohner, die holländische Provinz Overijssel. Und jetzt nach Wolfsburg, 120.000 Einwohner, deutsche Provinz am Mittellandkanal.

Das ist seither seine neue Heimat. Seine Familie fühlte sich nicht mehr wohl in England, das Engagement in der gemächlichen Eredivisie bei einem eher mittelprächtigen Klub wurde als Flucht verstanden. Für die McClarens war es der Anfang eines neuen Lebens.

Titelgewinn vor Ajax

Es ist erst zehn Tage her, da trugen ihn seine Spieler in Breda auf Schultern aus dem Stadion. No Names wie Wout Brama oder Cheik Tiote, auch der Ex-Hoffenheimer Wellington verdingte sich zuletzt beim FC Twente.

Die Stars der Mannschaft sind Blaise N'Kufo, weil er Schweizer Nationalspieler ist und Ronnie Stam, weil der einen berühmten Nachnamen trägt und zufällig auch der Bruder von Jaap Stam ist.

Ajax Amsterdam schoss seine Gegner in dieser Saison kurz und klein, am Ende standen 106 erzielte und nur 20 Gegentreffer. Und trotzdem musste Hollands größter Klub den Widerspenstigen vom Land den ersten Titel der Vereinsgeschichte überlassen. Es fehlte ein Punkt, weil McClarens Mannschaft nur zwei von 34 Spielen verlor.

McClaren holt sich seinen guten Ruf wieder

Es war eine der größten Leistungen, die der Fußball in den Niederlanden erleben durfte. Und McClaren war Initiator und Baumeister einer Sensation aus der "Low-Budget-Reihe". "Du musst im Leben auch scheitern, um stärker zu werden", sagte er selbst. "Die Meisterschaft ist der Lohn für alles, was ich und meine Familie durchgemacht haben".

Sein langjähriger Weggefährte Hughes kann das nur zu gut nachvollziehen. "Er hat in Enschede überragende Arbeit abgeliefert und durch den Titelgewinn ein großes Stück an Reputation zurückgewonnen - auch in England. Den Fans hier ist sein Erfolg nicht verborgen geblieben, die Leute sind beeindruckt von seiner Leistung."

In der holländischen Einöde hat er zurückgefunden in die Erfolgsspur, in Wolfsburg soll sein Weg jetzt ähnlich weitergehen. "Bei Twente hatte er alles, was er als Nationalcoach nicht hatte. Ruhe und Zeit und vor allen Dingen: Keine Ansammlung selbstverliebter Stars", so Hughes.

Die besten Sprüche der Saison 2009/10
"Joel Matip ist einer der jungen Spieler, die mir zugelaufen sind." (Schalke-Trainer Felix Magath zu seinem Händchen für Talente)
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"Joel Matip ist einer der jungen Spieler, die mir zugelaufen sind." (Schalke-Trainer Felix Magath zu seinem Händchen für Talente)
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"Nach außen ist er introvertiert." (HSV-Stürmer Mladen Petric über Mitspieler Ze Roberto)
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"Nach außen ist er introvertiert." (HSV-Stürmer Mladen Petric über Mitspieler Ze Roberto)
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"Wir haben zu zehnt so gespielt, als ob wir elf auf dem Platz hätten.“ (Trainer Jupp Heynckes von Bayer Leverkusen)
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"Wir haben zu zehnt so gespielt, als ob wir elf auf dem Platz hätten.“ (Trainer Jupp Heynckes von Bayer Leverkusen)
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"Mit seinem Körperschwerpunkt auf Höhe der Grasnarbe ist es schwer, gegen ihn zu verteidigen." (Werders Per Mertesacker über Mitspieler Marko Marin)
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"Mit seinem Körperschwerpunkt auf Höhe der Grasnarbe ist es schwer, gegen ihn zu verteidigen." (Werders Per Mertesacker über Mitspieler Marko Marin)
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"Von hinten." (Hoffenheims Torhüter Timo Hildebrand auf die Frage, wie er den 1:0- Sieg in Hannover gesehen habe)
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"Von hinten." (Hoffenheims Torhüter Timo Hildebrand auf die Frage, wie er den 1:0- Sieg in Hannover gesehen habe)
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"Wie merkt man, dass in Köln Donnerstag ist? Lukas Podolski kommt zum ersten Mal in der Woche zum Training.“ (Trainer-Urgestein Udo Lattek zur Situation des 1. FC Köln)
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"Wie merkt man, dass in Köln Donnerstag ist? Lukas Podolski kommt zum ersten Mal in der Woche zum Training.“ (Trainer-Urgestein Udo Lattek zur Situation des 1. FC Köln)
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"Geld schießt eben doch Tore. Zumal, wenn es vom Festgeldkonto kommt und nicht über Kredit." (Karl-Heinz Rummenigge zum Traumeinstand von Arjen Robben)
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"Geld schießt eben doch Tore. Zumal, wenn es vom Festgeldkonto kommt und nicht über Kredit." (Karl-Heinz Rummenigge zum Traumeinstand von Arjen Robben)
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"Für uns zählt nichts anderes, als nach vorne zu schauen, nach hinten geht's ja eh nicht mehr." (Maximilian Nicu von Hertha BSC Berlin nach dem 1:1 beim VfB Stuttgart)
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"Für uns zählt nichts anderes, als nach vorne zu schauen, nach hinten geht's ja eh nicht mehr." (Maximilian Nicu von Hertha BSC Berlin nach dem 1:1 beim VfB Stuttgart)
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"Jetzt gehe ich nach Hause und muss meine Kinder erziehen, damit wenigstens die korrekt werden." (Stuttgarts Jens Lehmann, der von einem 96-Balljungen genarrt worden war)
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"Jetzt gehe ich nach Hause und muss meine Kinder erziehen, damit wenigstens die korrekt werden." (Stuttgarts Jens Lehmann, der von einem 96-Balljungen genarrt worden war)
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"Ja, auf jeden Fall. Ich habe mit ihm aber nicht zusammengespielt!" (Dortmunds Dede auf die Frage, ob er Udo Jürgens kenne, der bei der 100-Jahr-Feier des BVB auftrat)
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"Ja, auf jeden Fall. Ich habe mit ihm aber nicht zusammengespielt!" (Dortmunds Dede auf die Frage, ob er Udo Jürgens kenne, der bei der 100-Jahr-Feier des BVB auftrat)
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"Man könnte meinen, dass Diego ihm mal die Frau ausgespannt hat." (Marcel Maltritz, nachdem Lutz Wagner Diego Klimowicz zum vierten Mal eine Rote Karte gezeigt hatte)
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"Man könnte meinen, dass Diego ihm mal die Frau ausgespannt hat." (Marcel Maltritz, nachdem Lutz Wagner Diego Klimowicz zum vierten Mal eine Rote Karte gezeigt hatte)
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"Er hat jetzt ein Bundesliga-Tor mehr als der Trainer, und das ist scheiße!" (Nürnberg-Coach Dieter Hecking, nachdem Ilkay Gündogan erstmals in der Bundesliga getroffen hatte)
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"Wir müssen gucken, dass wir den Köttel aus der Hose bekommen." (Bochums Torwart Philipp Heerwagen mit Blick auf den Abstiegskampf in der Endphase der Saison)
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"Ich war mit einem Auge hier und mit dem anderen Ohr in Bremen." (Stuttgarts Trainer Christian Gross über das Fernduell um einen Platz in der Europa League mit dem HSV)
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"Ich habe zum Vorstand gesagt, dass wir alle Titel feiern werden, ich bin ein Feierbiest." (Bayern-Trainer Louis van Gaal nach dem Gewinn des Meistertitels)
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"Wir wollten eine starke Persönlichkeit"

McClaren kam vom FC Middlesbrough, seine bis dato zaghaften Berührungspunkte mit den Glamourboys des Fußballs beschränkte sich auf seine Zeit als Assistenztrainer von Sir Alex Ferguson bei Manchester United.

Er hatte keinerlei Erfahrung im Umgang mit Stars, er konnte ihnen nicht seine Entschlossenheit und viel wichtiger: Glaubwürdigkeit, vermitteln. Mit den kleinen Egos in Enschede kam er viel besser zurecht - der VfL Wolfsburg konnte ein gesunder Mittelweg werden.

"Wir wollten eine starke Persönlichkeit. Das ist er", sagt Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß. Obwohl der eigentlich nicht dafür berühmt ist, starke Persönlichkeiten neben sich zu dulden.

Wie auch damals bei den Three Lions war McClaren auch in Wolfsburg nicht gleich erste Wahl. Erst nachdem Gerard Houllier den Wölfen absagte, orientierten sich die Verantwortlichen nach Holland.

Immerhin attestiert Hoeneß seinem Neuen "menschliche Qualitäten, Fußball-Sachverstand und internationale Erfahrung". McClarens Wirken sei "eine Erfolgsstory" und er selbst "ein guter Typ".

Vorfreude in Wolfsburg

Die Kombination zwischen Werksklub und dem angeblich so drögen McClaren sieht auf den ersten Blick fad aus, dahinter könnte sich aber eine formidable Mischung verbergen. Er will schnell deutsch lernen, seine Frau und die Kinder werden aus Enschede nach Wolfsburg ziehen.

Auch sein zukünftiges Personal findet nur lobende Worte für den neuen Chef. "Ich bin mir sicher, dass die Verantwortlichen den richtigen Mann gefunden haben", sagt Zvjezdan Misimovic.

Zwar tut man als Angestellter immer gut daran, sich so oder ähnlich über seinen Vorgesetzten zu äußern, bei Misimovic hat es aber auch den angenehmen Nebeneffekt, dass der zuletzt durchaus wechselwillige Bosnier seinen bis 2013 datierten Vertrag nun doch erfüllen will.

"Wir freuen uns drauf, dass wir einen neuen Trainer haben. Er hat schon reichlich Erfahrung gesammelt und Erfolge vorzuweisen", sagt Marcel Schäfer im Interview mit "90elf".

Parallelen zu Magath

Vor allen Dingen aber kann McClaren ein Team formen. Eine wichtige Eigenschaft für eine Mannschaft im Umbruch, die auch schon Felix Magath in Wolfsburg bis zur Meisterschaft brachte. Wie Magath gilt auch McClaren als ungeheuer ehrgeizig und ambitioniert.

So ehrgeizig, dass er die Herausforderung Premier League auf jeden Fall noch einmal wagen will. Allerdings erst später, die Offerte von West Ham United hat er mit Leichtigkeit ausgeschlagen.

"Wolfsburg soll ein weiterer Schritt zurück nach England werden. Sein Ziel kann nur sein, irgendwann wieder in der Premier League bei einem der großen Klubs zu arbeiten", sagt Matt Hughes.

"Das Bild vom 'brolly with the wally' (Trottel mit dem Regenschirm) wird es immer geben. Aber Steve McClaren ist ein guter Trainer. Und er wird es den Engländern zeigen."

McClaren wird neuer Wolfsburg-Trainer

Stefan Rommel

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