Die 18 Klubs im SPOX-Check

Meister Mainz & Vizekirchen

Von SPOX
Sonntag, 09.05.2010 | 21:00 Uhr
Am Mainzer Bruchweg gab es in der abgelaufenen Spielzeit viel zu jubeln
© Getty
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Zum 47. Mal schließt die Bundesliga ihre Pforten. Nach 34 Spieltagen mit insgesamt 306 Partien. 867 Tore wurden seit dem Auftakt am 7. August 2009 erzielt, 42 Mal wurden Profis von den Unparteiischen vorzeitig zum Duschen geschickt. Zehn Trainer wurden verschlissen und mehr oder weniger erfolgreich ersetzt. Doch das ist nicht alles zu einer Saison, in der die Bayern ihren 22. Meistertitel einfuhren, Schalke 04 auferstand, der VfB Stuttgart eine historische Aufholjagd startete und Aufsteiger Mainz 05 ganz Fußball-Deutschland begeisterte. SPOX hat die wirklich wichtigen Fakten gesammelt. Und ein eigenes Ranking erstellt.

(1) FSV Mainz 05 (47 Punkte, 36:42 Tore)

Mann der Saison: Thomas Tuchel (36). Der Shootingstar der Trainerbranche. Zu Saisonbeginn auf den Trainerstuhl gehievt, traute ihm kaum jemand außerhalb des Vereins wirklich etwas zu. Doch mit taktischem Verständnis sowie einer an Jürgen Klopp erinnernden Leidenschaft und Akribie trieb er den Aufsteiger zur besten Saison der Klubgeschichte an.

Spiel der Saison: 2:1 gegen Bayern (3. Spieltag). Die Sensation der Saison und die Initialzündung für die Erfolge. In der überragenden ersten Hälfte führte der FSV den Rekordmeister vor. Den Sturmlauf der Bayern nach der Pause überstand der FSV mit Glück und Teufelskerl Heinz Müller zwischen den Pfosten.

Zahl der Saison: 30. Während alle anderen als Abstiegskandidaten gehandelten Vereine bis auf den letzten Drücker um den Klassenerhalt zitterten, waren die 05er schon nach dem 30. Spieltag gesichert. Vier Spieltage vor Saisonende! Respekt!

Spruch der Saison: "Mainz ist für mich größer als Madrid!" (Real-Leihgabe Adam Szalai bewirbt sich öffentlich für einen Anschlussvertrag beim FSV)

SPOX-Note: 1. Besser geht es nicht für einen Aufsteiger vom Kaliber Mainz. Nicht zu vergleichen mit Hoffenheim vor einem Jahr oder Kaiserslautern 1997. Die 05er haben mehr aus der Situation gemacht, als eigentlich möglich war. Jetzt folgt aber das so schwere zweite Jahr.

(2) FC Schalke 04 (65 Punkte, 53:31 Tore)

Mann der Saison: Felix Magath (56). Der Messias ist angekommen. Binnen weniger Monate kittete er die tiefen Risse zwischen Mannschaft und Fans, baute zahlreiche unbekannte Namen in die Elf ein und formte ein Team, das bis zum vorletzten Spieltag um den Titel spielte.

Spiel der Saison: 2:0 in Leverkusen (28. Spieltag). Die wenigsten Auftritte waren ansehnlich. Dieser schon. Mit tollem Kombinationsfußball entzauberte S04 die Werkself und nahm verdient die Punkte mit - inklusive zwischenzeitlicher Tabellenführung.

Zahl der Saison: 9. Trotz hoher Schulden gingen die Knappen im Winter auf Shoppingtour. Neun neue Spieler kamen nach Gelsenkirchen. Im Vorgriff auf die neue Saison - so die offizielle Verlautbarung. Ablösesumme für den Neunerpack: 4,7 Millionen Euro.

Spruch der Saison: "Vielleicht haben wir extra noch ein paar Schafe vorher rumwühlen lassen..." (Heiko Westermann nahm die Kritik der Bayern am Rasen in der Schalker Arena mit Humor)

SPOX-Note: 1. Magath vollbrachte ein Wunder. Die direkte Qualifikation für die Champions League war angesichts all der finanziellen und personellen Baustellen nicht zu erwarten. Jetzt wartet dank der Königsklasse ein Geldregen von mindestens 20 Millionen Euro.

(3) Borussia Dortmund (57 Punkte, 54:42 Tore)

Mann der Saison: Lucas Barrios (25). Exakt sieben Spiele brauchte der Argentinier, um sich in der Bundesliga zu etablieren. Dann folgten Tore am Fließband, insgesamt 19 Stück. Kaum ein Spiel, in dem sein Name nicht auf der Anzeigetafel zu lesen war. Seit der Saison 1991/1992 traf kein Borusse so häufig wie er.

Spiel der Saison: 3:0 gegen Leverkusen (27. Spieltag). In der ersten Hälfte war Bayer besser, ohne den Ball im Netz unterzubringen. Und so zeigten die Dortmunder den Gästen, wie Tore schießen geht und siegten am Ende deutlich - und alles andere als unverdient.

Zahl der Saison: 24,3. Das Durchschnittsalter des Kaders. In der Stammelf standen regelmäßig fünf bis sechs Akteure, die nicht älter als 23 Jahre waren. Einzig Patrick Owomoyela (30) und Roman Weidenfeller (29) scherten aus.

Spruch der Saison: "Er ist eine Tormaschine und definiert sich zu 99,3 Prozent über Tore." (Michael Zorc wusste schon früh, was er von "Welttorjäger" Lucas Barrios zu erwarten hat)

SPOX-Note: 2. Der BVB ist wieder da! Nur die Startschwierigkeiten in beiden Saisonhälften vermasselten eine noch bessere Platzierung. Angesichts der Unerfahrenheit erklärlich. Diesem Team gehört die Zukunft.

 

(4) FC Bayern München (70 Punkte, 72:31 Tore)

Mann der Saison: Arjen Robben (26). Der Spieler dieser Saison. Erst spät an die Isar gelotst, traf der Niederländer bei seiner Premiere gegen Wolfsburg doppelt und markierte weitere wichtige Treffer. Für ihn baute Trainer Louis van Gaal seine Formation um. Der Garant für den Titel.

Spiel der Saison: 2:1 bei Schalke (29. Spieltag). Die Bayern waren vom Anpfiff weg Herr in der Schalker Arena und schockten den Gegner mit einem Doppelpack vor der Pause. In Erinnerung bleibt die zweite Hälfte, in der die Münchner trotz Unterzahl keine einzige Chance zuließen.

Zahl der Saison: 24. Am 24. Spieltag war es so weit. Nach mehr als 21 Monaten standen die Bayern  wieder auf Platz eins. Das brachte einen ordentlichen Schub Selbstvertrauen. Mit Ausnahme einer Woche gab man die Spitze nicht mehr her.

Spruch der Saison: "Ich habe zum Vorstand gesagt, dass wir alle Titel feiern werden, ich bin ein Feier-Biest." (Louis van Gaal freut sich nach dem Gewinn der Meisterschaft schon auf bis zu zwei weitere Titelfeiern in den kommenden Tagen)

SPOX-Note: 2. Angesichts des Kaders war der Titel Pflicht. Der schwache Saisonstart fällt bei der Note ins Gewicht. Auch wenn die Rückrunde mit Ausnahme der Partien in Frankfurt und gegen Stuttgart recht souverän war.

(5) Eintracht Frankfurt (46 Punkte, 47:54 Tore)

Mann der Saison: Michael Skibbe (44). Mit Skepsis wurde der neue Trainer empfangen. Doch schnell belehrte er Fans und Umfeld eines Besseren, impfte der Mannschaft ein ansehnliches Kombinationsspiel ein. Die neue Eintracht trägt seine Handschrift.

Spiel der Saison: 2:1 gegen Bayern (27. Spieltag). Ein Sieg des Willens. Bis kurz vor Abpfiff lag die Eintracht zurück. Eine unnachahmliche Schlussphase brachte dann aber den verdienten Erfolg.

Zahl der Saison: x. X-mal beschwerte sich Trainer Michael Skibbe öffentlich über die Personalpolitik und forderte mehr Risikobereitschaft auf dem Transfermarkt. Der Lohn: Im Januar kamen Halil Altintop und Ricardo Anthony Clark - zum Nulltarif.

Spruch der Saison: "Der Schiedsrichter hat mir gesagt, dass man mich besser unter Kontrolle halten kann, wenn ich eine Gelbe Karte sehe." (Patrick Ochs erklärt, warum er von Schiedsrichter Peter Gagelmann verwarnt wurde)

SPOX-Note: 2. Über Monate hinweg eine der Überraschungen der Liga, trumpfte gegen die Großen auf (Siege gegen Bayern, Leverkusen und zweimal Bremen). Doch zum Ende war die Luft raus, die Motivation schien zu fehlen.

(6) SC Freiburg (35 Punkte, 35:59 Tore)

Mann der Saison: Ömer Toprak (20). Nach einem Kartunfall hing seine Karriere am seidenen Faden. Doch der Verteidiger überwand alle Rückschläge und feierte am 18. Spieltag sein umjubeltes Comeback. Eine Woche später stand er gar in der Startelf.

Spiel der Saison: 3:0 gegen Mönchengladbach (7. Spieltag). Ordentlicher Saisonstart, doch zu Hause war nichts zu holen. Erst am 27. Spieltag gab es den zweiten Heimerfolg. So deutlich wie gegen Gladbach gewann Freiburg kein Spiel im eigenen Stadion mehr.

Zahl der Saison: 14. Abgesehen von dem Spiel gegen Mönchengladbach waren die Tore im eigenen Stadion für den SC wie vernagelt. Nur 14 Treffer gelangen. Negativer Höhepunkt: Zwischen dem 9. und 25. Spieltag blieben die Breisgauer in sechs Heimspielen ohne Torerfolg.

Spruch der Saison: "Ich werde mich heute bei meinem Bett entschuldigen müssen. Ich muss heute feiern." (Mohamadou Idrissou hatte nach der endgültigen Rettung keine Zeit für die heimischen Federn)

SPOX-Note: 2. Mit dem kleinsten Etat vorzeitig gerettet. Zudem als einziger Verein aus dem unteren Tabellendrittel ohne Trainerwechsel über die Runden gekommen. Nachahmenswert. Nur: Vor eigenem Publikum muss mehr drin sein.

Rasante Aufholjäger, ein Bundesligarekord & Verletzungsprobleme - Plätze 7 bis 12

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