Schalkes Peer Kluge im Interview

Peer Kluge: "Ich drücke Bayern die Daumen"

Von Interview: Haruka Gruber
Freitag, 30.04.2010 | 12:25 Uhr
Ab dem 23. Spieltag stand Peer Kluge (l.) immer in der Startelf von Schalke
© Imago
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Jenseits der Rivalität: Peer Kluge gehört auf Schalke zu Felix Magaths Schlüsselspielern - und fiebert dennoch mit dem FCB mit. Was steckt dahinter? Das Interview mit dem S04-Abräumer vor dem Spitzenspiel des 33. Spieltags gegen Werder Bremen (15.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY).

SPOX: Haben Sie das 3:0 des FC Bayern bei Olympique Lyon gesehen?

Peer Kluge: Natürlich habe ich das Spiel im TV verfolgt.

SPOX: Und? Haben Sie sich gefreut, dass der Rivale um die deutsche Meisterschaft durch das Erreichen des Champions-League-Endspiels in der Bundesliga abgelenkt sein könnte?

Kluge: Es kann sein, dass sich die Bayern zu sehr auf die Champions League konzentrieren und sie sich daher in der Liga einen Ausrutscher erlauben. Aber auch ohne die Bundesliga-Rivalität hätte ich mich sehr über Münchens Sieg gefreut. Ich drücke den Bayern immer die Daumen, wenn sie international im Einsatz sind, denn immerhin geht es ja auch um den deutschen Fußball an sich.

SPOX: Sie sprechen von möglichen Bayern-Ausrutschern. Wie groß ist aber die Gefahr, dass Schalke in den letzten zwei Spielen selbst patzt?

Kluge: Über die Stärke der Bremer müssen wir nicht reden. Und auch die Partie in Mainz am letzten Spieltag wird sehr schwer, weil der FSV extrem heimstark und unangenehm zu spielen ist. Zumal Mainz befreit auftreten kann, weil es um nichts mehr geht. Dennoch gehe ich davon aus, dass wir beide Gegner besiegen - und das könnte schon für den Titel reichen. Unsere Mannschaft ist perfekt für den Saisonendspurt vorbereitet.

SPOX: Auch Trainer Felix Magath hat seine Zurückhaltung abgelegt und spricht offen über die Meisterschaft als Ziel. Gehören solche Psycho-Tricks dazu?

Kluge: Das sind gar keine Psycho-Tricks. Gewisse Sticheleien gehören sicherlich dazu, zum Beispiel, als die Bayern unsere angeblich zu defensive Spielweise kritisiert haben, obwohl wir damit so erfolgreich waren. Aber in unserem Fall ist es doch so: Wenn eine Mannschaft kurz vor dem Saisonende so weit oben steht, muss man das Maximale wollen. Und dass man dies auch nach Außen transportiert, gehört dazu.

SPOX: Sie sind seit fast einem Jahrzehnt als Stammspieler in der Bundesliga, erst jetzt stehen Sie jedoch bei einem Spitzenklub unter Vertrag. Erleben Sie die schönste Phase der Karriere?

Kluge: Sagen wir es so: Ich erlebe eine neue Phase. In Mönchengladbach und in Nürnberg bin ich zweimal hintereinander aus der Bundesliga abgestiegen, was keine schöne Erfahrung war, aber auch dort hatte ich sehr schöne Zeiten. Nicht umsonst ist es mir schwer gefallen, im Winter Nürnberg zu verlassen - auch wenn mir sofort klar war, dass ich zu Schalke will, als ich das Angebot bekam und ich die Aussicht hatte, nächste Saison international zu spielen.

SPOX: Könnte Ihr später Wechsel zu einem Top-Verein damit zusammenhängen, dass Sie als defensiver Mittelfeldspieler nur selten wahrgenommen werden?

Kluge: Ganz genau weiß ich es nicht, warum es vorher nie geklappt hat. Es kann aber schon sein, dass Spieler-Typen wie ich eher unterschätzt werden. Aber deswegen werde ich mich sicherlich nicht verändern. Wenn es mich je wirklich gestört hätte, hätte ich ja auch Krawall machen können. Aber so einer will ich gar nicht sein.

SPOX: Wie wurde Felix Magath dennoch auf Sie aufmerksam?

Kluge: Ich habe oft gegen seine Mannschaften gespielt, daher hat er meinen Weg sicherlich verfolgt. Wie genau er aber vor einigen Monaten auf mich kam, weiß ich gar nicht.

SPOX: Wie verlief der Kontakt?

Kluge: Wir haben uns im Oktober letzten Jahres in München zu einem ersten Gespräch getroffen, die richtigen Verhandlungen begannen jedoch wesentlich später.

SPOX: War gleich von Beginn an klar, dass Magath in Ihnen einen Schlüsselspieler für Schalke sah? Immerhin hat er für Sie trotz klammer Kassen eine siebenstellige Ablösesumme an Nürnberg überwiesen und Sie sofort in die Stammelf gehievt.

Kluge: Er hat nicht das Wort "Schlüsselspieler" benutzt. Aber er hat mir erklärt, welche Art von Fußball er spielen lassen will und wie er mit mir plant. Sonst hätte Schalke sich im Winter wohl nicht die Mühe gemacht und sogar eine Ablöse gezahlt. Wie sich jetzt herausstellt, war es die absolut richtige Entscheidung von mir, zu Schalke zu gehen.

SPOX: Sie fühlen sich demnach in Gelsenkirchen wohl?

Kluge: Auf jeden Fall. Ich wurde sehr gut von der Mannschaft aufgenommen und es wurde mir leicht gemacht, mich hier einzuleben. Zumal ich mit meiner Freundin erst kürzlich eine neue Wohnung gefunden habe und das Leben aus dem Koffer im Hotel beendet ist. Aber auch als Fußballer kann ich mich gut mit dieser Region identifizieren.

SPOX: Vor zwei Wochen wurden Sie und andere Leistungsträger aber von Magath öffentlich kritisiert. Sie hätten beispielsweise die Erwartungen noch nicht erfüllt. Hat er recht?

Kluge: Selbstverständlich hat er recht. Bei Felix Magath ist es so, dass er mir jede Kritik vorher auch im persönlichen Gespräch sagt, daher musste ich das Interview gar nicht lesen. Ich weiß, dass der Trainer nur so erfolgreich ist, weil er Dinge direkt anspricht - und diese Dinge will ich auch beherzigen.

SPOX: Könnte es sein, dass Sie eine solch hohe Meinung von Magath haben, weil gewisse Ähnlichkeiten zwischen ihm und Ihrem sportlichen Ziehvater Hans Meyer bestehen?

Kluge: Hans Meyer als meinen sportlichen Ziehvater zu beschreiben, ist etwas zu viel, auch wenn ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm habe und wir nicht regelmäßig, aber ab und zu miteinander telefonieren. Nicht umsonst haben wir in Mönchengladbach und in Nürnberg miteinander gearbeitet.

SPOX: Dennoch wissen Sie, auf was die Frage abzielt?

Kluge: Natürlich: Zwischen Magath und Meyer gibt es in der Tat einige Parallelen. Sie verbindet die gemeinsame Auffassung von Fußball - und die Art der Mannschaftsführung. Magath wie auch Meyer verlangen hundert Prozent Einstellung in jeder Trainingseinheit, und statt zu beschönigen, machen sie knallharte Ansagen. Das zeichnet die beiden aus. Und: Beide haben einen ähnlichen Humor.

Aus Chemnitz in die Champions League: Peer Kluge im Steckbrief

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