Misimovic, Cacau oder Cale im Gespräch

Nach Metzelder: Was plant Felix Magath?

Von Haruka Gruber
Dienstag, 27.04.2010 | 17:22 Uhr
Felix Magath: Was plant er mit dem FC Schalke 04 in der nächsten Saison?
© Getty
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Christoph Metzelder ist nur der Anfang: Mit der Champions League und 20 Millionen im Rücken plant Magath die Transferoffensive. Auf allen Positionen deuten sich Veränderungen an, der große Verlierer könnte Heiko Westermann sein.

Keine Beleidigungen, keine Schmähungen: Überraschend positiv reagierten die Schalke-Fans bei mySPOX auf die Bekanntgabe, dass S04 Christoph Metzelder verpflichtet hat.

Jener Metzelder, der in seinen ersten sieben Jahren als Fußball-Profi ausgerechnet beim Erzrivalen Dortmund unter Vertrag stand, bevor er sich 2007 Real Madrid anschloss.

"Das ist natürlich mal ein Kracher", kommentierte User "jmbuehler". Und "FanatikerS04" ergänzte: "Viele wissen gar nicht, dass Metzelder in der Jugend bei Schalke gespielt hat. Metze, willkommen auf Schalke!"

Es ist kein Zufall, dass der Metzelder-Transfer so kurz nach dem sicheren Erreichen der Champions League - und den damit verbundenen fixen Einnahmen von rund 20 Millionen Euro - publik wurde.

Magath kämpft gegen den FC Bayern um die Meisterschaft - doch parallel baut er bereits jetzt die Mannschaft für die kommende Saison. Metzelder und Tim Hoogland stoßen neu zum Kader, dabei wird es jedoch nicht bleiben. Denn auf jeder Position deuten sich teils massive Veränderungen an. "Wir müssen und werden investieren", sagt Magath.

Das Tor

Die Nummer eins (Manuel Neuer) und die Nummer zwei (Mathias Schober) bleiben aller Voraussicht nach auf Schalke, lediglich bei der Rolle des dritten Torwarts besteht Klärungsbedarf. Der Vertrag des U-20-Nationalspielers Mohamed Amsif  läuft aus, weswegen Schalke angeblich Hoffenheims Reservekeeper Jens Grahl beobachtet hat.

Die Innenverteidigung

Die wohl brisanteste Personalkonstellation: Mit Metzelder sowie Marcelo Bordon, Heiko Westermann, Benedikt Höwedes und Carlos Zambrano stehen nächste Saison fünf bewährte Innenverteidiger im Team, hinzu kommt Winter-Neuzugang Tore Reginiussen, der bisher jedoch von einem 18-Minuten-Einsatz abgesehen nicht berücksichtigt wurde und dem wohl auch nächste Saison keine größere Bedeutung zukommt.

Im internationalen Fußball üblich ist eine Rotation aus vier Innenverteidigern - wodurch sich die Frage stellt: Wen gibt Magath ab? Bordon hängt ein Jahr dran und erfreut sich bei Magath einer hohen Wertschätzung, Metzelder ist als Leistungsträger eingeplant und der junge Zambrano gilt trotz seines Formtiefs weiterhin als einer der Langzeitprojekte des Trainers.

Bleiben daher Westermann und Höwedes. Letzterer war bereits im Winter stark umworben (Wolfsburg, Hamburg), sogar über eine mögliche Ablöse wurde angeblich bereits verhandelt (zehn Millionen Euro aufwärts). Magath jedoch entschied sich gegen einen Verkauf und setzte Höwedes fast ausschließlich auf dessen Lieblingsposition in der Innenverteidigung ein.

Ganz im Gegensatz zu Westermann, der zwar die Kapitänsbinde trägt, dennoch nur selten im ebenfalls präferierten Abwehrzentrum aufgeboten wird. Stattdessen musste Westermann auf beiden Außenverteidiger-Positionen oder wie zuletzt im defensiven Mittelfeld aushelfen, selbst als verkappter Rechtsaußen wurde er bereits eingesetzt.

Der loyale Westermann akzeptiert die Rochade - doch auch er weiß: Dass Magath vor zwei Wochen öffentlich seine Führungsqualitäten anzweifelte, könnte ein Indiz für schwindendes Vertrauen sein. Oder war es nur eine bewusste Provokation, um Westermann zu besseren Leistungen zu treiben?

Sein Berater Fritz Popp schloss gegenüber SPOX einen Wechsel aus: "Heiko hat einen Vertrag bis 2014 und bleibt definitiv auf Schalke. Es ist auch nicht entscheidend, auf welcher Position er spielt."

Die Außenverteidigung

Auch hier deuten sich grundlegende Veränderungen an. Der Weggang des abwanderungswilligen Rechtsverteidigers Rafinha scheint wahrscheinlicher als ein Verbleib, daher verwundern auch nicht die Gerüchte um eine Verpflichtung von Celtic Glasgows Andreas Hinkel, der ähnlich wie Kuranyi in Stuttgart von Magath gefördert wurde.

Zudem agierte Rückkehrer Hoogland in Mainz vor seiner Versetzung ins rechte Mittelfeld ausschließlich rechts hinten, wodurch ein Rafinha-Weggang selbst ohne adäquaten Nachkauf zumindest ansatzweise kompensiert werden könnte.

Wesentlich mehr Bedarf herrscht auf der linken Abwehrseite, obwohl sich doch der gelernte Mittelfeldspieler Lukas Schmitz als erstaunlich guter Vertreter erwies und der lange verletzte Christian Pander vor dem Comeback in der ersten Mannschaft steht.

Bereits zu Magaths Zeiten in Wolfsburg im Gespräch und auch auf Schalke ein Thema, seit Magath das Traineramt bekleidet: Hrvoje Cale, kroatischer Linksverteidiger von Trabzonspor. Weiteres Gerücht: eine mögliche Nachholaktion von Wolfsburgs Marcel Schäfer.

Das defensive Mittelfeld

Vieles wird davon abhängen, ob Magath seinen ursprünglichen Plan umsetzt und das Schalker Spielsystem dauerhaft auf das bevorzugte  4-4-2 mit Raute umstellt. Denn davon wird bestimmt, für wie viele defensive Mittelfeldspieler Magath Verwendung hat.

Obwohl gelernter Offensivspieler, könnte Ivan Rakitic nach den jüngsten Eindrücken als einziger Sechser gesetzt sein - was wiederum hieße: Der von Magath kritisierte Peer Kluge ("Er tut sich schwerer, als ich gedacht hatte") und Jermaine Jones, letzte Saison noch unverzichtbar aber nach einem Jahr Pause vor einer ungewissen Zukunft, müssten sich in diesem Fall auf die Halbpositionen orientieren, wofür jedoch auch Hoogland, Schmitz, Christoph Moritz oder der offensivere Junmin Hao in Frage kommen.

Gute Einsatzchancen hat hingegen Aufsteiger Joel Matip, der sowohl als Abräumer wie auch als Innenverteidiger sein enormes Talent andeutete. Während Vasilios Pliatsikas schrittweise an die Mannschaft herangeführt wird, ist die Zeit für den entttäuschenden Mineiro im Sommer endgültig abgelaufen.

Das offensive Mittelfeld

Die Problemstelle des FC Schalke. Magath sah sich im Laufe der Rückrunde gezwungen, auf ein 4-3-3 zu switchen, da es im Kader an einem veritablen Spielmacher mangelt. Levan Kenia ist begabt aber verletzt, Alexander Baumjohann begabt aber zu unbeständig.

Nicht weiter verwunderlich, dass sich daher das Gerücht um einen Kauf von Magaths ehemaligem Wolfsburger Schützling Zvjezdan Misimovic hartnäckig hält - auch wenn die mögliche Ablöse von mindestens 15 Millionen Euro nur schwer zu stemmen sein wird.

Eine weitere taktische Option: In einem flachen 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern könnten Hoogland (rechts), Hao (links) oder Kenia (beide Seiten) die offensiven Flügeln besetzen. Jan Moravek wäre einer für die Bank, ebenso Lewis Holtby, sollte Bochum absteigen und er zurückkehren müssen. Den Verein verlassen werden wohl Ze Roberto und Albert Streit.

Der Sturm

Schalke wie auch Kuranyi halten sich bedeckt - dennoch sind sich fast alle Beobachter sicher, dass sich die Wege trennen werden, zu zurückhaltend und distanziert äußern sich beide Parteien im Saisonendspurt. Bleibt damit nur noch Jefferson Farfan als einzige Fixgröße, egal in welchem System Schalke zukünftig auflaufen wird.

Dass Bedarf für Verstärkung besteht, ist offensichtlich. Kuranyi müsste ersetzt werden, zudem reicht die Qualität der Angreifer aus der zweiten Reihe nicht aus, um den Ausfall von Farfan oder einem neuen Sturmstar ansatzweise zu kompensieren.

Edu verkörpert lediglich mittleres Bundesliga-Niveau, Mario Gavranovic ist bei allem Talent zu unerfahren, Besart Ibraimi setzte sich nicht durch und Gerald Asamoah sowie Vicente Sanchez sind über dem Zenit.

Als neue Stürmer im Gespräch: Stuttgarts Cacau, Hamburgs Paolo Guerrero und Erik Jendrisek, mit 14 Treffern Toptorjäger bei Bundesliga-Aufsteiger Kaiserslautern.

Perfekt: Christoph Metzelder wechselt zu Schalke

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