Vor dem Kracher Schalke 04 - Bayern München

Tod oder Gladiolen, Part II

Von Andreas Lehner
Freitag, 02.04.2010 | 19:06 Uhr
Im Pokal siegten die Bayern um Miroslav Klose mit 1:0 auf Schalke
© Getty
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Drei schwere Auswärtsspiele bei Schalke 04, Manchester United und Bayer Leverkusen vor der Brust: Die Bayern sind vor einer richtungweisenden Woche für Champions League und Bundesliga mehr als angespannt. Arjen Robben fällt wohl aus. Auf Schalke holt Felix Magath derweil die Medizinbälle raus. Beide Trainer sind vor dem Bundesliga-Spitzenspiel siegessicher.

Neun Monate ist Louis van Gaal mittlerweile in München. An die Gepflogenheiten im erzkatholischen Bayern muss sich der Niederländer aber erst noch gewöhnen.

Bei der abschließenden Presserunde vor dem Spiel auf Schalke musste der Trainer mit einem seiner liebsten Rituale brechen. Am Karfreitag hatten die meisten Mitarbeiter der Geschäftsstelle an der Säbener Straße frei und folglich gab es für van Gaal auch nicht seinen obligatorischen Cappuccino.

"Ich bin froh, dass wenigstens Sie da sind", sagt van Gaal in Richtung der anwesenden Journalisten und lachte.

Fokussiert und angespannt

Es war das letzte Lachen für die nächsten 30 Minuten. Van Gaal ist im Vorfeld des Spitzenspiels (Sa. 15.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) fokussiert und angespannt.

Wenn der Niederländer von seinem Team spricht, spricht er gerne von einem Prozess - auch vor dem Spiel bei der Mannschaft von Felix Magath. "In diesem Prozess muss der Höhepunkt der Anspannung am Samstag um halb vier erreicht sein", sagte der Holländer.

Dann müssen die Bayern in der Bundesliga wieder Leistung abrufen. Gegen Frankfurt und Stuttgart gab es zuletzt zwei Niederlagen. Drei Liga-Niederlagen in Folge kassierten die Bayern zuletzt 1998.

Damals begann die Serie am 14. Februar mit einem 1:2 bei Hertha BSC Berlin, es folgten ein 0:2 gegen den 1. FC Köln am 28. Februar und am 8. März ein 0:1 - auf Schalke.

Wieder ein Gladiolen-Spiel

"Wir haben bis jetzt noch jedes Spiel mit der Regel 'Tod oder Gladiolen' gewonnen", sagt van Gaal. Tod oder Gladiolen, das ist die niederländische Metapher für ein Alles-oder-nichts-Spiel, die er dem deutschen Publikum vor dem Pokalspiel auf Schalke geläufig gemacht hatte.

Allerdings mit einer Einschränkung: "Diesmal ist ein Spiel mit anderen Regeln. Wenn wir verlieren, ist es nicht vorüber", sagt der FCB-Coach und rechnet vor: "Fünf ist weniger als 15."

Sicher wäre für die Bayern mit einer Niederlage auf Schalke noch nicht alles verloren - angesichts von dann fünf Punkten Rückstand auf die Königsblauen, wäre im Kampf um die Meisterschaft aber bereits eine Vorentscheidung gefallen.

"Haben unsere Ziele immer erreicht"

Doch wie van Gaal will auch Magath nichts von einem Spiel mit Endspielcharakter wissen. Die Schalker hoffen vielmehr auf eine müde Bayern-Mannschaft, die mit den Gedanken schon beim Rückspiel im Old Trafford ist.

"Ich bin viel heißer auf Schalke als auf das Rückspiel gegen Manchester", zerstreut Bastian Schweinsteiger diese Gedanken aber. Präsident Uli Hoeneß hatte vor einer Woche die Meisterschaft als den wichtigsten Titel ausgegeben.

Und van Gaal will ohnehin alle drei Titel und lässt das harte Programm der nächsten Wochen auch nicht als Ausrede gelten: "Wenn wir eine Spitzenmannschaft sein wollen, müssen wir dieses Programm spielen können. Die letzten zwei Bundesliga-Spiele hat das nicht so gut geklappt, aber wir haben bisher immer unsere Ziele erreicht."

Magath setzt Zirkeltraining an

Während die Bayern nach dem Champions-League-Spiel vor allem im regenerativen Bereich arbeiteten, holte Felix Magath mal wieder die Medizinbälle aus dem Schrank und setzte ein Zirkeltraining an.

"Das wurde langsam wieder Zeit", sagte er am Freitag: "Wir müssen auf das Kämpferische setzen - mal sehen, was die großartige Bayern-Mannschaft dagegenzuhalten hat. Ich bin davon überzeugt, dass wir gewinnen können. Die Stimmung ist gut, wir sind sehr selbstbewusst."

Das Duell Bayern gegen Schalke ist auch ein Duell der Trainer. Noch ist van Gaal im direkten Duell ungeschlagen, als Trainer wie als Spieler. 1985 standen sich beide im Europapokal gegenüber. Magath mit dem Hamburger SV, van Gaal mit Sparta Rotterdam.

Van Gaal traf als Kapitän seiner Mannschaft im Elfmeterschießen "ins Kreuzeck", wie er sich erinnert. "Aber ich glaube nicht, dass wir alten Männer spielen werden", sagt van Gaal.

Van Gaal kann Magath nicht lesen

Bei denen, die spielen sollen, lassen sich beide Coaches aber nicht in die Karten blicken. Van Gaal macht keinen Hehl daraus, dass es schwierig ist, seinen Gegenüber einzuschätzen: "Die Denkweise von Magath ist wichtig. Aber das ist schwierig für mich, weil er jedes Mal eine andere Aufstellung und Taktik wählt."

Auch van Gaal hält sich in Sachen Aufstellung noch bedeckt. Was man aber weiß: Arjen Robben trainierte am Freitag nicht mit der Mannschaft und flog auch am Freitagnachmittag nicht mit. Unklar ist noch, ob er Franck Ribery mit Blick auf ManUtd wirklich drei Spiele in Folge über 90 Minuten zumuten will.

Dafür dürfte der genesene Mario Gomez wieder auflaufen. Zudem empfahlen sich Hamit Altintop und Danijel Pranjic beim 2:1 gegen Manchester für weitere Aufgaben.

Ein anderer Louis van Gaal

Ob es ihm denn gelegen käme, jetzt wieder mehrere Alternativen für die Startelf zu haben, wollte ein Journalist von van Gaal wissen.

"Alternativen waren immer da. Nur Sie haben das anders gesehen", sprach van Gaal erbost und deutete dabei mit seinem Zeigefinger in die Runde. "Wenn Sie auf ein gefundenes Fressen aus sind und etwas anderes schreiben als die Fakten, dann bin ich auch ein anderer Louis van Gaal."

Die Stimmung ist gereizt vor dem Spitzenspiel auf Schalke. Vielleicht lag es aber auch nur am fehlenden Cappuccino.

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