Bundesliga

Polizeigewerkschaft für Geisterspiele in Berlin

SID
Montag, 15.03.2010 | 15:15 Uhr
Im Anschluss an die Ausschreitungen nahm die Polizei gut 30 Personen fest
© Getty
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Die Ausschreitungen nach der 1:2-Pleite gegen den 1. FC Nürnberg könnten für Hertha BSC ein Nachspiel haben. Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft, fordert Geisterspiele.

Die Polizei fordert nach den Krawallen von Berlin "Geisterspiele" und das Ende der Stehplätze. "Diese Kurven, wo sich die Gewalt hochschaukelt, müssten gesperrt werden", sagte Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): "Man ist fassungslos darüber, dass sowas in der Bundesliga möglich ist. Ich fordere mindestens einige Spiele ohne Zuschauer, damit diese Krawallmacher auch merken, dass sie ihrem Verein schaden."

Der DPolG-Vorsitzende bezeichnete den Sicherheitsdienst von Hertha BSC Berlin bei den Ausschreitungen nach dem 1:2 gegen den 1. FC Nürnberg am Samstag als "personifizierte Überforderung" und forderte vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) drastische Maßnahmen.

Namentlicher Ticketverkauf

"Wir brauchen endlich den namentlichen Ticketverkauf. Dieser muss in allen Stadien Standard werden", sagte Wendt, der Verband und Liga erneut die "übliche Betroffenheits-Rhetorik" vorwarf: "Danach passiert eigentlich nichts. Ich erwarte aber, dass der DFB und die DFL ihre sozialpädagogischen Programme auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen. Da gibt es viel Aktionismus ohne Sinn, wenn Geld für die Bastelstuben der Ultras ausgegeben wird."

Die Unterstützung der Fan-Gruppierungen durch den DFB steht nach dem Chaos von Berlin tatsächlich auf dem Prüfstand. "Die Fans schneiden sich mit solchen unsinnigen Aktionen ins eigene Fleisch. Jetzt wird alles auf den Prüfstand gestellt, was wir in den letzten zwei bis drei Jahren vor allem mit den Fan-Gruppierungen erarbeitet haben. Wir wollen keine englischen oder amerikanischen Verhältnisse, aber die Diskussionen um die Stehplätze, vergünstigte Karten für Ultras oder Gästekontigente werden natürlich jetzt wieder richtig losgehen", sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn.

Internationaler Druck beim Thema Stehplätze

Im Gegensatz zu der englischen Premier League hatten DFB und DFL in den vergangenen Jahren auf eine liberale Haltung gesetzt und den Fans einen Teil der Tribünen als Stehplätze überlassen. Nach den Vorkommnissen von Berlin stehen diese auf der Kippe.

"Der internationale Druck ist bei dem Thema Stehplätze immens. Unbestritten ist auch, dass wir in den Stehplatzbereichen die meisten Probleme haben. Das müssen wir analysieren und gemeinsam mit Politik, Polizei, Vereine und vernünftigen Fan-Gruppierungen die richtigen Maßnahmen treffen", sagte Spahn.

Nach Angaben von Hertha-Manager Michael Preetz hatte es schon vor der sportlich brisanten Partie gegen den Club konkrete Hinweise auf mögliche Krawalle gegeben. Deshalb sei der Sicherheitsdienst auch personell aufgestockt worden.

"Man hätte die Personen aufgrund des Grabens im Olympiastadion auf Biegen und Brechen zurückhalten können, aber zum Schutz der Spieler und des Kabinentrakts hat man in Kauf genommen, dass sie auf den Platz laufen. Diese Chaoten haben ja auch zumindest keine Ordner angegriffen, es gab keine Schlägerei. Ziel waren wohl alleine Hertha-Symbole wie die Trainerbank. Da hat sich offenbar der ganze Frust wegen der sportlichen Situation in Berlin entladen", sagte Spahn.

Heldt nimmt Politik in die Pflicht

Der DFB wartet derzeit auf die schriftlichen Stellungnahmen der Behörden und des Sicherheitsdienstes. Der DFB-Kontrollauschuss wird anschließend über ein Strafmaß für die ohnehin gebeutelten Berliner beraten. Stuttgarts Sportvorstand Horst Heldt nahm allerdings weniger den DFB, sondern vielmehr die Politik in die Pflicht.

"Es ist nicht nur ein Problem der Bundesliga, wenn man sich Berichte aus der Kreisklasse oder anderen Ligen anschaut. Es ist ein Problem in vielen Bereichen der Gesellschaft. Wir haben es nicht nur im Fußball. Deshalb muss ein Zeichen aus der Politik kommen", sagte Heldt bei "Sky 90".

Preetz weist Kritik an Sicherheitsdienst zurück

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