Sonntag, 28.03.2010

Schalke der Gewinner des Wochenendes

Magath macht's schon wieder

Schalke ist Tabellenführer und strebt die erste Meisterschaft nach 52 Jahren an. Felix Magath macht's möglich. Der Trainer überträgt sein Wolfsburger Erfolgsrezept auf S04, wehrt sich aber noch gegen zu große Ziele. Die Parallelen sind dennoch unübersehbar.

Die Spieler von Schalke 04 feiern ihren Sieg über Bayer 04 Leverkusen
© Getty
Die Spieler von Schalke 04 feiern ihren Sieg über Bayer 04 Leverkusen

Der Kampf um die Meisterschaft wird auch im Kopf entschieden. Da sind sich alle einig: die Bayern, die Leverkusener und die Schalker. Darum waren die Münchner auch so froh, endlich Tabellenführer zu sein und die Liga von oben dominieren zu können. Nur offenbart der Plan zuletzt erhebliche Schwächen.

Um die Macht der Spitzenposition auszunutzen, braucht man Siege. Das gelang weder in Frankfurt noch zuhause gegen Stuttgart. Trotzdem waren sich die Bayern sicher, dass die Konkurrenz mit dem Druck, auf Platz eins springen zu können, nicht umgehen könne. Das behaupteten zumindest Louis van Gaal und Mark van Bommel nach Leverkusens Niederlage in Dortmund und Schalkes 2:2 in Hamburg.

Selbst nach der Niederlage gegen den VfB sagte van Bommel noch: "Wenn die anderen nur 1:1 spielen, sind wir immer noch Erster. Oder nicht?"

Schalke kennt keinen Druck

Seine Hypothese blieb eine solche. Schalke spielte drei Tage nach dem Aus im Pokal Leverkusen in deren Stadion an die Wand und schien ganz anders als Bayer völlig losgelöst vom Druck. Platz eins diente als Anreiz, Versagensängste kannten nur die Leverkusener.

Während die Bayern gegen Stuttgart müde und ausgelaugt ihr Pensum runterspulten und in der Schlussphase nicht mehr zulegen konnten, waren die Schalker Leverkusen läuferisch, taktisch und zum Erstaunen aller auch spielerisch überlegen.

Dabei hatte van Gaal seiner Mannschaft auf Schalke die größere Ausdauer attestiert. Die bessere Regenerationsfähigkeit bei Körper und Geist hatte aber Königsblau.

Schalkes Basis-Fußball

Jetzt ist es keine Neuigkeit, dass Mannschaften, die Trainingseinheiten unter Felix Magath absolvieren, Kondition und Kraft mehrerer Pferde haben. Und auch nicht neu ist die Art und Weise, wie Magath in der letzten Saison Wolfsburg auf und außerhalb des Platzes zum Titel führte. Schalke spielt den Basis-Fußball der Wolfsburger aus dem vergangenen Jahr. Hinten gut stehen, das Mittelfeld schnell überbrücken und in der Spitze auf die individuelle Qualität vertrauen.

Die Grundvoraussetzung dafür war eine perfekte Kaderanalyse und das Zurechtstutzen der Ansprüche im Schalker Umfeld. Scheiterten Magaths Vorgänger noch reihenweise an der Sehnsucht nach offensivem Fußballspektakel, stellte der 56-Jährige gleich zu Beginn klar, dass diese Hoffnung mit dem vorhandenen Personal nicht erfüllt werden könne.

Also setzt Magath auf die Defensive, die durchaus internationalen Ansprüchen genügt. Schalke kassierte in der laufenden Saison die wenigsten Gegentore und war auch in den vergangenen vier Spielzeiten in dieser Kategorie immer unter den Top 3.

Dazu kommt, dass Magath es geschafft hat, Kevin Kuranyi und Jefferson Farfan in eine überragende Form zu bringen, und die beiden die Offensive fast alleine auf ihren Schultern tragen. Das Mittelfeld ist bis auf Ivan Rakitic mit soliden Defensivarbeitern bestückt, die klare, einfache Aufgaben haben und maschinenartig funktionieren müssen. Und dies unabhängig vom Gegner tun.

Alles hört auf Felix Magath

Trotzdem macht Magath weiter auf Understatement und spricht seiner Mannschaft Qualität und Souveränität im Kampf um den Titel ab. Es gehört zu Magaths Team- und Öffentlichkeitspsychologie, die Mannschaft so lange wie möglich am Boden und die eigenen Ziele ganz unten zu halten, um keinen Druck entstehen zu lassen.

Außerdem lenkt er alle Aufmerksamkeit auf sich, schafft mit Scharmützeln an verschiedenen Fronten (Berichterstattung von SKY, Rasenstreit mit Hoeneß) eine "Wir gegen den Rest der Welt"-Stimmung.

Wohl auch deshalb wurde in den letzten Wochen zwar immer wieder über einen möglichen Absturz von "Vizekusen" diskutiert, Schalkes Traumata aus den Titelrennen 2001 und 2007 aber noch nicht thematisiert. Aber selbst wenn: Magath hat in Wolfsburg bewiesen, dass er seine Mannschaft von externen Einflüssen abschotten und die Konzentration auf das Wesentliche lenken kann. Beispielsweise nachdem sein Wechsel nach Schalke publik geworden war.

Warten auf die richtige Situation

Noch tut Magath den Medien nicht den Gefallen und sagt: "Ich will Meister werden!" Am Samstag gab er immerhin zu, dass er sich nach einem Sieg nächste Woche im "Endspiel" gegen die Bayern nicht mehr wehren könnte, von der Meisterschaft zu sprechen.

"Nach wie vor ist der FC Bayern der große Favorit auf den Titel. Nach dem kommenden Spitzenspiel werden wir genauer wissen, was wir am Ende erreichen können", sagte Magath am Sonntag im "DSF": "Ich habe gelernt, abzuwarten, bis die Situation so weit ist." Letzte Saison war dies am 30. Spieltag nach einem 4:0 gegen Hoffenheim der Fall.

Magath weiß, dass jetzt die "Crunch-Time" angebrochen ist und der Spielplan eine außergewöhnliche Chance für Schalke bereithält. Mit zwei Niederlagen in der Liga und zwischen den Champions-League-Spielen gegen Manchester United ist der FC Bayern sehr mit sich selbst beschäftigt.

Magath sucht nach Ausflüchten

Mit fünf Punkten Vorsprung könnte Schalke schon mit den Planungen für die Meisterfeier beginnen, auch wenn Magath noch händeringend nach Ausflüchten sucht.

Da wäre zum einem das Restprogramm. "Der FC Bayern hat das leichteste Restprogramm. Man muss damit rechnen, dass sie sehr viele Punkte zum Schluss machen", sagt Magath ohne zu erwähnen, dass Schalkes ausstehende Gegner von ähnlicher Qualität sind.

Beide spielen noch gegen Hannover, Gladbach und Hertha. Schalke muss dann noch gegen Bremen und Mainz ran, während Bayern gegen Leverkusen und Bochum spielt.

Jetzt die Saison mit dem Tabellenrechner durchtippen

Zum anderen verweist Magath auf seine unerfahrene Mannschaft. "Ich glaube, wenn man den Fußball allgemein betrachtet, sieht man, dass die Mannschaften, die um den Titel spielen, meistens einen anderen Altersdurchschnitt haben als der FC Schalke 04." Schalkes Elf aus dem Leverkusenspiel war im Durchschnitt 25,5 Jahre alt, die Meistermannschaft des VfL Wolfsburg 25,7. Noch Fragen?

Die Tabelle der Bundesliga

Andreas Lehner

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