Die entscheidende Phase der Saison

High Noon - Wer wird deutscher Meister?

Von SPOX
Montag, 22.03.2010 | 00:13 Uhr
So war das damals beim VfL Wolfsburg: Felix Magath mit Meisterschale
© Getty
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Bayern München, Schalke 04 oder Bayer Leverkusen: Wer wird deutscher Meister? Die Saison geht in die heiße Phase, in den nächsten zwei Woche werden die Weichen gestellt. In den kommenden 20 Tagen spielen alle drei Titelaspiranten im direkten Duell gegeneinander. Wer hat die beste Ausgangssituation, wer ist körperlich in Form, wer hat die besten Nerven? Die wichtigsten Erkenntnisse des Wochenendes.

 

FC Bayern München (1., 54:24 Tore, 56 Punkte)

Formkurve: Die Perfektion, mit der die Bayern im Winter phasenweise die Liga beherrschten, ist einer Frühjahrsmüdigkeit gewichen. Ein überragender Arjen Robben, positive Ergebnisse, der Tabellenstand sowie das emotionale Weiterkommen in der Champions League kaschierten dabei die sinkende Formkurve. Die Mannschaft spielt nicht mehr so dominant, verliert im Mittelfeld häufiger die Bälle, kommt dadurch in der Abwehr öfter unter Druck - und zeigt sich im Abwehrverhalten auch nicht immer überzeugend. Aus dieser Perspektive war Frankfurt weniger ein einmaliger Ausrutscher als vielmehr der Tiefpunkt einer negativen Entwicklung. Womöglich aber ein Weckruf zum richtigen Zeitpunkt.

Körper: Gegen Frankfurt wirkte die Mannschaft überspielt und müde. Vor allem die von Louis van Gaal geforderte Ball- und Passsicherheit litt unter der fehlenden Konzentration. Nur 50 Prozent Ballbesitz sind für die Bayern zu wenig, zumal ausgerechnet der Schlüsselspieler Robben nur 14 von 32 Zuspielen an den Mann brachte.

Auch "Mister Zuverlässig" Müller hängt körperlich durch. Zum Glück für die Bayern kehren mit Ribery, Olic und Gomez aber wichtige Optionen für die Offensive nach Verletzungen zurück. Fast noch wichtiger: Auch in der Abwehr entspannt sich die personelle Situation. Van Buytens Verletzung ist nicht so schlimm wie befürchtet und auch Demichelis soll im Lauf der Woche wieder ins Training einsteigen. Trotzdem hat die abgelaufene Woche gezeigt: In der Abwehr ist der Kader eigentlich zu dünn besetzt, gerade in der Innenverteidigung darf nicht viel dazwischenkommen.

Geist: Schalke, Stuttgart, Manchester, Schalke, Manchester, Leverkusen: Sechs richtungweisende Spiele innerhalb von nur 17 Tagen - schwerer geht's nicht. Aber wenn eine deutsche Mannschaft in der Lage ist, dieses Programm zu stemmen, dann der FC Bayern. Anders als die Konkurrenz hat der Rekordmeister genug internationale Erfahrung im Kader. Trotzdem ist der Tanz auf drei Hochzeiten eine extreme Herausforderung für den schmalen Kader - und im Kampf um die Meisterschaft sicher kein Vorteil.

 

FC Schalke 04 (2., 44:22 Tore, 55 Punkte)

Formkurve: Schalke hat keine Formkurve, Schalke braucht auch keine Formkurve, Schalke funktioniert wie eine Maschine. Die Magath-Elf spult unbeirrt ihr Pensum ab, völlig unabhängig davon, was in der Vorwoche war. Wichtig ist nur der nächste Gegner. Damit ist Königsblau nun schon wieder seit vier Spielen ungeschlagen und punktete als einziger der Titelkandidaten auch am Wochenende. Mit dem 2:2 gegen Hamburg ist Schalke nicht nur der moralische Sieger des Spieltags, aber auch das interessiert Magath nicht. Vielmehr kritisierte er sein Team für die Passivität nach dem Führungstor und hält damit weiter jene fruchtbare Projektatmosphäre am Leben, mit der er schon den VfL Wolfsburg zum Titel führte.

Körper: Schalke hat den größten Kader der drei Meisterschaftsanwärter; und trotzdem offenbar keine unzufriedenen Spieler. Wer nicht in der Startformation steht, setzt sich brav auf die Bank - und bringt sofort Leistung, wenn er eingewechselt wird. So kann Magath je nach Gegner und Spielsituation sein Personal verändern. Gegen Hamburg reagierte er auf einen Pausenrückstand, indem er mit Baumjohann einen Kreativspieler ins Zentrum stellte, der dann auch prompt das Spiel an sich riss. Abgesehen von den Angreifern hat Schalke für jede Position gleich mehrere Optionen - und alle sind topfit und ausgeruht.

Geist: Schalke hatte von Anfang an keinen Druck - und Magath bemüht sich erfolgreich, auch jetzt keinen aufkommen zu lassen. Die Meisterschaft? Kein Thema! Anstatt die Konkurrenz aus Leverkusen zu beobachten, ging er mit seiner Mannschaft am Samstagabend zum HSV Hamburg: Handball gucken. Den Titel könne er ja sowieso nicht holen, seine Mannschaft sei dafür noch viel zu jung, das sei schlichtweg unmöglich. Die gleiche Platte legte er vor genau zwölf Monaten auch in Wolfsburg auf. Bis er sie schließlich gegen eine hässliche, silberne Schale tauschte.

 

Bayer Leverkusen (3., 56:28 Tore, 53 Punkte)

Formkurve: In der Vorwoche zeigte Bayer eine beeindruckende Antwort auf die erste Saisonniederlage und fiedelte den HSV nach allen Regeln der Kunst mit 4:2 vom Platz. Auch die erste Hälfte gegen Dortmund war durchaus geeignet, Titelträume zu schüren. Doch Leverkusen ließ die Torchancen liegen, kam in der zweiten Halbzeit richtig unter die Räder und zeigte dabei erneut: Die Heynckes-Elf hat keinen Plan B für einen Rückstand. Im Gegenteil, Bayer wirkte geschockt und hektisch und fing sich schnell zwei weitere Tore - zu naiv für eine Spitzenmannschaft.

Körper: Kein Pokal, kein Europa-Cup: Bayer kann sich voll auf die Liga konzentrieren. Und das sieht man auch: Die Mannschaft wirkt körperlich topfit, frisch und spritzig. Außer Simon Rolfes hat Leverkusen außerdem keine Verletzten. Heynckes hat eher ein kleineres Luxusproblem: Gegen Hamburg etwa musste Toni Kroos trotz abgesessener Gelbsperre für Renato Augusto auf der Bank Platz nehmen - was der 21-Jährige freilich auch ohne Murren tat.

Geist: Heynckes versucht alles, um Lockerheit zu verbreiten, aber mental ist Leverkusen in einer kniffligen Lage. Sollte Bayer am Ende nämlich Vierter oder Fünfter werden, dürften sich alle Beteiligten zwar die interne Mitarbeiter-Gratifikation abholen - von außen aber würde es wohl die gewohnte Häme hageln. Denn weil Magath sein Licht noch etwas überzeugender unter den Scheffel stellt, wird Leverkusen eben öffentlich zum offiziellen Bayern-Jäger: Irgendwer muss den Job ja machen. Ob Bayer aber wirklich das Zeug zum Titel hat, werden die nächsten beiden Heimspiele zeigen: Erst gegen Schalke, dann gegen die Bayern. Die Rahmenbedingungen jedenfalls stimmen, der Kader hat genügend Potential - der Rest ist Kopfsache.

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