Kampfansage vom Club: Bei Sieg ist Hertha weg

SID
Donnerstag, 11.03.2010 | 17:46 Uhr
Albert Bunjaku (r.) traf beim 3:0 im Hinspiel gleich zweifach für den FC Nürnberg
© Getty
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Die einen zweifeln an sich selbst, die anderen strotzen nach ihrem jüngsten Coup vor Selbstvertrauen: Vor dem Kellerduell am 26. Spieltag am Samstag zwischen Hertha BSC Berlin und dem 1. FC Nürnberg (15.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf Skyl) könnte die Gefühlslage bei beiden Klubs unterschiedlicher nicht sein.

Durch den überraschenden 3:2-Erfolg am vergangenen Wochenende gegen Bayer Leverkusen haben die Nürnberger unüberhörbar neuen Mut getankt und geben sich vor der Kellerpartie angriffsfreudig: "Für Hertha ist es die letzte Chance auf den Klassenerhalt. Gewinnen wir, war es das für die Alte Dame", sagt Klub-Kapitän Andreas Wolf.

Sein Team rückte durch den Coup gegen Bayer auf Rang 15 vor und hat einen Zähler Vorsprung auf Relegationsplatz 16. Ähnlich sieht auch die sportliche Leitung der Nürnberger die Rollen verteilt. Für Manager Martin Bader, der wie Herthas Manager Michael Preetz sein Handwerk einst in Berlin unter Dieter Hoeneß erlernt hat, haben die Franken psychologisch klare Vorteile.

"Druck hat nur Berlin. Für die geht es in diesem Spiel um alles. Wir haben mit jedem möglichen Ergebnis weiterhin einen Vorsprung auf Hertha." Auch der Umgang mit der schweren Verletzung von Abwehrspieler Breno, der gegen Leverkusen einen Kreuzband- und Innenmeniskusriss im Knie erlitt, spiegelt das neue Selbstvertrauen beim Club wider.

Statt zu lamentieren, blickt man nach vorne und redet Breno-Ersatz Dominic Maroh stark. "Wir vertrauen ihm vollkommen, Dominic bringt alles mit für diese Position", sagt Mitspieler Javier Pinola. "Maroh hat in der Vergangenheit häufig bewiesen, dass er ein zuverlässiger Mann ist", betont auch Trainer Dieter Hecking.

"Es fehlen Schweine"

Bei Schlusslicht Hertha hingegen ist die Stimmung auf dem Nullpunkt angekommen. Die Chancen aufs Überleben sind nach einer schmerzhaften Negativ-Serie auf ein Minimum geschrumpft. Zu Hause ist die Alte Dame seit dem 8. August (1:0 gegen Hannover 96) ohne Sieg. Zuletzt verpasste sie mehrfach den Anschluss ans rettende Ufer, seit Mitte September dümpelt sie auf dem letzten Platz.

Angesichts fehlender Erfolgserlebnisse hat die Selbstkritik in der Hauptstadt zugenommen. "Unsere Truppe ist einfach zu nett. Das sind durch die Bank fast alles liebe Schwiegersöhne. Es fehlen die Schweine, die fiesen Charaktere", klagt Pal Dardai.

Der Ungar, der am Samstag mit seinem 281. Ligaspiel Herthas Rekordspieler werden könnte, ist nach seiner Verletzung (Sprunggelenk) wieder rechtzeitig fit und gilt als einer der wenigen Hoffnungsträger im Team.

Manager Preetz begrüßte Dardais Kritik. "Es sollte aufrütteln und er hat ja auch völlig recht", sagte Preetz dem kicker, übte damit aber gleichzeitig Selbstkritik: Preetz selbst war es, der das Team mit den "braven" Spielern zusammengestellt hat.

Hertha ohne Vier

Jetzt bekommt der Manager die Quittung dafür: Die Mannschaft zeigt im Abstiegskampf zu wenig Herz und Leidenschaft und wächst in wichtigen Spielen zu selten über sich hinaus.

Und sollte am Samstag wieder kein Sieg gelingen, dann dürfte Nürnbergs Kapitän Wolf Recht behalten und der Abstieg nicht mehr zu verhindern sein - auch wenn Club-Manager Bader zurecht betont: "Am 26. Spieltag ist noch keiner abgestiegen."

Die Berliner haben vor dem Duell mit dem Gast aus Süddeutschland ihr Trainingslager pikanterweise im Hotel 'Bayrisches Haus´ in Potsdam aufgeschlagen.

Trainer Friedhelm Funkel wählte bewusst die Abgeschiedenheit. "Wir wollen konzentriert arbeiten", sagte Funkel, dem neben Fabian Lustenberger (5. Gelbe Karte) auch Steve von Bergen (Rückenprobleme), Patrick Ebert (Trainingsrückstand) und Rasmus Bengtsson (Fußprellung) fehlen.

Hertha - Nürnberg: Die voraussichtlichen Aufstellungen

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