Alaba, Contento, Ekici und Co.

Das ist Bayerns Zukunft

Von Andreas Lehner
Freitag, 05.03.2010 | 18:54 Uhr
Ein Bild aus vergangen Drittliga-Zeiten: Thomas Müller (l.) und Mehmet Ekici
© Getty
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Louis van Gaal ist ein Förderer der Jugend. Im Moment darf sich Diego Contento dauerhaft beweisen. Mit Alaba, Ekici, Kraft und Knasmüllner haben die Bayern aber noch viel mehr zu bieten.

Christian Nerlinger nennt es das Zwei-Säulen-Prinzip. Bei Real Madrid hieß es früher Zidanes y Pavones.

Auf der einen Seite will der FC Bayern große Stars wie Franck Ribery oder Arjen Robben verpflichten und auf der anderen Seite hoffnungsvolle Talente aus der eigenen Jugend wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Thomas Müller zu festen Bestandteilen der Mannschaft formen.

Mit Louis van Gaal hat der FC Bayern einen Trainer, der Nachwuchsspieler fördert und ihnen die Möglichkeit zur Entwicklung gibt. Müller und Holger Badstuber haben sich unter dem Niederländer zu festen Größen im Team entwickelt.

Nerlinger: "Die schwierigste Phase ihrer Karriere"

Im Winter statteten die Münchner Diego Contento und Mehmet Ekici mit Profi-Verträgen aus, David Alaba wurde für seinen 18. Geburtstag am 24. Juni ein solcher Kontrakt in Aussicht gestellt.

"Für Alaba, Ekici und Contento beginnt jetzt die schwierigste Phase ihrer noch jungen Karriere. Sie werden die komplette Rückrunde bei uns mittrainieren, aber Spielzeit werden sie kaum bekommen", sagte Nerlinger während des Trainingslagers in Dubai.

Knapp zwei Monate später stellt sich die Situation zumindest für Contento etwas anders dar und die nächsten drängen schon nach oben. Eine Bestandsaufnahme der bayerischen Nachwuchskicker.

David Alaba: Hatte seinen größten und bisher auch einzigen Auftritt im DFB-Pokalspiel gegen Greuther Fürth. Wurde beim Stand von 2:2 eingewechselt und bereitete gleich das 3:2 von Franck Ribery mit gutem Einsatz am gegnerischen Strafraum vor. Überzeugte danach im zentralen Mittelfeld neben Mark van Bommel als spielstarker und passsicherer Ballverteiler.

"Ich wollte mehr für die spielerische Linie tun, habe Tymoschtschuk rausgenommen und Alaba gebracht", erklärte van Gaal hinterher. Man darf das ruhig als Ritterschlag für den erst 17-Jährigen Österreicher verstehen, der in seiner Heimat als Jahrhunderttalent gepriesen wird.

Die Bayern sehen Alabaals größtes Talent im Verein, alle sind sich sicher, dass er den Durchbruch schaffen und sich auf Dauer bei den Profis etablieren wird. Alaba steht zwar in unregelmäßigen Abständen im Kader van Gaals, für weitere Einsätze reichte es aber noch nicht. Trotzdem stand er am vergangenen Sonntag im Rampenlicht. Als Franck Ribery nach seinen Siegtreffer gegen den Hamburger SV zur Bank lief und nur mit einem feiern wollte: David Alaba.

David Alaba im Porträt: Im Vorhof des Glamours

Diego Contento:

Die Außenverteidigerposition schien vor der Saison mehr als ausreichend gut bestückt. Philipp Lahm ist gesetzt und kann auf beiden Seiten verteidigen.

Für rechts gab es noch Christian Lell und Andreas Görlitz, für links holte sich Louis van Gaal mit Edson Braafheid und Danijel Pranjic Verstärkung aus Holland.

Die beiden Neuen fielen links hinten aber durch, Braafheid spielt mittlerweile bei Celtic Glasgow, Pranjic ist im linken Mittelfeld besser aufgehoben. Also rückte Holger Badstuber zunächst auf links. Die Verletzungen der Innenverteidiger Daniel van Buyten und Martin Demichelis eröffneten Contento eine Chance und machen ihn momentan zu einer Art befristeten Stammspieler.

"Wir haben ihn lange in der zweiten Mannschaft beobachtet und er bringt alles mit, was man braucht: Gute technische Voraussetzung, Schnelligkeit. Ich wüsche, dass bei ihm alles gut geht", sagt Nerlinger.

Bei allem Offensivdrang hat der gebürtige Münchner aber noch Schwächen in der Defensive.

Mehmet Ekici:

Bekam schon unter Jürgen Klinsmann in der Vorbereitung auf die vergangene Saison seine Chance und traf auch gleich beim ersten Testspieleinsatz. Rutschte danach aber wieder ins Drittligateam und kam erst unter van Gaal wieder zu den Profis. Sein großes Problem ist seine Position. Ekici ist ein Offensiv-Allrounder, kann auf den Flügeln, hinter den Spitzen oder im Sturmzentrum spielen. Die Konkurrenz auf diesen Posten ist enorm. Zierte sich im Winter deshalb auch mit seiner Vertragsunterschrift in München.

"Der FC Bayern ist nicht irgendein Verein, eine solche grundlegende Entscheidung wollte gut überlegt sein. Die Kaderdichte ist dort sehr hoch, wodurch es schwer ist, sich dort durchzusetzen, jedoch wollte sich Mehmet bewusst dieser sportlichen Herausforderung stellen, obwohl es auch gute Angebote von Bundesligisten gab, wo er möglicherweise sofort zum festen Stammpersonal avanciert wäre", sagte sein Berater, Roland Jeromin, gegenüber SPOX. Ein gesteigertes Interesse des 1. FC Köln wurde kolportiert.

Auch bei Ekici spielte die Personalie Louis van Gaal eine gewichtige Rolle. "Wir hatten eine klare Aussage von Christian Nerlinger, der gesagt hat: 'Sie können davon ausgehen, dass bei van Gaal auch wirklich nur die im Kader sind, die auch Chancen haben, zu spielen.'", so Jeromin. Noch muss Ekici auf seine Chance warten. Aber van Gaal wird sie ihm in absehbarer Zeit geben.

Thomas Kraft:

Steht seit 2006 im Tor der 2. Mannschaft und gehört seitdem auch zum erweiterten Kreis des Profi-Kaders. Konnte in den vergangenen Jahren hinter Oliver Kahn und Michael Rensing aber keine Ansprüche stellen. Durch Rensings bevorstehenden Abschied im Sommer, rückt Kraft als Nummer zwei hinter Butt.

Dürfte im kommenden Jahr zumindest zu seinen ersten Pflichtspieleinsätzen für die Profis kommen. Auf Dauer aber kein Kandidat auf die Nummer eins beim FC Bayern. Zumal Präsident Uli Hoeneß noch immer von einer Verpflichtung von Manuel Neuer träumt.

Christoph Knasmüllner:

Der nächste 17-jährige Österreicher. Ist zwei Monate älter als Alaba, steht in seiner Heimat allerdings deutlich in dessen Schatten. Spielt sich beim FC Bayern aber immer mehr in den Vordergrund und kam in der Rückrunde bei Mehmet Scholl regelmäßig zum Einsatz und erzielte am Samstag gegen den VfB Stuttgart II seinen ersten Treffer.

Wie Alaba stammt auch Knasmüllner aus der Jugendakademie von Austria Wien. Sein Ziel war aber schon immer Deutschland und der FC Bayern. "Mich hat nichts anderes interessiert."

Knasmüllner ist ein offensiver Mittelfeldspieler, sein Vorbild Cristiano Ronaldo. "Er hat das gewisse Etwas, das den meisten anderen Spielern abgeht. Mir taugt sein Zug zum Tor, seine Stärke im Eins-gegen-Eins. Leider gibt es viel zu wenig Spieler wie ihn, die etwas riskieren!"

Der Kader des FC Bayern München

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