Fifty ways to say: Fresse halten!

Von Stefan Moser
Montag, 08.03.2010 | 16:43 Uhr
The Usual Suspects: Oder entstammt der Heckenschütze dem Wintersport-Ressort?
© Getty
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Ladies und Gentlemen, den Schnauzbart, den Brad Pitt während "Inglourious Basterds" trug, hatte auch Selma Hayek an, als sie "Frida" drehte, und damit herzlich willkommen zur Oscar-Verleihung. Die SPOX-Academy verleiht auch in diesem Jahr wieder ein paar nackerte Goldjungen. An wen? Das weiß nur der Umschlag!

1. Beste Regie: Eine pechschwarze Komödie im Zwielicht zwischen Vergangenheit und Zukunft; ein beklemmend virtuoses Spiel auf der Klaviatur der bösen Vorahnungen - ein schreckliches Meisterwerk über eine nahe liegende Bedrohung. The Oscar goes to... Felix Magath: "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast" - denn das ist wirklich gruselig!

2. Nachtrag: Und für alle, die den bewegenden Moment verpasst haben: Hier noch einmal Magaths Dankesrede im Wortlaut. Auf die Frage, ob er nach dem Sprung auf Platz zwei denn immer noch keine Parallelen zum letzten Jahr erkennen könne, war Magath nämlich wahnsinnig gerührt: "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir damals in blauen Trikots gespielt haben..."

3. Beste Selbstbeherrschung: So emotional zurückgelehnt wie Herr Magath war freilich nicht jeder auf dem roten Teppich. Mit einem etwas kitschigen Drehbuch, eher kleinem Budget und vergleichsweise geringem technischen Aufwand stahl Lukas Podolski dem teuren, gehypten und favorisierten FC Bayern am Samstag nämlich nicht nur eine nagelneue 3-D-Brille, sondern auch noch die komplette Show.

Und als dann auch noch Ex-Ehemann Bastian Schweinsteiger vor laufender Kamera sagen musste, ob er sich denn trotzdem freue, wegen der gemeinsamen Vergangenheit und so, musste der schon die gesamte Palette bayerischer Schauspielkunst aufbieten, um nicht total aus der Haut zu fahren: Ein kurzes Zitat der hoeneßschen Warnleuchte, ein kleines in-die-Ferne-Lächeln als Parodie auf das kahnsche Massenmörder-Grinsen und eine hübsche Reminiszenz an van Gaals seltsame Wut-Spastiken in den Händen gipfelten jedoch überraschend nicht in körperlicher Gewalt. Stattdessen gab's einen dramatischen Abgang - inklusive Kopfschütteln, einer tapfer dem Zynismus trotzenden Meryl-Streep-Entrüstung und der durchaus vernünftigen Einschätzung: "Also ich finde ihre Frage irgendwie doof."

4. Ehren-Oscar I: Während die Titanic im eiskalten Wasser des Nordatlantiks versank, spielte das Orchester angeblich bis zur buchstäblich letzten Sekunde "Nearer my God to thee". Die Geschichte ist zwar nun fast 100 Jahre her, aber sie erzählt immer noch von der Schönheit eines stoisch-erhabenen Fatalismus im Angesicht der unausweichlichen Vernichtung - eine Fabel über die menschliche Fähigkeit zu Selbstaufgabe und heroischer Naivität, vor allem dann, wenn's eh schon wurscht ist. Regisseur James Cameron erhielt dafür 1998 immerhin elf Oscars - und die Alternative Liste setzt nun noch einen drauf: Für eine derartig totale, aber irgendwie auch heldenhafte Missdeutung der Gesamtsituation verleihen wir dem kompletten Orchester hiermit posthum --- den Friedhelm der Woche!!

5. Wieso? Um zu erklären, dass alles immer noch voll supi ist, und er als Hertha-Trainer ja nur rein zufällig gegen Hamburg sein inzwischen bereits zehntes Spiel verloren hat, benutzte Funkel unter anderem dieses adrette Sprüchlein: "Der HSV weiß selbst nicht, wieso er dieses Spiel gewonnen hat." Und in der Tat! Der HSV wusste es auch nicht. Aber wahrscheinlich hat er mittlerweile nachgefragt - unter anderem bei Adrian Ramos...

6. Ehren-Oscar II: Den Skibbe der Woche für den völligen Mangel an Rock'n'Roll verleihen wir übrigens Lorenz-Günther Köstner. Wir finden ihn in der Rolle des Bundesliga-Trainers zwar nach wie vor total unglaubwürdig, aber irgendwie scheint es doch zu funktionieren. 4:1 gegen Bochum, der dritte Sieg in Folge!

7. Die beste Nebenrolle: Kurz und schmerzlos, der Preis geht an Magdalena Neuner für ihren Auftritt im "Aktuellen Sportstudio". Reichlich harmlos saß die süße Lena da in der Kulisse rum, war relativ banal und eigentlich auch ziemlich langweilig - und trotzdem konnte man sie noch ganz gut von Michael Steinbrecher unterscheiden: Anders als der Moderator hatte sie sich immerhin die Augenbrauen gezupft. Etwas hölzern war dann lediglich ihr Auftritt an der Torwand. Vermutlich aber hätte das ZDF ihr einfach ein Gewehr anstelle eines Fußballs in die Hand drücken sollen - und mit etwas Glück hätte sich vielleicht sogar ein Querschläger ins Studio von Carmen Nebel verirrt.

8. Method Acting: Fast hätte sich Dortmunds Stadionsprecher Norbert Dickel selbst disqualifiziert, als er Sebastian Kehl wie einen alten Saufkumpanen begrüßte und mit erheblich zu viel Florian Silbereisen in der Stimme ins Mikrofon hinein frohlockte: "Wir freuen uns rieeeeesig, dass er heute hier ist", denn wo hätte Kehl auch sonst sein sollen. Als Live-Reporter im Netradio fand Dickel aber schließlich schnell zurück zu seiner Paraderolle - nämlich Norbert Dickel als Live-Reporter im Netradio. Kleine Kostprobe: "Moment, ich muss mal kurz aufstehen - da kommt die Welle."

9. Apropos: Und wo wir schon beim Method Acting sind: Vereinfacht gesagt funktioniert Lee Strasbergs Technik über die Erinnerung des Schauspielers an eigene Erlebnisse. Dadurch soll der Eindruck der emotionalen Unmittelbarkeit gesteigert werden.

Und auf die Frage, was Lukas Podolski nach 1400-minütiger Torlosigkeit denn gedacht hat, als er gegen die Bayern zunächst wieder nur die Latte traf, erwartete das Publikum zweifelsohne einen ganzen Sack voll Emotionen: Poldi war in der Bringschuld. Als bekennender Strasberg-Schüler versuchte er sich also an eine Situation zu erinnern, in der er zuletzt wirklich nachgedacht hatte. Nach einer Weile senkte er erst den Blick und dann die Mundwinkel - und sagte achselzuckend: "Schade."

10. Bester Soundtrack: Der Lothar der Woche für total schlechte PR geht eindeutig an Michael Skibbe. Mit seinem Dauer-Genöle zum Thema "keine Qualität in Frankfurts Kader" provozierte der Eintracht-Trainer nämlich nun seinen Boss Heribert Bruchhagen zu folgender (etwas umständlich formulierter) Aussage: "Michael Skibbe muss erkennen, dass die Wünsche mit dem nötigen Nachdruck öffentlich zu äußern, nicht zu einer veränderten Situation führen." Der bekannte Filmsong, aus dem das Zitat stammt, heißt übrigens: "Fifty ways to say: Fresse halten!"

11. Bester Nachwuchs-Schauspieler: Wie wir widerlichen Medien versucht haben, vor der Oscar-Verleihung Christoph Waltz einzubürgern! Einen Österreicher! Nur damit auch das deutsche Publikum um drei Uhr morgens gebannt nach L.A. schaut. Eklig, oder? Und dabei haben wir doch selbst ganz ordentliche Schauspieler hier.

Andi Wolf zum Beispiel: Der ist Kapitän des 1. FC Nürnberg, Innenverteidiger und Familienvater. Definitiv nicht ist Wolf dagegen: Brasilianer. Aber er hat einen gespielt. Gegen Leverkusen. Als er mit einem Fallrückzieher im eigenen Sechzehner nämlich ein Tor vorbereitete. Zugegeben, eins für Leverkusen, aber immerhin. Dass Waltz ein Genie ist, wusste vor Quentin Tarantino ja auch noch keiner...

Der 25. Spieltag im Überblick

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