Donnerstag, 04.02.2010

Dortmunds Südamerika-Fraktion im Interview

"Die beste Entscheidung meines Lebens"

Trotz der Niederlage in Stuttgart ist Borussia Dortmund im Rennen um die begehrten internationalen Plätze weiter gut dabei. Zwei Garanten für den Dortmunder Aufschwung sind Nelson Valdez und Lucas Barrios. Im Doppel-Interview sprechen die beiden Südamerikaner über Fußball als Laufsport, Leistungsdiagnostik per Mail und Samba-Abende mit Teamkollege Dede.

Entspannte Atmosphäre: SPOX-Reporter Benny Semmler mit Barrios und Valdez (v.l.n.r.)
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Entspannte Atmosphäre: SPOX-Reporter Benny Semmler mit Barrios und Valdez (v.l.n.r.)

SPOX: Herr Barrios, was macht Ihr Deutsch?

Nelson Valdez: Katastrophe! Da kommt noch gar nichts. Ich konnte mich nach einem halben Jahr schon unterhalten. (lacht)

Lucas Barrios (auf deutsch): Das stimmt nicht. Es wird immer besser. Du bist ja schon neun Jahre hier. Ich erst sechs Monate.

SPOX: Gibt es Deutsch-Unterricht?

Barrios: Zwei Mal in der Woche, 60 Minuten.

SPOX: Das ist nicht viel. Und der Kollege Valdez verweigert offenbar auch jegliche Hilfe?

Barrios: Überhaupt nicht. Nelson war mein erster Ansprechpartner. Auch außerhalb des Fußballs. Wir sprechen ja beide spanisch, und er hat mir sofort in vielen Dingen geholfen. Aber mein Deutsch wird von Woche zu Woche besser. Auch wenn ich noch viele Fehler mache. Ich rede eben einfach drauf los, habe keine Angst etwas falsch zu sagen.

Valdez: Ja. Er verbessert sich tatsächlich. Aber viele Südamerikaner sind fremdsprachenfaul. Hast du schon auf Deutsch ein Essen bestellt?

Barrios: Ja klar. Ich war sogar schon im Supermarkt.

SPOX: Was macht das Dortmunder Nachtleben? Ist die Südamerika-Clique oft zusammen unterwegs?

Valdez: Eigentlich nicht. Wir haben andere Qualitäten.

Borussia Dortmund: 102 Jahre Blut, Schweiß & Tränen
Am 19.12 1909 wurde Borussia Dortmund im Hinterzimmer des Lokals "Zum Wildschütz" in der Dortmunder Nordstadt gegründet. Sportliche Heimat war das Stadion Rote Erde
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Am 19.12 1909 wurde Borussia Dortmund im Hinterzimmer des Lokals "Zum Wildschütz" in der Dortmunder Nordstadt gegründet. Sportliche Heimat war das Stadion Rote Erde
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Der erste große Erfolg nach Einführung der Bundesliga war der DFB-Pokal-Sieg 1965. Aki Schmidt mit dem Pott und daneben Timo Konietzka, der das erste BL-Tor überhaupt schoss
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Ein Jahr später der Meilenstein: Als erste deutsche Mannschaft überhaupt holt der BVB einen Europapokal - den der Pokalsieger
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Die Spieler tragen Trainer Willi "Fischken" Multhaupt nach dem 2:1 über den FC Liverpool auf den Schultern über den Platz in Glasgow
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Nochmal Rote Erde: 30.000 Zuschauer fanden Platz. Lothar "Emma" Emmerich zieht ab, 1860-Kult-Keeper Petar "Radi" Radenkovic wirft sich wagemutig dazwischen
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Am letzten Spieltag der Saison 77/78 geht Dortmund gegen Gladbach 0:12 unter. Schiebung? Keeper Endrulat und Coach Otto "Torhagel" Rehhagel müssen gehen
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Drei Jahre nach der höchsten Niederlage folgt der höchste Sieg: Bielefed wird 1981 mit 11:1 geschlagen. Manni Burgsmüller (r.) trifft dabei fünfmal
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Burgsmüller ist mit 135 Toren in 224 Spielen bis heute der gefährlichste BVB-Spieler aller Zeiten. Daneben Rolli Rüssmann (l.) und Atli Evaldsson
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1986 steigt der BVB fast ein zweites Mal ab. Aber Kobra Jürgen Wegmann bewahrt den BVB in der Relegation gegen Fortuna Köln vor der 2. Liga
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Drei Jahre später: Nobbi Dickel (r.) bombt den BVB im DFB-Pokal-Finale gegen Bremen zum 4:1 und damit zum ersten Titel nach 23 Jahren
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Auch aus dem Finale: Susi Zorc grätscht gegen Werders Thomas Schaaf. Im Vordergrund Michael Lusch, der das 4:1 erzielte
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1991 kam General Ottmar Hitzfeld als Trainer - und mit ihm der Erfolg. Hitzfeld sollte zwei Meisterschaften und die Champions League gewinnen
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Aber noch gibt es nichts zu feiern: 1993 scheitert Dortmund im UEFA-Cup-Finale an Juventus (1:3, 0:3) mit Andy Möller - der auch noch selbst trifft
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Aber noch gibt es nichts zu feiern: 1993 scheitert Dortmund im UEFA-Cup-Finale an Juventus (1:3, 0:3) mit Andy Möller - der auch noch selbst trifft
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Spiele gegen die Bayern sind seit jeher ein Highlight. Hier stoppt Ikone Murdo McLeod den Bayern Radmilo Mihajlovic
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Neben Hitzfeld der zweite Garant für den Erfolg: Matthis Sammer - der sich auch von einer klaffenden Wunde im August 1994 gegen Gladbach nicht stoppen ließ
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Neben Hitzfeld der zweite Garant für den Erfolg: Matthis Sammer - der sich auch von einer klaffenden Wunde im August 1994 gegen Gladbach nicht stoppen ließ
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1995: Nach 32 Jahren ist die Meisterschale wieder in Dortmund! Und Heintje weint dazu
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Ein Jahr später holt sich Dortmund die nächste Meisterschaft. Chappi, Riedle, Möller und Knuuuuuut Reinhardt feiern mit Kassettenrekorder und Sektchen
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Mai 1997, Münchener Olympiastadion: CL-Finale gegen Juventus Turin. Kalle Riedle netzt zweimal...
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Nachdem die Italiener auf 1:2 herankommen, hat Lars Ricken nur Sekunden nach seiner Einwechslung seinen großen Auftritt
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Selbst die Jüngsten sind jetzt im schwarz-gelben Fieber
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Zwei Superlative: Jörg Heinrich (l.) wurde für 25 Mio. DM an Florenz verkauft - bis heute Rekord. Und Susi Zorc hat die meisten BL-Spiele auf dem Buckel: 463!
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Auch das ist Dortmund: Am 19.12.1998, am eigenen Geburtstag, kassiert der BVB das erste BL-Gegentor eines Keepers aus dem Spiel heraus. Von Jens Lehmann. Vom FC Schalke
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Auch das ist Dortmund: Am 19.12.1998, am eigenen Geburtstag, kassiert der BVB das erste BL-Gegentor eines Keepers aus dem Spiel heraus. Von Jens Lehmann. Vom FC Schalke
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Nur drei Jahre nach dem CL-Sieg steht der BVB am Abgrund: Sammer und Altmeister Udo Lattek retten den Klub vor dem Abstieg in die 2. Liga
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2002 holt Dortmund den bis dato letzten TItel: Sammer, Lehmann und Reuter (v.l.) feiern am letzten Spieltag die Meisterschaft
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Im Frühjahr 2004 der Schock: Die Finanzjongleure Gerd Niebaum (l.) und Michael Meier haben den BVB in 120 Mio. Euro Schulden gewirtschaftet
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Der Spott der gesamten Liga ließ nicht lange auf sich warten. Der BVB hatte sich verzockt und wäre beinahe daran zugrunde gegangen
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Auf die eigenen Fans dagegen kann sich Dortmund immer verlassen. Auf die Südtribüne passen 30.000 - Rekord in Europa
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Seit 100 Jahren der größte Rivale, aber auch eine Art Schicksalsgemeinschaft: Schalke 04. Oder, im Dortmund-Deutsch: Herne-West
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"Mein Herzschlag". Für die schwarz-gelben Fans mehr als nur ein Spruch. Auf die nächsten 100 Jahre - Happy Birthday, BVB
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Barrios: Ja. Unsere Party steigt in der Kabine. Wir sind die Stimmungsmacher - obwohl uns fast niemand versteht.

SPOX: Ihr Kollege Dede ist der Erfinder der "Samba-WG". Da soll es doch abgehen.

Es wird südamerikanisch zwischen beiden. Sie lachen laut und reden sich in Rage. Dann antwortet Barrios auf Deutsch.

Barrios: Dede, Katastrophe! (lacht)

Valdez: Er hat uns noch nie eingeladen. Dabei machen wir so viel Stimmung beim Training. Wir wären die perfekten Gäste.

Barrios: Komm' Nelson, wir holen ihn mal zu uns und zeigen ihm, wie man Spaß haben kann.

Barrios steht auf und tippelt mit den Füßen halbwegs elegant ein kleines Tänzchen hin...

SPOX: Nelson, in Paraguay sind Sie ein Volksheld, wurden zuletzt zum vierten Mal hintereinander zum "Promi des Jahres" gewählt. In Dortmund ist Lucas der Star.

Valdez: Er schießt zwar mehr Tore, dafür arbeite ich mehr für die Mannschaft. Ich bin eben der Arbeiter von uns beiden.

Barrios: Was redest du da? Ich laufe genauso viel. Sonst macht der Trainer Ärger.

SPOX: Das mit Ihnen beiden passt offenbar... Aber Spaß beiseite: Wie sieht es auf dem Platz zwischen Ihnen aus? Tauschen sich Sturm-Kontrahenten untereinander aus?

Valdez: Na klar. Ich sage ihm zum Beispiel: 'Versuche es bei dem Spieler mal über die rechte Seite. Da hat er seine Schwächen'.

Barrios: Das stimmt. Das macht er wirklich.

Valdez: Wenn ein Verteidiger etwas langsamer ist, dann sage ich: 'Lucas, nimm den Ball und gehe vorbei. Der kriegt dich nicht!'

SPOX: Ein Beispiel bitte.

Valdez: Im Spiel gegen den HSV wollten wir Mathijsen auf seiner rechten Seite erwischen - der ist nämlich Linksfuß. Dann war es einige Mal so, dass ich Lucas so angespielt habe, dass Mathijsen immer mit seinem rechten Fuß klären musste.

Barrios: Stimmt. Er hat einige Mal ganz schön geschwitzt.

SPOX: Was war Ihre beste gemeinsame Szene bislang?

Valdez: Das Tor gegen Leverkusen. Meine Flanke auf Lucas.

Barrios: Und ich mache das Ding mit dem Kopf rein.

Valdez: Ein überragendes Kopfballtor. Das Tor machen nicht viele Stürmer.

Barrios: Aber deine Flanke passte auch perfekt. Hyypiä hat gegen mich verteidigt, und er kam einfach nicht an den Ball heran.

SPOX: Inzwischen schwitzen alle Abwehrreihen, wenn Barrios aufläuft. Sie haben schon zehn Mal eingenetzt.

Barrios: Ich will immer mein Tor machen. Das ist mein Job.

"Ich weiß, was ich kann. Die Mannschaft weiß, was ich kann. Und der Trainer auch. Ich bin nicht hier, um Journalisten etwas zu beweisen."
Lucas Barrios

SPOX: Sie sind eben ein echter Welttorjäger.

Barrios: Hey, ein Tor vor 80.000 Zuschauern ist einfach ein geiles Gefühl. Deswegen haue ich mich auch so rein. Selbst wenn der Ball auf der Linie liegen würde, bin ich voll konzentriert und will auf Nummer sicher gehen. Ich will jede Chance nutzen.

SPOX: Dabei wurden Sie nach den ersten Spielen im BVB-Dress als "Weltnixtorjäger" veräppelt.

Barrios: Soll ich mir darüber Gedanken machen? Ich weiß, was ich kann. Die Mannschaft weiß, was ich kann. Und der Trainer auch. Ich bin nicht hier, um Journalisten etwas zu beweisen.

SPOX: Nelson, sind Sie neidisch auf Lucas? Er zeigt Ihnen, wie man Tore schießt.

Valdez: Ich bin höchstens auf seinen Frisör neidisch. So witzig, wie er mit seinen hochgegelten Haaren aussieht.

SPOX: Also nicht neidisch?

Valdez: Ich kenne keinen Neid. Wir sind beide Südamerikaner, und ich freue mich bei jedem Treffer für ihn. Gerade weil er einen schweren Start hier hatte, und von den Medien gleich schlecht gemacht wurde. Viele Leute haben einfach keine Ahnung. Sie wissen nicht wie es ist, wenn man als junger Mensch plötzlich tausende Kilometer von der Familie entfernt seinem Job nachgeht. Meinst du, dass du morgen deinen Job in Argentinien genauso gut machen könntest, wie heute in Deutschland?

SPOX: Ganz sicher nicht. Lassen Sie uns über den BVB-Lauf sprechen. Dortmund steht nach Jahren des Mittelmaßes wieder oben in der Tabelle. Wie hat der BVB das hinbekommen?

Valdez: Die Atmosphäre im Team ist fantastisch. Jürgen Klopp hat ein Konzept und das heißt: Laufen. Wir spielen immer Pressing, erzwingen viele Fehler des Gegners. Und vorne steht Lucas, der ab und zu das Tor trifft.

SPOX: Hoffenheims Ralf Rangnick stauchte nach der Niederlage gegen den BVB seine Mannschaft erstmal zusammen. Sein O-Ton: "Einfach klasse, was der Großkreutz da abgeliefert hat. Keiner von euch ist auch nur annähernd an seinen Wert rangekommen." An dem Tag waren auch noch Bender und Sahin besser als der beste Hoffenheimer. Das passiert denen sicher auch nicht so oft.

Valdez: Das Spiel war wirklich überragend. Danach haben uns die Zeitungen in Dortmund 'Kilometerfresser' genannt. Neulich beim HSV-Spiel hatte Schmelzer als Außenverteidiger einen Laufwert von 11,1 Kilometern. Das ist über-überragend.

SPOX: Bekommen Sie die Laufwerte nach den Spielen mitgeteilt?

Valdez: Ja, per E-Mail. Das ist so eine Datenbank. Da steht alles über den Spieler drin. Pässe, Zweikämpfe, Torschüsse, erste Halbzeit, zweite Halbzeit, Kopfballduelle - alles! Das sind über 40 Statistiken. Und Jürgen Klopp guckt sich die Laufwege genau an. Er ist total heiß darauf, dass wir mehr rennen als der Gegner. Ich glaube, er kriegt einen Herzinfarkt, wenn ein Team mehr rennt als wir. (lacht)

SPOX: Lucas, sind Sie jemals in Ihrem Leben so viel gelaufen wie in Dortmund?

Barrios: Noch nie.

SPOX: Sie haben Ihren Wechsel also schon bereut?

Barrios: Dortmund war die beste Entscheidung meines Lebens. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

SPOX: Hatten Sie eigentlich andere Angebote?

Barrios: Bremen und Hamburg interessierten sich auch für mich. Aber als das Angebot von Dortmund konkreter wurde und Jürgen Klopp ins Spiel kam, wollte ich nur noch nach Dortmund. Jetzt bin ich ein halbes Jahr hier, und es gefällt mir immer besser. Vor allem die BVB-Fans sind das Größte, was ich je erlebt habe.

SPOX: Wir sind etwas vom Thema abgekommen. Wir wollten über den BVB-Lauf sprechen. Neuerdings sprechen alle von "Vollgasveranstaltungen" im Signal Iduna Park.

Valdez: Wir sollten die Lage nicht überbewerten. Allein das letzte Heimspiel gegen den HSV hätte anders laufen können. Berg und Petric hatten richtig gute Chancen, haben das Tor aber nicht getroffen. Ich kann mich noch an das Hinspiel erinnern. Da stand es nach einer Viertelstunde 3:1 für Hamburg. Da ging jedes Ding von denen rein. Dabei haben wir ganz ordentlich gespielt. Na ja, und in Stuttgart hatten wir jetzt etwas Pech mit den vielen Gegentoren kurz vor dem Abpfiff. An einem Samstag wundert man sich eben, dass man gewonnen hat. Eine Woche später fragt man sich: Wie konnten wir da verlieren?

SPOX: Die Liga staunt über Nuri Sahin. Was sagen Sie zu einem Kapitän, der mit 21 der BVB-Chef ist?

Barrios: Ein toller Spieler. Ich finde es erstaunlich, wie ruhig und überlegt er seine Entscheidungen auf dem Platz trifft. So jung und so cool -  von seinem Kaliber gibt es nicht viele Spieler.

Valdez: Er war ja schon als 16-Jähriger ein riesiges Talent. Ich glaube, ihn hat die Zeit in Rotterdam extrem weitergebracht. Und mit seinem Alter habe ich überhaupt gar kein Problem. Er ist ein Ausnahmespieler. Und heutzutage muss ein Kapitän nicht mehr 33 sein. Die Leistung muss stimmen.

SPOX: Zuletzt passte es ja. Da macht auch der Besuch beim Stamm-Italiener wieder Spaß.

Valdez: Ja, ja. Wir dürfen uns wieder blicken lassen. An der Kreuzung klopfen die Fans auch mal wieder an die Scheibe und machen den Daumen hoch. Und im Restaurant spendiert der Chef auch mal wieder ein Glas Wein. Die ganze Stimmung in Dortmund ist besser, wenn wir gewinnen.

SPOX: Zum Schluss: Südamerikaner und Schnee. Geht das überhaupt?

Barrios: Das ist gerade wirklich der Wahnsinn. Ich habe noch nie im Schnee trainiert, und jetzt sehe ich seit zwei Monaten nichts anderes. Die Hände sind nach jedem Training fast abgefroren, die Füße spüre ich manchmal gar nicht mehr. Nelson, wann kommt die Sonne wieder?

Valdez: Wenn wir vor Schalke sind. Aber jetzt müssen wir zum Training. Sonst will der Trainer ein Strafgeld von uns.

Interview: Benny Semmler

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