Kölns neuer Teamgeist

Von Christian Bernhard
Mittwoch, 03.02.2010 | 11:28 Uhr
Die Kölner Spieler bejubeln ihren Sieg bei Eintracht Frankfurt
© Getty
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Beim FC läuft es zurzeit rund. Die zwei Leidtragenden des Kölner Aufschwungs sind Lukas Podolski und Milivoje Novakovic. Besonders der Slowene wackelt - und schaut sich bereits nach einem neuen Verein um.

0, 0, 1, 0, 0, 1, 0, 0, 0, 0. Nein, das ist kein magischer Binärcode, sondern die Torausbeute des 1. FC Köln an den Spieltagen sieben bis 16. Spaßfußball sieht definitiv anders aus.

In den vergangenen vier Partien kam aber der große Binärbruch: Zehnmal netzten die Kölner in 360 Minuten ein, die fünf letzten Tore bedeuteten zwei Auswärtssiege in Wolfsburg und Frankfurt. In beiden Spielen nicht in der Startelf: Lukas Podolski und Milivoje Novakovic. Ein Zufall?

Freis: Ein Beispiel für Nova und Poldi

Für Coach Zvonimir Soldo, ja: "Das liegt nicht an Lukas. Wir präsentieren uns als Team - das ist das Geheimnis". Ein deutlicher Hinweis darauf, dass das zuvor nicht immer so war. Für den Kroaten ist im Gespräch mit dem "Express" aber klar: "Mit den beiden sind wir stärker."

Der Trainer stellt sich demonstrativ vor seine beiden Topstürmer. Fakt ist aber, dass Sebastian Freis, Adil Chihi und Taner Yalcin momentan einen richtig guten Job in der Offensive machen. FC-Manager Michael Meier ist begeistert: "Freis ist ein Charakterspieler, gibt nie auf. Für unsere Stürmer, auch für Poldi und Nova, ist er ein Beispiel, was du durch Laufbereitschaft erreichen kannst."

Auch Chihi bekommt ein positives Zeugnis ausgestellt. Er arbeite wie verrückt, so Meier. Offensichtlich sind die FC-Verantwortlichen mit dem Aufwand der Stars unzufrieden.

"Wir haben uns als Team gefunden"

Die Rückkehr zu den alten Tugenden (Kampf- und Laufbereitschaft) und die extrem defensive Grundausrichtung gepaart mit schnellen Kontern haben der Mannschaft sehr gut getan. In den letzten sieben Spielen setzte es nur eine Niederlage, auswärts ist der FC nun bereits seit acht Partien ungeschlagen.

Nach mickrigen zehn Toren in der Hinrunde stehen jetzt bereits sieben zu Buche - nach drei Spielen wohlgemerkt. "Wir haben uns als Team gefunden, der Knoten ist geplatzt", stellte Freis nach dem Sieg in Frankfurt fest.

Für Soldos Co-Trainer Michael Henke war die Leistung bei der Eintracht richtungsweisend: "Die Spieler haben bewiesen, zu was sie in der Lage sind. Sie haben die Verantwortung für die Offensive nicht so sehr an die Spieler in der Sturmspitze abgegeben." Dem Trainerteam gefiel wohl nicht, dass sich die Mannschaft zu sehr auf die Stars vorne drin verlassen hatte oder womöglich nicht die ganze Arbeit für das Duo leisten wollte. Jetzt rackert jeder für jeden, die Elf agiert als Team.

Tosic schafft neue Konkurrenz

Für Podolski und Novakovic wird die Konkurrenz im Offensivbereich nicht kleiner, im Gegenteil: Zoran Tosic, Neuzugang von Manchester United, feierte bereits in Frankfurt sein Debüt und zeigte gute Ansätze. Der Serbe, den Soldo sowohl im 4-4-2- als auch im 4-2-3-1-System auf beiden Flügeln einsetzen kann, hat "Riesenpotenzial" (Soldo).

Chihi auf rechts, Tosic auf links - so könnte in Zukunft die Kölner Flügelbesetzung aussehen, denn auch Meier bekräftigt: "Tosic ist der Spieler, den wir brauchen für unser System."

Nova oder Poldi? Es kann nur einen geben

Obwohl die Kölner Presse die aktuelle Situation als Problem für Podolski auslegt - "Ohne Poldi fallen die Tore" ("Express") - droht Novakovic größeres Ungemach. Während seine Konkurrenten in der Offensive alle auf mehreren Positionen einsetzbar sind, ist der Slowene nur für die Mitte eine Option. Und Soldo stellt in der "Sport-Bild" zum Thema Podolski klar: "Wenn er fit ist, spielt er. Er ist ein ganz wichtiger Spieler für uns."

Da Maniche zentral hängend hinter dem Stürmer immer besser in Fahrt kommt, Tosic bewusst für den Flügel geholt wurde und die Entscheidung Podolski oder Novakovic wohl schon allein aufgrund seiner Strahlkraft für den Verein zugunsten des Ex-Bayern-Stürmers ausfallen dürfte, schaut es für den Slowenen düster aus.

Novakovic in Spanien angeboten

Außerdem sind die Differenzen zwischen Novakovic und Soldo seit der Slowenien-Affäre hinlänglich bekannt. Die erste Konsequenz war die Entmachtung als Kapitän, zuletzt saß er in Frankfurt (wenn auch grippegeschwächt) auf der Bank.

Nach seiner Einwechslung sammelte er nicht wirklich Argumente für einen Startelf-Einsatz gegen den HSV. Dazu passt, dass der Slowene nach SPOX-Informationen bereits in der Primera Division angeboten wurde.

Die Luft für Novakovic wird immer dünner. Auch, weil der FC bereits für die Zukunft vorgesorgt hat. Der rumänische U-21-Nationalstürmer Alexandru Ionita kommt zum 1. Juli nach Köln und erhält einen Vertrag bis Juni 2014.

Soldo zum 2,5-Millionen-Euro-Transfer: "Das ist eine Investition in die Zukunft. Wir hatten immer wieder Probleme im Sturm, er soll sie lösen helfen."

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