Mittwoch, 27.01.2010

Youssef Mohamad im Poträt

Köln liebt Dodo und Dodo liebt Köln

Youssef Mohamad gilt oft nur als Nebenmann von Pedro Geromel. Dabei genießt er höchste Wertschätzung von Trainer und Team. Und er hat sein Herz an den FC verloren.

Youssef Mohamad wechselte 2007 für 1,5 Millionen Euro von Freiburg nach Köln
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Youssef Mohamad wechselte 2007 für 1,5 Millionen Euro von Freiburg nach Köln

Youssef Mohamad war selbst überrascht. Der Libanese wurde von Trainer Zvonimir Soldo in der Winterpause zum neuen Kapitän des 1. FC Köln ernannt. Nachdem Soldo Milivoje Novakovic nach anhaltenden Querelen die Binde weggenommen und Petit zum Interimskapitän gemacht hatte, entschied er sich jetzt für den stillen Mann aus der Abwehr.

Keiner der großen Stars wie Lukas Podolski, Maniche oder Pedro Geromel, sondern Mohamad darf und soll die Mannschaft nun führen.

Ein Typ wie Soldo - zumindest auf Deutsch

Es passt zu Soldo, dass er sich einen Kapitän gesucht hat, der sich nicht gerne in der Öffentlichkeit präsentiert und nur wenige Interviews gibt. Auch der Trainer scheut das Rampenlicht wie der Teufel das Weihwasser und absolviert die Medienaufgaben nur missmutig.

Mohamad ist ein Typ, der nach eigener Aussage "nicht gerne spricht". Vor allem, weil er mit der deutschen Sprache noch seine Probleme hat.

"Ich verstehe sie zwar, aber antworte lieber in Englisch. Im Libanon war das anders. Da war ich der Kapitän der Nationalmannschaft. In meiner Heimatsprache ist es einfach für mich, mich auszudrücken. Da habe ich viel gesprochen. Aber hier fällt mir das schwer", sagt der 29-Jährige.

Respekt von den Kollegen

Auf dem Platz ist das allerdings kein Hindernis. Beim FC herrscht ohnehin ein babylonisches Sprachenwirrwarr, weil sich der Kader aus Spielern aus 14 Nationalitäten zusammensetzt.

Die Historie des rheinischen Derbys
Das Rheinische Derby 1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach. In der Bundesliga trafen die Rivalen erstmals am 20.11.1965 aufeinander ...
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Das Rheinische Derby 1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach. In der Bundesliga trafen die Rivalen erstmals am 20.11.1965 aufeinander ...
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... damals sicherten sich die Kölner einen 3:2-Auswärtssieg. Gladbachs Keeper Manfred Orzessek war bei den Gegentreffern machtlos
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... damals sicherten sich die Kölner einen 3:2-Auswärtssieg. Gladbachs Keeper Manfred Orzessek war bei den Gegentreffern machtlos
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Den ersten Bundesliga-Sieg in Köln feierten die Gladbacher am 26.11.1966 mit 2:1. Da ging es auch schon heiß her - Rudelbildung inklusive
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Den ersten Bundesliga-Sieg in Köln feierten die Gladbacher am 26.11.1966 mit 2:1. Da ging es auch schon heiß her - Rudelbildung inklusive
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Günter Netzer war der Star der Fohlen. Von 1963 bis 1973 trug der exzentrische Spielmacher das Fohlen-Trikot. Gerne kam er mit dem Porsche zum Training
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Günter Netzer war der Star der Fohlen. Von 1963 bis 1973 trug der exzentrische Spielmacher das Fohlen-Trikot. Gerne kam er mit dem Porsche zum Training
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Das Derby war auch immer ein Duell zwischen Günter Netzer (l.) und Kölns Wolfgang Overath. Darauf freute sich auch Schiedsrichter Gerhard Schulenburg
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Das Derby war auch immer ein Duell zwischen Günter Netzer (l.) und Kölns Wolfgang Overath. Darauf freute sich auch Schiedsrichter Gerhard Schulenburg
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Auf dem Platz waren sie Konkurrenten, aber privat verstanden sie sich gut. Netzer (2.v.r.) lud Overath (l.) zur Eröffnung seiner Diskothek "Lovers Lane" 1971 ein
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Auf dem Platz waren sie Konkurrenten, aber privat verstanden sie sich gut. Netzer (2.v.r.) lud Overath (l.) zur Eröffnung seiner Diskothek "Lovers Lane" 1971 ein
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In der Nationalmannschaft spielten Overath (r.) und Netzer (M.) zusammen. Abgesichert wurden sie vom Libero Franz Beckenbauer (l.)
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In der Nationalmannschaft spielten Overath (r.) und Netzer (M.) zusammen. Abgesichert wurden sie vom Libero Franz Beckenbauer (l.)
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Um einen Titel ging es im Derby am 23.6.1973 in Düsseldorf. Die Borussia holte sich den DFB-Pokal mit einem 2:1 n.V. Das Spiel ging in die Geschichte ein...
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Um einen Titel ging es im Derby am 23.6.1973 in Düsseldorf. Die Borussia holte sich den DFB-Pokal mit einem 2:1 n.V. Das Spiel ging in die Geschichte ein...
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... Netzer (r.) schmorte 90 Minuten auf der Ersatzbank. In der Verlängerung wechselte er sich selber ein und erzielte den Siegtreffer
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... Netzer (r.) schmorte 90 Minuten auf der Ersatzbank. In der Verlängerung wechselte er sich selber ein und erzielte den Siegtreffer
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Auch auf internationaler Ebene kreuzten sich die Wege. 1975 ging es um den Einzug ins UEFA-Cup-Finale. Im Hinspiel siegte Gladbach in Köln mit 3:1
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Auch auf internationaler Ebene kreuzten sich die Wege. 1975 ging es um den Einzug ins UEFA-Cup-Finale. Im Hinspiel siegte Gladbach in Köln mit 3:1
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Im Rückspiel machten die Fohlen den Final-Einzug mit einem 1:0 perfekt. Einen Monat später holten sie den UEFA-Cup gegen Twente Enschede
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Im Rückspiel machten die Fohlen den Final-Einzug mit einem 1:0 perfekt. Einen Monat später holten sie den UEFA-Cup gegen Twente Enschede
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Als Netzer und Overath ihre Karriere beendeten, standen andere Spieler im Mittelpunkt. Wie 1981 Lothar Matthäus (l.) und Klaus Allofs
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Ein ängstlicher Blick bei Rainer Bonhof (r.). Er wechselte die Fronten. Er spielte für Gladbach (1970 bis 1978) und dann für Köln (1980 bis 1983)
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Ein ängstlicher Blick bei Rainer Bonhof (r.). Er wechselte die Fronten. Er spielte für Gladbach (1970 bis 1978) und dann für Köln (1980 bis 1983)
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In den 80er Jahren lenkte Pierre Littbarski (r.) das Spiel der Geißböcke. Hier konnte Gladbachs Hans-Georg Dreßen Litti nicht stoppen
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Small Talk mit dem "Feind". Gladbachs Uwe Rahn (l.) und Kölns Thomas Häßler im feinen Zwirn bei einer Gala
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In den 90er Jahren ging es heiß her. Beide Teams kämpften um den Klassenerhalt. Da gerät man schon mal aneinander - Effenberg (l.) und Polster
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Dabei kannte Toni Polster doch beide Seiten. Der Österreicher spielte von 1993 bis 1998 für Köln, ehe er 1998 für zwei Jahre nach Gladbach ging
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Nach Kölns Abstieg 1998 und Gladbachs 1999 gab es das Derby in der Saison 1999/2000 erstmals in der 2. Liga
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Dabei ging es immer sehr hitzig zur Sache
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In den schwierigen Zeiten zeigte man aber auch gemeinsam Solidarität, wie hier nach dem Amoklauf von Winnenden
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Heiß her ging es auch im letzten Derby am 24. Oktober 2009. Hier haben Petit, Lukas Podolski und Thorben Marx Gesprächsbedarf
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Am Ende trennte man sich nach einem verbissenen Spiel mit 0:0
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Im Hinspiel der Saison 2010/11 setzte es für Köln eine 0:4-Heimpleite. Podolskis Blick sagt alles aus
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Im Rückspiel feierte Marc-Andre ter Stegen ein traumhaftes Bundesliga-Debüt
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Seine Borussia gewann auch zuhause souverän - 5:1 hieß es am Ende
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Ob auf Deutsch oder auf Englisch, mit den Kollegen spricht er auf dem Rasen sehr viel, gibt die nötigen Anweisungen und setzt sich in neuer Funktion auch mit dem Schiedsrichter auseinander.

In seiner neuen Rolle will er noch mehr kommunizieren und als Vorbild für Kollegen und Verein dienen. Mohamad ist stolz, dass die Wahl auf ihn fiel. "Es bedeutet, dass dir die anderen Spieler und der Trainer Respekt entgegen bringen."

Mehr als Geromels Nebenmann

Respekt, den er in der Öffentlichkeit nicht immer genießt. Dort tritt er nur als Nebenmann von Geromel auf. Der Brasilianer gilt als Garant für die starke Kölner Defensivleistung und versammelt die Lobeshymnen und Angebote anderer Klubs auf sich. Mohamad ist da oft nur Beiwerk.

In der Mannschaft ist das anders. "Hierarchien kann man nicht künstlich aufbauen. Die bestehen einfach. Und Youssef genießt in der Mannschaft eine sehr hohe Wertschätzung. Er trägt und übernimmt Verantwortung", sagte Soldo zur Begründung seiner Wahl.

Spitzname wie ein Brasilianer

Seit zweieinhalb Jahren ist Mohamad beim FC. 2007 wechselte er vom SC Freiburg nach Köln und erarbeitete sich in kürzester Zeit einen hohen Stellenwert.

"Meine erste Woche in Köln war nicht einfach, aber dann habe ich mich schnell so gefühlt, als ob ich schon ewig hier wohnen würde. Alle waren so freundlich zu mir, dass Köln schnell zu einer Art zweiter Heimat für mich wurde", sagt Mohamad.

Geboren ist Mohamad in Beirut. Dort bekam er auch seinen Spitznamen Dodo. "Mein Bruder meinte, dass ich so gut sei, und ich auch einen Spitznamen wie die berühmten brasilianischen Fußballer haben müsse. Seitdem nennen mich alle Dodo."

Karriereende in Köln

33 Mal lief Dodo für sein Heimatland auf, bevor er wegen anhaltender Kritik an Verbands-Boss Rahif Alame nicht mehr berücksichtigt wurde. "Ich habe Dinge angesprochen, die in jeder Mannschaft und in jedem Verein völlig normal sind. Ich habe da im Sinne der Mannschaft gesprochen. Der Verband verlangt eine öffentliche Entschuldigung in einer Zeitung, aber ich habe mich für nichts zu entschuldigen", sagt Mohamad.

Dem FC kommt diese Situation zugute. Mohamad kann sich voll auf seine Aufgabe in Köln konzentrieren und muss keine anstrengenden Reisen zu Länderspielen auf sich nehmen. Gegen Dortmund erzielte er sein erstes Saisontor.

Auch auf lange Sicht will Mohamad den Verein nicht verlassen. Seinen Vertrag hat er bis 2013 verlängert, seine Karriere möchte er in Köln beenden. Dann dürfte er nicht mehr im Schatten eines anderen Abwehrspielers stehen und auch auf Deutsch auf den Tisch hauen können.

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Andreas Lehner

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