Köln liebt Dodo und Dodo liebt Köln

Von Andreas Lehner
Mittwoch, 27.01.2010 | 11:00 Uhr
Youssef Mohamad wechselte 2007 für 1,5 Millionen Euro von Freiburg nach Köln
© Getty
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Youssef Mohamad gilt oft nur als Nebenmann von Pedro Geromel. Dabei genießt er höchste Wertschätzung von Trainer und Team. Und er hat sein Herz an den FC verloren.

Youssef Mohamad war selbst überrascht. Der Libanese wurde von Trainer Zvonimir Soldo in der Winterpause zum neuen Kapitän des 1. FC Köln ernannt. Nachdem Soldo Milivoje Novakovic nach anhaltenden Querelen die Binde weggenommen und Petit zum Interimskapitän gemacht hatte, entschied er sich jetzt für den stillen Mann aus der Abwehr.

Keiner der großen Stars wie Lukas Podolski, Maniche oder Pedro Geromel, sondern Mohamad darf und soll die Mannschaft nun führen.

Ein Typ wie Soldo - zumindest auf Deutsch

Es passt zu Soldo, dass er sich einen Kapitän gesucht hat, der sich nicht gerne in der Öffentlichkeit präsentiert und nur wenige Interviews gibt. Auch der Trainer scheut das Rampenlicht wie der Teufel das Weihwasser und absolviert die Medienaufgaben nur missmutig.

Mohamad ist ein Typ, der nach eigener Aussage "nicht gerne spricht". Vor allem, weil er mit der deutschen Sprache noch seine Probleme hat.

"Ich verstehe sie zwar, aber antworte lieber in Englisch. Im Libanon war das anders. Da war ich der Kapitän der Nationalmannschaft. In meiner Heimatsprache ist es einfach für mich, mich auszudrücken. Da habe ich viel gesprochen. Aber hier fällt mir das schwer", sagt der 29-Jährige.

Respekt von den Kollegen

Auf dem Platz ist das allerdings kein Hindernis. Beim FC herrscht ohnehin ein babylonisches Sprachenwirrwarr, weil sich der Kader aus Spielern aus 14 Nationalitäten zusammensetzt.

Ob auf Deutsch oder auf Englisch, mit den Kollegen spricht er auf dem Rasen sehr viel, gibt die nötigen Anweisungen und setzt sich in neuer Funktion auch mit dem Schiedsrichter auseinander.

In seiner neuen Rolle will er noch mehr kommunizieren und als Vorbild für Kollegen und Verein dienen. Mohamad ist stolz, dass die Wahl auf ihn fiel. "Es bedeutet, dass dir die anderen Spieler und der Trainer Respekt entgegen bringen."

Mehr als Geromels Nebenmann

Respekt, den er in der Öffentlichkeit nicht immer genießt. Dort tritt er nur als Nebenmann von Geromel auf. Der Brasilianer gilt als Garant für die starke Kölner Defensivleistung und versammelt die Lobeshymnen und Angebote anderer Klubs auf sich. Mohamad ist da oft nur Beiwerk.

In der Mannschaft ist das anders. "Hierarchien kann man nicht künstlich aufbauen. Die bestehen einfach. Und Youssef genießt in der Mannschaft eine sehr hohe Wertschätzung. Er trägt und übernimmt Verantwortung", sagte Soldo zur Begründung seiner Wahl.

Spitzname wie ein Brasilianer

Seit zweieinhalb Jahren ist Mohamad beim FC. 2007 wechselte er vom SC Freiburg nach Köln und erarbeitete sich in kürzester Zeit einen hohen Stellenwert.

"Meine erste Woche in Köln war nicht einfach, aber dann habe ich mich schnell so gefühlt, als ob ich schon ewig hier wohnen würde. Alle waren so freundlich zu mir, dass Köln schnell zu einer Art zweiter Heimat für mich wurde", sagt Mohamad.

Geboren ist Mohamad in Beirut. Dort bekam er auch seinen Spitznamen Dodo. "Mein Bruder meinte, dass ich so gut sei, und ich auch einen Spitznamen wie die berühmten brasilianischen Fußballer haben müsse. Seitdem nennen mich alle Dodo."

Karriereende in Köln

33 Mal lief Dodo für sein Heimatland auf, bevor er wegen anhaltender Kritik an Verbands-Boss Rahif Alame nicht mehr berücksichtigt wurde. "Ich habe Dinge angesprochen, die in jeder Mannschaft und in jedem Verein völlig normal sind. Ich habe da im Sinne der Mannschaft gesprochen. Der Verband verlangt eine öffentliche Entschuldigung in einer Zeitung, aber ich habe mich für nichts zu entschuldigen", sagt Mohamad.

Dem FC kommt diese Situation zugute. Mohamad kann sich voll auf seine Aufgabe in Köln konzentrieren und muss keine anstrengenden Reisen zu Länderspielen auf sich nehmen. Gegen Dortmund erzielte er sein erstes Saisontor.

Auch auf lange Sicht will Mohamad den Verein nicht verlassen. Seinen Vertrag hat er bis 2013 verlängert, seine Karriere möchte er in Köln beenden. Dann dürfte er nicht mehr im Schatten eines anderen Abwehrspielers stehen und auch auf Deutsch auf den Tisch hauen können.

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