Kein neuer Felix Magath

Von Fatih Demireli
Freitag, 29.01.2010 | 14:04 Uhr
Wer darf Platz nehmen? Dieter Hoeneß sucht den neuen Übungsleiter des VfL
© Imago
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Der VfL Wolfsburg gastiert beim Hamburger SV (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY), doch über den Bundesliga-Alltag spricht bei den Wölfen kaum einer mehr. Im Mittelpunkt steht die Trainersuche. Zwar genießt die Interimslösung Lorenz-Günther Köstner vorerst das Vertrauen, dennoch muss Dieter Hoeneß bald eine Lösung finden, die auch den Ansprüchen des Mutterkonzerns Volkswagen genügt. Genau daran war letztlich Armin Veh gescheitert.

Zwei Mal in Folge Dreizehnter in den Spielzeiten 2005/06 und 2006/07. Neunter in der Saison 2007/08. Siebter im Vorjahr. Und jetzt Zehnter nach 19 Spieltagen.

So richtig außergewöhnlich liest sich die aktuelle Platzierung des VfL Wolfsburg eigentlich nicht. Eklatant viel besser war Wolfsburg in seiner Bundesliga-Historie zu diesem Zeitpunkt eigentlich nie.

HSV hat Angst vor neuem Leitwolf

Global Player meets Deutscher Meister

Wäre da nicht die Meisterschaft 2009 gewesen, die aus der Reihe tanzt. Wären da nicht die 80 Tore gewesen, die Grafite, Edin Dzeko und Co. letztes Jahr noch nach Belieben erzielten. Wäre da nicht Felix Magath gewesen, der mit seiner zusammengewürfelten Truppe Fußball-Zauber zelebrierte und unter anderem den großen FC Bayern in der Volkswagen-Arena mit 5:1 abfertigte.

Plötzlich wurde der VfL Meister und die Ansprüche wuchsen ins Unermessliche. Volkswagen hatte seinen VfL, der im Gegensatz zum florierenden Weltkonzern jahrelang maximal Mittelmaß verkörperte, endlich da, wo er ihn sehen wollte: ganz oben! Global Player meets Deutscher Meister!

"Hier bricht nichts zusammen"

"Es soll voll weitergehen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn nach der Meisterschaft. Im Sommer wurde der Kader noch einmal verstärkt, wichtige Spieler langfristig an den Klub gebunden und selbst ein Angebot des großen AC Mailand für Edin Dzeko wurde dankend abgelehnt.

"Wir wollten ein Zeichen setzen und auch nach innen zeigen: Hier bricht nichts zusammen", so Jürgen Marbach, damals noch Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg.

Doch genau dieser Einbruch ist eingetreten. Zwar sind alle Stars noch da, aber die Leistungen stimmen nicht mehr. Die Leichtigkeit ist weg und auch der Mann, der die Niedersachsen nach der Parade-Saison auf der Erfolgsspur halten sollte, ist nicht mehr da: Armin Veh.

Understatement zieht nicht mehr

Veh setzte schon von Beginn an auf Understatement, nannte die Titelverteidigung eine "Utopie", gab als Ziel das Erreichen der internationalen Plätze aus. Bei Felix Magath, der praktisch bis zum Schlusspfiff am letzten Spieltag die Meisterschaft als fernes Ziel des VfL ausgab, klappte dies - Veh nahm das Understatement dagegen keiner ab, der Meister musste wieder um den Titel mitspielen.

An diesem Denken ist Veh gescheitert - genauso wie beim VfB Stuttgart nach der Meisterschaft 2007. "Leider spielt der fantastische Erfolg, Meister geworden zu sein, auch eine Rolle. Er war für die Entwicklung im vergangenen halben Jahr ein Fluch. Die Probleme, die mit dieser Hypothek kamen, konnte Veh nicht lösen", sagt Wolfsburgs neuer Geschäftsführer Dieter Hoeneß.

Köstner übernimmt

Die Lösung heißt jetzt erst einmal Lorenz-Günther Köstner. Der Mann, den Magath noch für die U 23 der Wölfe holte. Er soll dafür sorgen, dass "wir wieder Boden unter die Füße kriegen", formuliert es Hoeneß. Möglicherweise könnte Köstner sogar bis zum Saisonende bleiben. Richtig eilig haben es die VfL-Macher bei der Trainersuche jedenfalls nicht.

Nun also Köstner: In Sachen Erfahrung macht ihm bei 94 Bundesliga- und 272 Zweitliga-Einsätzen keiner etwas vor, aber die Benennung seines Namens - wenn auch nur als Interimslösung - dokumentiert auch, dass der VfL die Richtung für die Zukunft noch nicht genau weiß. Nach Magaths Weggang wurde über internationale Top-Namen spekuliert, geholt wurde Veh.

Der neue Mann wird nur Trainer

Gehandelt werden nun Namen wie Bernd Schuster, Huub Stevens oder Mathias Sammer. Ein Muster ist dabei nicht wirklich zu erkennen. Der neue Mann wird wohl jedenfalls nicht mehr wie seine beiden Vorgänger Magath und Veh mehrere Bereiche übernehmen müssen, sondern sich voll auf das Trainergeschäft konzentrieren können.

Gesucht wird also kein neuer Magath und kein neuer Veh. Die administrativen Aufgaben hat Hoeneß übernommen und dieser wird auch den neuen Trainer bestimmen.

Womöglich liegt hierin der Vorteil des VfL. Hatte zuletzt nur der Aufsichtsrat, bestehend aus hochrangigen Funktionären des VW-Konzerns, die nebenbei noch die Fußball GmbH betreuten, sportliche Entscheidungen getroffen, sitzt jetzt ein ausgewiesener Fachmann am Steuer.

Der muss nun nur den richtigen Mann finden, damit es beim VfL wieder "voll weitergehen" kann.

VfL Wolfsburg: Spielplan, Transfer und mehr

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