Die Wandlung des Michael Zorc

Von Daniel Börlein
Mittwoch, 13.01.2010 | 22:00 Uhr
Michael Zorc ist seit 1998 im Management von Borussia Dortmund tätig
© Getty
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Seit über elf Jahren ist Michael Zorc Manager von Borussia Dortmund und damit der dienstälteste seiner Zunft der ganzen Liga. Derzeit erlebt der 47-Jährige seine erfolgreichste Zeit beim BVB - nachdem er zuvor schon heftige Kritik einstecken musste und mehrmals vor dem Aus stand.

Lange Zeit hatten es die Frauen vieler Dortmund-Fans nicht einfach. Denn immer war da neben der eigenen Beziehung noch diese Susi. Und Susi fanden die Männer ganz toll. Denn Susi konnte richtig gut Fußball spielen. Susi trug auch nie ein anderes Trikot, als das des BVB. Susi schoss Tore für die Schwarz-Gelben, und Susi führte Dortmund unter anderem zu zwei Meisterschaften und einem Champions-League-Triumph. Susi war schlichtweg super.

Mittlerweile haben es die Frauen wieder leichter. Denn Susi kickt nicht mehr. Nach 463 Bundesliga-Spielen und 20 Jahren in Schwarz-Gelb war im Mai 1998 Schluss. Und aus dem Fußballspieler Zorc, Spitzname Susi, wurde Michael Zorc, der Sportmanager von Borussia Dortmund.

Dienstältester Manager

Mehr als elf Jahre sind seitdem vergangen und noch immer ist Zorc Manager beim BVB. Weil Mainz-Kollege Christian Heidel erst seit 2006 hauptamtlich tätig ist, ist Zorc nach dem Rücktritt von Bayerns Uli Hoeneß nun sogar dienstältester Manager der Bundesliga. Ein erfolgreicher noch dazu.

Nach der Vorrunde steht die Borussia auf Platz fünf und damit vor weitaus finanzkräftigeren Klubs wie Wolfsburg oder Hoffenheim. "Uns ist der Umbau der Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren gut gelungen. Es ist sichtbar, dass in diesem Zeitraum viele richtige Entscheidungen getroffen wurden", sagt Zorc zufrieden.

Auf dem Erreichten ausruhen will sich der 47-Jährige nicht, ein klein wenig genießen wird er die momentane Situation allerdings wohl doch. Denn Zorc hat auch schon ganz andere Zeiten in Dortmund erlebt.

Nur wenig Kompetenzen

Seinem Rücktritt von der aktiven Karriere folgt 1998 der nahtlose Übergang ins Management der Borussia. An der Seite von Präsident Gerd Niebaum und Geschäftsführer Michael Meier soll Zorc reifen und seine sportliche Kompetenz einbringen.

In den Entscheidungsprozess wird er allerdings nur selten eingebunden, das letzte Wort haben stets Niebaum und Meier, von den schwerwiegenden finanziellen Problemen des BVB bekommt Zorc folglich nur wenig mit.

"Bevor Meier weg war, hatte Zorc nicht den Einfluss, den er heute hat. Die volle Dimension der Finanzprobleme offenbarte sich ihm erst nach und nach", sagt Journalist Matthias Dersch, Dortmund-Experte vom "Reviersport".

Schnell in der Kritik

Nach dem finanziellen Kollaps der Borussia Anfang 2005 müssen Niebaum und Meier gehen. Zorc bleibt und klettert in der Klub-Hierarchie nach oben. "Als Hans-Joachim Watzke übernahm, schenkte er Zorc das Vertrauen und stattete ihn mit größeren Kompetenzen aus", sagt Dersch.

Plötzlich ist Zorc der Mann, der für Neuzugänge und die Zusammenstellung des Kaders hauptverantwortlich ist, plötzlich steht er in der ersten Reihe - und ganz schnell auch in der Kritik.

"Es wurde von der Öffentlichkeit lange Zeit erwartet, dass er mit bescheidenen Mitteln den Erfolg wiederholt, den Gerd Niebaum und Michael Meier zuvor teuer erkauft hatten. Daran wurde er gemessen", sagt Dersch. Und daran beißt sich Zorc zunächst die Zähne aus.

Fehleinkäufe: Degen, Amoah, Pienaar

Mit der Verpflichtung von Spielern wie Philipp Degen, Matthew Amoah oder Steven Pienaar greift er ein ums andere Mal daneben. Andere Transfers kommen gar nicht erst zustande, weil interne Details frühzeitig an die Öffentlichkeit gelangen. In der Wahl der Trainer beweist er mit Jürgen Röber und Thomas Doll ebenfalls kein besonders glückliches Händchen.

Alle Entscheidungen trifft Zorc in Absprache mit Watzke und Präsident Reinhard Rauball, die Kritik und der öffentliche Zorn richten sich allerdings meist nur gegen ihn. "Natürlich war es in einer bestimmten Phase als Sportdirektor nicht angenehm, und das hat auch weh getan", sagt Zorc heute rückblickend.

2007 mehrmals kurz vor dem Aus

2007 steht er heftig unter Beschuss - und mehrmals kurz vor dem Aus. "Zwischendurch gab es Phasen, in denen man fast täglich damit rechnen musste, dass die Zeit von Zorc beim BVB zu Ende ist. Er stand teilweise massiv und überhart in der Kritik", sagt Dersch.

Mit Michael Rummenigge bringt sich ein Ex-Borusse als Nachfolger ins Gespräch. Auch im Verein, so heißt es, fordern nicht wenige die Ablösung des Managers.

Rückendeckung von Watzke

Zorc aber bleibt. Watzke stärkt ihm den Rücken, stellt sich intern und in der Öffentlichkeit stets hinter ihn. Zorc zieht daraus Kraft, tankt wieder Selbstvertrauen und bekommt schließlich die Kurve. Nach der Qualifikation für den europäischen Wettbewerb verlängert sich sein Vertrag im April 2008 automatisch um zwei Jahre.

Dann gelingt Zorc zusammen mit Watzke mit der Verpflichtung von Jürgen Klopp ein echter Coup und wohl die entscheidende Wende zum Guten. Mit dem Ex-Mainzer hat Dortmund einen Typ, der den Fokus auf sich zieht - Zorc hat damit seine Ruhe.

"Er ist deutlich lockerer geworden"

"Er ist deutlich lockerer geworden, seit Klopp in Dortmund ist. Er wirkte während der Zeit von Thomas Doll, Bert van Marwijk und Jürgen Röber in der Öffentlichkeit häufig verbissen", sagt Zorc-Kenner Dersch. "Das hat sich merklich gelöst, seit mit Klopp jemand da ist, der sehr viel Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit auf sich zieht. Dadurch kann Zorc sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren. Das tut ihm spürbar gut."

Der BVB profitiert davon. Echte Transferflops gehören der Vergangenheit an. Stattdessen haben Klopp und Zorc ein Team mit Perspektive zusammengestellt. Im aktuellen Kader stehen mit Marc Ziegler (33), Patrick Owomoyela (30), Dede (31) und Tinga (31) nur vier Akteure, die älter als 30 Jahre sind.

Und das, obwohl "man bei allen Transfers immer die finanziellen Möglichkeiten des BVB sehen muss", sagt Dersch. "Nur als Beispiel: Ein Transfer wie der von Schalke mit Peer Kluge ist in Dortmund im Moment einfach nicht drin, ohne dass vorher Spieler abgegeben werden."

Keine Genugtuung bei Zorc

Watzke jedenfalls ist froh, Zorc stets gegen alle Widerstände gestützt zu haben. "Wir wollten unbedingt an Michael Zorc fest halten. Zusammen mit Jürgen Klopp bildet er ein starkes und sehr homogenes Team", sagt der BVB-Geschäftsführer zufrieden.

Und Zorc selbst? Genugtuung empfinde er nicht, sagt er. "Aber natürlich ist das Arbeiten jetzt angenehmer." Noch angenehmer war es für ihn in Dortmund wohl nur, als er noch Susi war.

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