Integration: Mission Impossible

Von Für SPOX in Dubai: Thomas Gaber
Montag, 04.01.2010 | 17:26 Uhr
Die Bayern schuften im Trainingslager in Dubai. Aber Franck Ribery fehlt im FCB-System
© Getty
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Bayern-Trainer van Gaal hatte im Trainingslager in Dubai ein großes Ziel: Ribery in die Mannschaft zu integrieren. Doch der Franzose ist schon wieder verletzt. Doch gerade jetzt kümmert sich der FC Bayern ganz besonders um seinen Star.

Es bedarf keines Studiums der Ernährungswissenschaften und auch keines Diploms in Trainingslehre, um zu wissen, dass eine vernünftige Vorbereitung für Profisportler auf Großereignisse oder eine ganze Saison wichtiger ist, als etwaige individuelle Fähigkeiten zu verbessern.

Mehmet Scholl ließ sogar eine WM sausen, um endlich einmal das volle Programm vor einer Bundesligasaison verletzungsfrei durchziehen zu können.

Franck Ribery spielt im dritten Jahr beim FC Bayern und musste schon zweimal, jeweils im Sommer, kürzer treten, um Verletzungen auszuheilen. Im zweiten Halbjahr 2009 wurde die Geduld des spielfreudigen Franzosen arg exerziert, weil Trainer Louis van Gaal nur Spieler auf den Gegner loslässt, die jedes auch noch so kleine Wehwehchen auskuriert haben. Gehandicapt von einer Knie- und einer schmerzhaften Zehenverletzung, brachte es Ribery in der Hinrunde nur auf sechs Pflichtspieleinsätze.

Große Zehen aufgebohrt

Im Trainingslager in Dubai, wo sich die Mannschaft seit Montag aufhält, sollte der 26-Jährige die Basis für ein erfolgreiches Comeback legen. Doch als die Bayern am Mittag zur ersten Einheit unter arabischer Sonne gebeten wurden, fehlte Ribery. Der große Zeh ist wieder entzündet, diesmal sogar an beiden Füßen.

Das ärztliche Bulletin klingt nicht vielversprechend. Beide Zehen wurden aufgebohrt, um gestauchtes Blut ablaufen zu lassen. Am Sonntag hatte Ribery in München noch problemlos die erste Einheit im neuen Jahr absolviert, nach der Landung in Dubai klagte er aber über Schmerzen an beiden großen Zehen.

Van Gaal: "Das ist eigentlich unglaublich"

Statt mit den Kollegen zu trainieren, musste Ribery in den ungeliebten Fitnessraum. Trainer Louis van Gaal haderte mit dem Schicksal: "Das ist eigentlich unglaublich und für den Trainer und die Mannschaft sehr bitter. Wir können es im Moment nicht ändern. Wir hoffen, dass die medizinische Abteilung ganze Arbeit leistet, damit er so schnell wie möglich zurück kommt."

Ob Ribery überhaupt in Dubai am Ball trainieren kann, steht noch nicht fest. Aber egal, wie lange Ribery pausieren muss - es bedeutet einen weiteren Rückschlag. Für den Spieler, für die Mannschaft, für den Trainer.

Ribery bedeutet Titel

Van Gaal wollte im Sommer eigentlich ein 4-4-2 mit Raute spielen und Ribery hinter den Spitzen einsetzen. Der Franzose wehrte sich und gewann den Richtungsstreit mit seinem Trainer.

Van Gaal war bereit, das Spielsystem zu wählen, in dem der 26-Jährige am besten zur Geltung kommt. Der Coach lechzt nach einem fitten Ribery, obwohl die Mannschaft am Ende der Hinrunde auch ohne den Ausnahmespieler funktionierte.

"Mit Franck Ribery können wir wahrscheinlich noch Besseres leisten. Und wenn wir Besseres leisten als zuletzt, dann haben wir auch große Chancen, einen Titel zu holen", hatte van Gaal vor dem Abflug nach Dubai noch betont.

Das 4-4-2 bleibt

Nun ist der Trainer erneut gezwungen, in der extrem kurzen Vorbereitungsphase bis zum Rückrundenstart gegen 1899 Hoffenheim am 15. Januar seine Pläne zu ändern.

Kurzfristig heißt das: Beibehaltung des 4-4-2 mit den zwei defensiven Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger und Mark van Bommel, Arjen Robben im rechten und Thomas Müller im linken Mittelfeld.

Im ersten knapp 50-minütigen Trainingsspiel in Dubai spielte die Stammelf gegen das B-Team um Miroslav Klose, Anatolij Tymoschtschuk und die drei U-23-Akteuren David Alaba, Mehmet Ekici und Diego Contento und gewann durch drei blitzsauber heraus gespielte Tore von Mario Gomez mit 3:0.

Riberys Integration unmöglich

Eigentlich wollte van Gaal in Dubai eifrig testen, ob Ribery in das zuletzt so erfolgreiche 4-4-2 passt oder besser in das 4-3-3 mit Ribery und Robben auf den Flügeln. Van Bommel sagte im SPOX-Interview, dass man das System nicht ändern müsse, wenn Ribery zurückkommt.

Derartige Gedankenspiele sind erstmal obsolet. Ribery muss von vorne anfangen und van Gaal sein wichtigstes Vorhaben in Dubai, Ribery zu integrieren, wieder mal aufschieben.

Dass der Franzose einen psychischen Knacks davonträgt, glaubt Holger Badstuber nicht. "Auch wenn das eine sehr unangenehme Verletzung ist, mache mir keine Sorgen um ihn. Er arbeitet hart an sich und wird schon wieder", sagte Badstuber zu SPOX.

Nerlinger will um Ribery kämpfen

Fest steht, dass die Bayern einen gesunden Ribery brauchen, um ihre Ziele erreichen zu können. Mit Kreativspielern sind sie nicht üppig bestückt und ohne Ribery in der Champions League auf Dauer nicht für das Kräftemessen mit den Großen gerüstet.

Deswegen will Sportdirektor Christian Nerlinger auch alles tun, um Ribery in München zu halten. "Wir werden im Frühjahr mit ihm sprechen und natürlich um ihn kämpfen", sagte Nerlinger dem "Kicker".

Allerdings dürfe sich das Sommertheater 2009, als Ribery täglich mit europäischen Großklubs in Verbindung gebracht wurde, nicht wiederholen. "In erster Linie ist es wichtig, dass Ribery sportlich wieder auf die Beine kommt", so Nerlinger.

Nicht nur die Bayern werden in den nächsten Wochen genau hinsehen. Auch die Herren von Real Madrid und dem FC Chelsea.

Nerlinger will Spieler-Gehälter drücken

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