Willkommen im nächsten Level

Von Daniel Börlein
Samstag, 23.01.2010 | 22:19 Uhr
Arjen Robben (l.) auf dem Weg zu seinem gestürzten Trainer Louis van Gaal
© Getty
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Der FC Bayern München war für Werder Bremen am 19. Spieltag mindestens eine Nummer zu groß. Die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal spielt mittlerweile so, wie sich der Niederländer das vorstellt. Selbst Philipp Lahm funktioniert endlich. Bei Werder macht sich derweil Klaus Allofs große Sorgen.

Rivaldo hätte der Anblick bestimmt gut gefallen. Auch Hristo Stoitschkow wäre in diesem Moment sicher gerne Augenzeuge gewesen. Die beiden ehemaligen Superstars spielten einst beim FC Barcelona unter Trainer Louis van Gaal, kamen mit dem Niederländer allerdings überhaupt nicht zurecht und hätten ihn deshalb nur zu gern mal auf die Nase fallen sehen.

Im Bremer Weserstadion war es nach 78 Minuten soweit. Van Gaal taumelte wie ein angeknockter Boxer durch seine Coaching Zone, stürzte darnieder und lag schließlich rücklings auf dem Boden. Eine Szene, die einer gewissen Komik nicht entbehrte, eine Szene allerdings ohne jeglichen Symbolcharakter.

Denn: Bayern hatte soeben das 3:2 in Bremen erzielt und van Gaal war gut gelaunt auf der Flucht vor Torschütze Arjen Robben, der im Höchsttempo auf ihn zusteuerte. Warum? Der Linksfuß wollte sich bei seinem Trainer bedanken. Van Gaal hatte seinen Landsmann in der Halbzeit anstelle von Holger Badstuber zum Standardschützen befördert, und Robben nutzte prompt einen Freistoß zum Siegtreffer für den Rekordmeister.

Sechster Sieg in Folge

Alles richtig gemacht, Louis van Gaal! Überhaupt macht der 58-Jährige derzeit ziemlich viel richtig. In Bremen gelang den Münchnern der sechste Liga-Erfolg in Serie und - zumindest zwischenzeitlich - der Sprung an die Tabellenspitze.

Die Bayern sind mittlerweile gefestigt, auch die beiden Werder-Treffer änderten nichts am selbstbewussten Auftreten der Münchner. Während Siege in der Hinrunde häufig nur aufgrund der individuellen Klasse einzelner Akteure eingefahren wurden, gewinnt man Spiele nun dank der Überlegenheit des Systems van Gaal. Keine Frage, der FC Bayern ist im nächsten Level der Ära van Gaal angekommen.

Die Ideen des Niederländers werden immer regelmäßiger und weniger zufällig umgesetzt. Wegen der hoch stehenden Viererkette der Bremer hatte van Gaal seine Mannen angehalten, den Ball immer wieder schnell in die Tiefe zu passen, denn "Bremen spielt mit viel Risiko", so der Bayern-Coach.

Automatismen greifen

Und seine Spieler taten, wie ihnen befohlen. Mario Gomez band als Stoßstürmer vor allem in Halbzeit eins meist beide Innenverteidiger im Zentrum. Ivica Olic, Thomas Müller und Robben kamen hingegen meist mit Tempo aus der zweiten Reihe und sprinteten in die Bälle, die Mark van Bommel und der erneut starke Bastian Schweinsteiger fast schon automatisiert in die Gasse legten.

So tauchten Olic und Robben bereits in den ersten fünf Minuten zweimal frei vor Werder-Keeper Tim Wiese auf. Weil Bremen nicht in der Lage war, darauf zu reagieren, trugen die Bayern ihre Angriffe über die gesamten 90 Minuten immer wieder nach diesem Muster vor.

"Heute hätten wir vielleicht zehn Tore machen können", so Robben. "Mir hat gut gefallen, dass wir heute sehr angriffslustig waren. Leider haben wir unsere Chancen aber nicht konsequent genutzt. Es ist unglaublich, dass wir nur 3:2 gewonnen haben. Der Sieg müsste viel höher ausfallen", sagte van Gaal, gab aber zu: "Ich bin heute ein sehr glücklicher Trainer."

Lahm funktioniert endlich

Wohl auch, weil Philipp Lahm endlich funktioniert. Der Nationalspieler machte zwar kein ausgesprochen gutes Spiel, verdeutlichte allerdings erstmals, warum ihn sein Trainer ausschließlich als Rechtsverteidiger einsetzt.

Van Gaal will, dass seine Außenverteidiger mit nach vorne marschieren und den Ball dann mit ihrem starken Fuß druckvoll und aus dem Lauf vors Tor ziehen können. Beim 2:1 durch Olic klappte dies perfekt. Ohnehin war der Spielzug Robben rückt ein, Lahm hinterläuft und bekommt den Steilpass Richtung Grundlinie ein häufig gewähltes Mittel im Bayern-Repertoire.

"Wenn wir weiter Woche für Woche so spielen, wird der Druck für unsere Konkurrenten immer größer", sagte Keeper Michael Rensing, der zur Pause für den durch einen Magen-Darm-Infekt gehandicapten Jörg Butt eingewechselt wurde.

Wohin mit Ribery?

Ohne Frage: In dieser Verfassung ist Bayern die stärkste Mannschaft der Liga. Zudem soll der zuletzt verletzte Franck Ribery schon bald in die Startelf zurückkehren. Der Franzose wurde in Bremen 20 Minuten vor dem Ende eingewechselt und kam zu seinem ersten Einsatz seit Anfang Oktober.

Doch wohin mit Ribery, wenn er wieder komplett fit ist? Angesichts der momentanen Verfassung der Offensivabteilung um Robben, Müller, Olic und Gomez wäre es eigentlich fast fahrlässig, einen davon aus dem Team zu nehmen.

Allofs: "Wir müssen in den internationalen Wettbewerb"

Während die Bayern vor einem Luxusproblem stehen, hat Werder derzeit ganz andere Sorgen. Gegen den Rekordmeister kassierte das Team von Trainer Thomas Schaaf bereits die vierte Niederlage in Folge. Der einstige Titelkandidat ist binnen weniger Wochen auf Platz sechs abgestürzt und hat nun schon sechs Zähler Rückstand auf Rang fünf.

"Wir müssen in den internationalen Wettbewerb, dafür ist die Mannschaft ausgerichtet und wir können das auch, aber jetzt sind wir erst mal ein ganzes Stück weit weg und müssen uns keine Gedanken über Champions League und Meisterschaft machen", sagte Manager Klaus Allofs.

Sich frühzeitig von allen internationalen Träumen verabschieden zu müssen, könnte für Werder fatale Folgen haben, hätte man dadurch im Poker um Mesut Özil und Aaron Hunt doch ein gewichtiges Argument weniger. Allofs fordert deshalb: "Wir müssen jetzt langsam eine Serie starten."

Analyse: Robben Star des Spiels, Borowski die Gurke

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