Leverkusen? Schalke? Bayern!

Von Thomas Gaber
Samstag, 19.12.2009 | 23:30 Uhr
Seitdem Uli Hoeneß Präsident des FC Bayern ist, hat der FCB alle Spiele gewonnen
© Imago
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Leverkusen vor Schalke und Bayern - kein zu erwartender Ausgang der Bundesliga-Hinrunde. Die Wege der Teams unter die ersten Drei der Tabelle hätten unterschiedlicher nicht sein können. Bayers dünn besetzter Kader überzeugte mit Spielkultur. Magath zog eine One-Man-Show ab. Und die Bayern? Die werden deutscher Meister. Vergangenheit und Zukunft des Top-Trios der Liga.

Bayer Leverkusen (1./35 Punkte/35:13 Tore)

Rückblick: Ein Platz unter den ersten Fünf - das ist jedes Jahr das Ziel der Werkself. Mit dem Meistertitel hat Bayer schon lange nichts mehr zu tun gehabt, die Bescheidenheit ist daher nicht gespielt, sondern den Misserfolgen der letzten Jahre angemessen.

Umso beachtlicher ist die Konstanz und die spielerische Klasse, mit der Leverkusen durch die Hinserie marschiert ist. Als drittem Team der Bundesliga-Geschichte gelang es der Bayer-Elf, die ersten 17 Spiele ohne Niederlage zu absolvieren. So konnte man sich auch die acht Unentschieden leisten auf dem Weg zum Herbstmeistertitel. Nie zuvor hatte die punktbeste Mannschaft der Bundesliga nach der Hinrunde die meisten Remis auf dem Konto.

35 Tore ist ebenso Liga-Bestwert, wie die 13 Gegentore. Zudem stellt Leverkusen mit Stefan Kießling den besten Torschützen (zwölf Treffer). Trainer-Dino Jupp Heynckes ist es gelungen, aus Alt-Stars wie Sami Hyypiä, hoffnungsvollen Talenten wie Stefan Reinartz und genialen Fußballern wie Toni Kroos ein Team zu formen, das mit zielstrebigem Offensivfußball in fast jedem Spiel besser war als der Gegner. Tranquillo Barnetta und Manuel Friedrich bringen endlich über einen längeren Zeitraum konstant gute Leistungen.

Bayer trat auch gegen die Spitzenteams teilweise so dominant auf, dass die Ausbeute von 35 Punkten eigentlich noch zu wenig ist. In Hamburg, Berlin und auf Schalke wurden leichtfertig Siege verschenkt - eine alte Bayer-Krankheit. In den letzten Spielen ging Leverkusen auf dem Zahnfleisch, rettete sich aber mit Leidenschaft und einem Toni Kroos in Bestform in der Pole-Position über die Ziellinie.

Ausblick: Die starke Hinrunde weckt Begehrlichkeiten bei Bayer. "Wir können und wollen da oben bleiben", sagte Heynckes nach dem 3:2 gegen Mönchengladbach. Für Leverkusen spricht die DFB- und Europapokal freie Zeit. Es bleibt bei einem Highlight pro Woche. Das verringert das Verletzungs- und Burnout-Risiko. Heynckes weiß, wie man Meisterschaften gewinnt, die meisten seiner Spieler dagegen nicht.

Der Kader hat nicht die Tiefe der Bayern, Schlüsselspieler wie Adler, Hyypiä, Rolfes, Renato Augusto und Kießling sind nicht zu ersetzen. Mit Patrick Helmes kommt die erhoffte Verstärkung im Angriff zurück. Bayer Leverkusen hat schon mit besseren Kadern Meistertitel verspielt. An ein Ende von Vizekusen mag man nicht so recht glauben. Der Sieg des Willens gegen Gladbach war aber immerhin ein erster Schritt, diese Legende zu beenden.

FC Schalke 04 (2./34 Punkte/26:13 Tore)

Rückblick: Fußballweise Peter Neururer ist der Meinung, dass es in der Bundesliga-Geschichte noch nie eine Mannschaft gegeben hat, die als Tabellen-Zweiter so einen jämmerlichen Fußball gespielt hat wie Schalke 04 in dieser Saison.

Mit jämmerlichem Fußball holt man aber sicher keine 34 Punkte. Schalker Spiele waren zwar nicht immer hübsch anzusehen, dafür bekam man viel taktische Finesse verabreicht, gnadenlose Effizienz und immer andere unbekümmerte Frischlinge, die meist gleich beim Debüt positiv auffielen.

Alleinherrscher Felix Magath hat nicht nur einem hochexplosiven Verein Gehorsam und Besonnenheit beigebracht, sondern auch eine scheinbar untrainierbare Mannschaft gezähmt.

Die Young Guns Christoph Moritz, Joel Matip, Lukas Schmitz oder Levan Kenia schlugen ein und schwierige Charaktere wie Rafinha erfüllen ohne Murren sämtliche taktische Vorgaben auf einer ungewohnten Position. Der launische Jefferson Farfan (sechs Tore) erzielte schon vier Mal das 1:0 und wenn Schalke in Führung ging, haben sie auch jedes Mal gewonnen. Insgesamt zehn Mal  - Ligaspitze.

Beherrschendes Thema der Hinrunde auf Schalke war aber die ganz persönliche Finanzkrise. In den letzten Jahren wäre Schalke daran zu Grunde gegangen, doch Magath sorgte dafür, dass das Thema Geld auf Schalke nie die sportlichen Erfolge in den Schatten stellte. Der Coach machte Witze, wenn er nach den Finanzproblemen gefragt wurde. Laut und ungehalten wurde der Coach nur, wenn er die Spiele seiner Elf bewerten sollte. Mit der Methode, seine Mannschaft klein zu reden, hatte Magath aber in Wolfsburg schon Erfolg.

Ausblick: Schalke hat viel erreicht in der Hinrunde. Aber nicht so viel, um sich blenden zu lassen. Die Spieler wissen ihre Leistungen richtig einzuschätzen, seit Beginn der Ära Magath ist Hochmut tabu auf Schalke. Die Mannschaft gehorcht dem Trainer. In der Rückrunde kommt Langzeitpatient Jermaine Jones zurück, zudem darf sich Magath auf dem Transfermarkt umschauen. Rosige Aussichten für Schalke-Fans. Man mag kaum glauben, dass es auf Schalke eine ganz Saison lang ruhig bleiben wird. Doch so lange das "neue Wir-Gefühl" (Aufsichtsrat Tönnies) anhält, muss man Königsblau im Titelkampf auf der Rechnung haben.

FC Bayern München (3./33 Punkte/34:15 Tore)

Rückblick: Neuer Trainer, neuer Sportdirektor, neuer Präsident, neuer Ehrenpräsident und wie immer auch ein paar neue Spieler. Es war keine Revolution a la Klinsmann, die da in München stattfand, aber eine neue Ära wurde dann doch eingeläutet. Uli Hoeneß tobt nicht mehr mit auf der Trainerbank und ist neuerdings Präsident. Der Kaiser zieht sich allmählich zurück und der Coach hat seine nach eigener Aussage "intensivste Hinrunde meiner Karriere" hinter sich.

Anfangs wurde Louis van Gaal reichlich missverstanden. Von den Fans, von den Medien und insbesondere von seinen Spielern. Doch die Mannschaft bekam die Kurve - mit van Gaal, wie unisono versichert wird. Die letzten sechs Pflichtspiele des Jahres haben die Bayern gewonnen und dabei 20 Tore erzielt. 14 davon in den letzten drei Spielen. "Die Mechanismen greifen immer besser und wir sind zu einer echten Einheit gewachsen", sagte Mario Gomez nach dem 5:2 gegen Hertha BSC.

Die chronischen Verletzungsprobleme des einen Superstars, Franck Ribery, und die chronischen Wechselabsichten des anderen (ehemaligen) Superstars, Luca Toni, werden mittlerweile als Nebensächlichkeiten hingenommen - so zufrieden sind sie zum Ende der Hinrunde in München.

"Wir haben uns in allen drei Wettbewerben eine erstklassige Ausgangsposition geschaffen", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. Seit September haben die Bayern in der Liga nicht mehr verloren. Ein Super-Knipser ist nicht vorhanden, die Bayern treffen im Kollektiv (Gomez 8 Tore, Olic 6, Müller 5, Robben 4, van Buyten 4).

Ausblick: Die Rückkehr der Mia-san-Mia-Bayern - nur ein Strohfeuer oder erst der Anfang eines langen Erfolgsweges? Potential, Erfahrung und Mentalität sprechen im Titelkampf für die Bayern. Keine Mannschaft kann Ausfälle so gut verkraften und keine Mannschaft ist psychisch so auf der Höhe, wenn die Ernte verteilt wird am Ende einer Saison. Und mit Ribery ist das beste Pferd im Stall bislang nur sporadisch gelaufen.

Die Bayern können sich auf dem Weg zum 22. Meistertitel nur selbst stoppen. Etwa durch Unmutsäußerungen der Reservisten Miroslav Klose, Anatolij Tymoschtschuk und Hamit Altintop. Van Gaal scheint die Truppe aber mittlerweile so gut im Griff zu haben, dass ihm niemand mehr ans Bein pinkelt. Toni hat im Machtkampf mit dem Coach den Kürzeren gezogen.

Der Trainer hat endlich auch die Rückendeckung der gesamten Klubführung. Van Gaal will in seiner ersten Saison in München mindestens einen Titel holen. Er hat noch alle drei Möglichkeiten. Da wird sich sein Wunsch schon erfüllen.

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