Zvonimir Soldo (l.) hat das Traineramt in Köln von Christoph Daum übernommen
Zvonimir Soldo (l.) hat das Traineramt in Köln von Christoph Daum übernommen
© Getty

In Köln brennt es an allen Ecken und Enden

Dienstag, 24.11.2009

Endspiel für Soldo in Bochum?

Köln kommt nicht zur Ruhe. Je länger die peinliche Pleite gegen Hoffenheim zurückliegt, desto lauter wird das Echo. Die Schlagworte lauten: Spieler-Aufstand gegen Trainer Zvonimir Soldo, Endspiel gegen Bochum, Ärger um Milivoje Novakovic und Krise von Lukas Podolski.

Wer immer schon mal wissen wollte, wie viele Begriffe es gibt, um eine 0:4-Heimniederlage in einem Bundesliga-Spiel zu beschreiben, brauchte am Montag nur einen Blick in die Kölner Presse zu werfen. Von einer "Voll-Blamage" war zu lesen, von einem "Offenbarungseid", von einer "Höchststrafe".

Mit einem weiteren Tag Abstand richtet sich der Fokus der Kritik auf die Ursachen für die zuletzt sehr schlechten Leistungen des FC sowie mögliche Konsequenzen.

Die Hauptdarsteller: Trainer Zvonimir Soldo, Präsident Wolfgang Overath, Lukas Podolski und Milivoje Novakovic.

Endspiel für Soldo in Bochum?

Die erste und am lautesten gestellte Frage in Köln lautet: Wie lange ist Soldo noch haltbar? Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll es gegen den Coach nach dem Spiel gegen Hoffenheim einen Aufstand gegeben haben. Angeblich wurden die Spieler bei Präsident Overath vorstellig, um sich über Taktik, Aufstellung und Auftreten von Soldo zu beschweren.

Overath hat seinerseits am Sonntag vor der Mannschaft eine Brandrede gehalten, um Leidenschaft,  Wille und Einsatz einzufordern.  Es war schon die zweite Rede dieser Art innerhalb von nur drei Wochen.

Sollte der FC am Freitag auch das Abstiegsduell in Bochum (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sky) verlieren, wird Overath laut "Express" nicht noch einmal vor der Mannschaft sprechen, er wird Taten folgen lassen. "Bochum wird zu Soldos Endspiel", lautet die Überschrift.

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Punkte gegen Bochum, Freiburg und Nürnberg sind Pflicht

Noch steht Overath öffentlich hinter seinem Trainer, aber bei einer Niederlage in Bochum droht der Absturz auf einen Abstiegsrang.

Bis Weihnachten kommt es zudem noch zu  entscheidenden Spielen gegen Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt wie Freiburg und Nürnberg. "Da müssen wir jetzt die Punkte holen", fordert der Präsident. Schafft Soldo das nicht, ist wohl Schluss.

Nimmt Soldo Novakovic die Kapitänsbinde weg?

Dem Trainer fehlt Autorität, ihm fehlt Erfahrung - und ihm fehlt der komplette Sturm. Milivoje Novakovic macht momentan nichts als Ärger.

Aktueller Höhepunkt war der Streit um die erzwungene Rückreise von den WM-Feierlichkeiten der Slowenen. Es folgte eine desolate Leistung gegen Hoffenheim. Soldo wechselte ihn und Landsmann Miso Brecko früh aus, beide schmollten und blieben in der Kabine, anstatt auf der Bank Platz zu nehmen.

Jetzt wird darüber spekuliert, ob Soldo den Mumm hat, Novakovic die Kapitänsbinde abzunehmen.

Podolski seit fünf Stunden ohne Torschuss

Star des Teams ist ohnehin ein anderer, Lukas Podolski. Doch dessen Flaute im FC-Trikot ist beinahe beispiellos. Nicht nur, dass er knapp 800 Minuten kein Tor mehr erzielt hat. Er hat seit fast fünf Stunden nicht einmal mehr aufs Tor geschossen!

Was im Nationaltrikot bestens klappt - siehe sein Doppelpack gegen die Elfenbeinküste - ist in Köln ein Trauerspiel.

"Köln spielt gegen ihn", zitiert "Bild" Trainer-Legende Udo Lattek. "Die Mannschaft erwartet viel mehr von Podolski. Aber die Spieler merken: Da kommt nichts. Deshalb spielen sie ihn gar nicht mehr an."

Lattek kritisiert Söldner-Mentalität der Spieler

Der Druck auf Podolski in Köln ist gewaltig. Druck ist aber leider ein Phänomen, mit dem Poldi schon in München schlecht umgehen konnte. Die Unbeschwertheit, die er im DFB-Team hat, kommt ihm im Verein abhanden. "Ich bin mit mir selbst nicht zufrieden", sagte Podolski nach dem Hoffenheim-Spiel.

Köln müsse sich als Team hinterfragen und schnell Lösungen finden, fügte er hinzu. Die schnellste und einfachste Lösung wäre zunächst einmal, die Einstellung zu ändern und den Abstiegskampf anzunehmen.

Das findet jedenfalls Udo Lattek: "Einige Spieler scheinen zu denken: Was geht mich dieser FC Köln an? Wenn die absteigen, gehe ich halt weg. Wenn man das nicht schnellstens rauskriegt aus den Köpfen, steigt Köln ab."

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