Uli Hoeneß: "Haben einen Schlachtplan"

SID
Montag, 05.10.2009 | 12:48 Uhr
Der Bayern-Manager Uli Hoeneß sieht die Situation noch gelassen
© Getty
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Als Coach Louis van Gaal auf dem Oktoberfest die wenigen Stufen hinauf zum Käferzelt erklimmen wollte, geriet er ins Stolpern - ein Bild mit Symbolcharakter: Beim Fußball-Rekordmeister Bayern München läuft es nicht rund.

Van Gaals Philosophie greift nur bedingt, und die Stürmer treffen das Tor nicht mehr - doch die Bosse glauben trotz acht Punkten Rückstand auf Platz eins an die Wende. "Wir werden kein Trübsal blasen. Wir haben einen Schlachtplan, wie wir da wieder rauskommen", sagte Manager Uli Hoeneß am Rande des Wiesn-Besuches der "Bild".

Präsident Franz Beckenbauer meinte beim Pay-TV-Sender Sky: "Die Mannschaft hat Qualität - und die ist groß genug, um in der Liga und international eine Rolle zu spielen."

Doch die Rolle, die van Gaals Bayern derzeit in der Bundesliga spielen, ist nicht einmal die eines Verfolgers. Seit über 500 Tagen war der FC Ruhmreich nicht mehr Tabellenführer in der Klasse, deren unumstrittener Primus er einst war.

Schon 274 Minuten ohne Tor

Mittelmaß statt Meisterkampf - ein Zustand, den selbst die seriöse Süddeutsche Zeitung zum Anlass nahm, den Alarm an der Säbener Straße auszulösen. "Im Moment kommt keine Euphorie auf", gab auch Beckenbauer zerknirscht zu.

Im Zentrum der Kritik steht die Offensivabteilung, die seit 274 Minuten kein Tor mehr zustandegebracht hat. Allerdings muss sich van Gaal auch vorwerfen lassen, dass er die Stürmer mit seinen ständigen Personalrochaden im Zentrum verunsichert.

"Wenn man dann einmal von Anfang an spielt, hat man gleich unglaublichen Druck, alles richtig zu machen", klagte Angreifer Ivica Olic. Die fehlende Stammplatzgarantie verunsichert auch Mario Gomez und Miroslav Klose, die jetzt ohne allzu großes Selbstvertrauen mit der Nationalmannschaft zum vorentscheidenden WM-Qualifikationsspiel nach Moskau gegen Russland reisen müssen.

Bundestrainer Joachim Löw macht sich bereits Sorgen, gibt sich nach außen aber gelassen: "Sie haben beide ihre Klasse bewiesen. Ich sehe da keine Problematik."

Es fehlt der Chef

Die Probleme der Bayern auf die besonders ohne die Stars Franck Ribery und Arjen Robben schwächelnde Offensive zu reduzieren, würde allerdings zu kurz greifen, wie Andreas Ottl betonte.

"Das ist der falsche Weg. Es fängt doch schon hinten in der Abwehr an", sagte der 24-Jährige, der sich als Ersatz für Kapitän Mark van Bommel einen Stammplatz erobert hat und einer der wenigen Krisengewinnler ist.

Doch die Personalie Ottl veranschaulicht ein weiteres Problem der Bayern: Ohne van Bommel fehlt den Münchnern der Chef. Der von den Bossen verpflichtete Anatolij Timoschtschuk genießt bei van Gaal kaum Kredit.

Der Trainer zieht im Angriff die glücklosen Dauerrenner Olic und Klose dem Stoßstürmer Gomez ebenso vor wie im Mittelfeld den biederen Arbeiter Ottl dem Dirigenten Timoschtschuk. Beckenbauer vermisst deshalb schon den nach Hamburg abgegebenen Ze Roberto.

Kaiser vermisst Ze Roberto

Dessen "Ballbehandlung, die Geschmeidigkeit - das fehlt im Moment", sagte der Kaiser. Ohne die Rafinesse des Brasilianers und van Bommels Aggressivität fehlt der Schwung in der Zentrale, und wenn es van Gaal mit Flanken versucht wie nach der Pause gegen Köln, zeigen dessen Zukäufe Edson Braafheid und Danijel Pranjic Schwächen.

Van Gaal wird die Länderspielpause nutzen, um sich Gedanken zu machen. Ein Blick in die Geschichte könnte ihn beruhigen: Die Bayern haben zuletzt vor neun Jahren in drei Pflichtspielen in Folge kein Tor erzielt - damals gewannen sie am Saisonende die Meisterschaft. Und zum vierten Mal die Champions League.

Bayern: Bloß keine Panik

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