Fussball

"Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot"

Von SPOX
Einige so genannte Hertha-Fans rasten aus und drohen dem Klub sogar mit Mord
© Getty

Drei Punkte aus neun Spielen, fünf Punkte auf einen Nicht-Abstiegsplatz und acht Niederlagen in Folge: Hertha BSC steuert rapide auf die 2. Liga zu. Zur sportlichen Krise kommt jetzt noch der Zoff mit Ex-Trainer Lucien Favre und die Vorwürfe gegen Kapitän Arne Friedrich, Kollegen öffentlich anzuschwärzen. Da kann nur noch eine Geheimwaffe helfen.

Lucien Favre fristlos entlassen: Die Verantwortlichen von Krisenklub Hertha BSC haben ihre Konsequenzen aus den gescheiterten Gesprächen mit den Beratern von Ex-Trainer Lucien Favre gezogen und dem Schweizer fristlos gekündigt. "Herr Favre wird mit Wirkung vom Montag fristlos gekündigt", so Hertha-Sprecher Gert Graus zur "Berliner Zeitung".

Favre war am 28. September nach der sechsten Niederlage in Folge zusammen mit Co-Trainer Harald Gämperle beurlaubt worden. Sein Vertrag wäre noch bis Sommer 2011 gültig gewesen. Durch die fristlose Kündigung entginge dem Schweizer eine Abfindung in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro. Nun werden wohl die Gerichte entscheiden, ob Lucien Favre Anspruch auf eine Abfindung hat und in welcher Höhe ihm diese zusteht.

Grundlage der eskalierenden Streitigkeiten ist eine von Favre am 6. Oktober einberufene Pressekonferenz. Dieser erklärte dort, der Verein habe die Trennung von Manager Dieter Hoeneß nicht verkraftet, was auch seiner Arbeit geschadet hätte. Zudem wirft er seinem Ex-Klub "fehlende Investitionsbereitschaft" und ein unglückliches Händchen bei Neuverpflichtungen vor. Die Hertha lässt nun arbeitsrechtlich prüfen, ob sich Favre mit diesen Aussagen möglicherweise vereinsschädigend verhalten hat.

Über das weitere Vorgehen im Fall Favre konnten die Verantwortlichen auf Grund des schwebenden Verfahrens keine weiteren Auskünfte geben.

"Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot": Diese Drohung formulierten einige der aufgebrachten Hertha-Anhänger nach der 0:3-Niederlage in Nürnberg und schockten damit Spieler und Verantwortliche. "Bild" zitiert Manager Michael Preetz mit den Worten: "So was hat nichts auf dem Fußball-Platz und überhaupt nirgendwo etwas zu suchen".

Diese so genannten Fans sind dafür verantwortlich, dass beim von Trainer Friedhelm Funkel angeordneten Straftraining am Sonntag Sicherheitspersonal zum Schutz der Spieler eingesetzt werden musste. Durch die Vermittlungs-Versuche des Fan-Beauftragten Dinato Melillo und ein Gespräch von Kapitän Arne Friedrich nach dem Training mit Vertretern der Fans konnten die Wogen ein wenig geglättet werden. Vorerst.

Hertha will Woronin zurück: Nach Niederlage Nummer acht in Folge könnte Hertha BSC gezwungen sein, auf einen Geheimplan zurückzugreifen. "Wenn bis zum Winter erkannt wird, dass Verstärkungen nötig sind, werden wir aktiv", so Präsident Werner Gegenbauer in der "BZ".

Diese Verstärkung könnte Andrij Woronin sein, der nach dem Ende seines Leihgeschäfts von Berlin wieder in die Premier League zum FC Liverpool zurückkehren musste. Er war in der vergangenen Saison in Berlin einer der Erfolgsgaranten gewesen.  Der Ukrainer hat in England noch einen Vertrag bis 2011, ist aber mit seiner Rolle als Reservist unzufrieden.

Zur geplanten Rückholaktion wollte sich bei der Hertha bisher niemand äußern. Michael Preetz in der "BZ": "Ich schließe nichts aus. Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu sprechen."

Friedrich lästert über Mitspieler: Zusätzlich zum Hickhack um Ex-Trainer Favre und die ohnehin katastrophale Situation gerät nun auch Kapitän Arne Friedrich ungewollt in den Blickpunkt. Angeblich schwärzte der Nationalspieler nach dem Spiel in Nürnberg seinen Kollegen Patrick Ebert bei den eigenen Fans in der Kurve an: "Dass er beim zweiten Tor den Ball verliert, dass seht ihr wieder nicht", wird Friedrich zitiert. Ein Fan hat diese Aussage als Video auf seinem Handy festgehalten und dann veröffentlicht.

"Dieser Videomitschnitt ist aus dem Zusammenhang gerissen. Deshalb ist das auch kein Thema für mich," versuchte sich Friedrich zu verteidigen. Friedrich geriet bereits zuvor in die Kritik: Ihm wird vorgeworfen, treibende Kraft am Rauswurf von Trainer Lucien Favre gewesen zu sein.

Fan-Meinungen zur Hertha-Krise im SPOX-Blog

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung