Die neuen Trainer im Check

Alles auf Null

Von Daniel Börlein
Mittwoch, 05.08.2009 | 17:10 Uhr
Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Felix Magath und Armin Veh (v.l.) sind neu bei ihren Klubs
© Getty
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Noch vor dem ersten Spieltag hat Mainz 05 Trainer Jörn Andersen entlassen. Nachfolger wird Thomas Tuchel, dem aber kaum Zeit bleibt, seine Ideen einzubringen. Acht andere Trainer sind ebenfalls neu bei ihren Klubs. Alle acht hatten allerdings eine ganze Vorbereitung, um ihre Vorstellungen umzusetzen. Die neuen Männer auf dem Prüfstand.

Armin Veh

Das ist bisher passiert: Veh gibt wie Magath den Trainer, Manager und Geschäftsführer. Und das schon recht erfolgreich: Hielt die Meistermannschaft zusammen und verlängerte mit Grafite, Dzeko und Misimovic langfristig. Holte dazu mit Ziani, Kahlenberg und Martins international konkurrenzfähige Leute.

So arbeitet Veh: Taktisch hält er am Magath-System fest, sprich: im Mittelfeld wird mit Raute gespielt. Fordert schnelles, direktes Kurzpassspiel und will auf die unter Magath immer wieder eingesetzten langen Bälle verzichten. Der Grund: Gegen defensiv eingestellte Teams will Veh spielerische Lösungen parat haben.

Darauf muss Veh aufpassen: Die Dreifachbelastung. Kaum ein Spieler hat CL-Erfahrung, der Trainer selbst schon. Doch beim VfB schaffte Veh den Spagat nicht und ging in der Königsklasse unter. Und: Veh muss auf die Balance innerhalb des Kaders achten. Martins, Kahlenberg oder Madlung werden sich nicht dauerhaft mit einem Platz auf der Bank zufrieden geben.

Jupp Heynckes

Das ist bisher passiert: Heynckes wurde von Völler und Co. fast euphorisch empfangen. Auch die Spieler sind begeistert. Wirkt extrem locker, verbreitete bislang fast nur gute Laune. Fördert junge Spieler. Aber: Beklagte schon die fehlende Siegermentalität. Traf bereits unpopuläre Entscheidungen: Setzte im Pokal 5-Millionen-Mann Derdiyok auf die Bank.

So arbeitet Heynckes: Redet viel mit den Spielern, macht sie immer wieder auf ihre Stärken aufmerksam. Stellt auch ständig die perfekten Bedingungen des Klubs heraus. Will allerdings, dass mehr Spieler Verantwortung übernehmen und auch mal laut werden. Für ihn zählt in erster Linie erfolgreicher Fußball. Rückt deshalb von der offensiven Grundausrichtung und extremen Pressing ab. Dennoch: Zwei Stürmer sind gesetzt.

Darauf muss Heynckes aufpassen: Die fehlende Konstanz. Das große Bayer-Problem: Schön ist nicht immer erfolgreich. Das wurde bereits Skibbe und Labbadia zum Verhängnis. Zudem: Bei seinen letzten Klubs nutzten sich Heynckes' Methoden schnell ab, die Spieler rebellierten gegen seine antiquierten Ansichten.

Bruno Labbadia

Das ist bisher passiert: Labbadia war absoluter Wunschkandidat für die Jol-Nachfolge. Genießt hohes Ansehen bei Vorstand und Aufsichtsrat. Auch an den Transferabschlüssen von Elia, Rozehnal und Co. beteiligt. Die Mannschaft folgt ihm. Aber erstes Problem: Rosts öffentlich Kritik an den jungen Spielern.

So arbeitet Labbadia: Gilt als autoritärer Trainer und akribischer Arbeiter. Legt Wert auf Disziplin und taktische Ordnung. Unterbricht im Training häufig, lässt Laufwege immer wieder einstudieren. Probt mehrere Systeme. Favorit derzeit: 4-4-2 mit Doppelsechs, aber auch Raute und 4-1-3-2 sind möglich.

Darauf muss Labbadia aufpassen: Die Zufriedenheit im Kader. Vertraute in Leverkusen fast immer der gleichen Elf, wechselte erst spät aus und rotierte kaum. Beim HSV ist der Kader nun deutlich größer. Außerdem: Blickpunkt Fitness. Ex-Klub Bayer brach in der Rückrunde völlig ein, der HSV im Saisonendspurt.

Michael Skibbe

Das ist bisher passiert: Skibbe wird von Eintracht-Boss Bruchhagen geschätzt und gestützt. Hat allerdings wenig Geld zur Verfügung. Bekam immerhin Wunschspieler Schwegler. Setzt auf Publikumsliebling Caio, machte Nikolov zur Nummer eins und Spycher zum Kapitän. Das Problem: Vorgänger Amanatidis stänkerte öffentlich.

So arbeitet Skibbe: Trainiert nicht so lange, dafür häufiger. Erklärt den Spielern viel, gibt Laufwege vor. Wie Funkel kein Mann der lauten Worte. Unterschied zu Funkel: Will offensiver agieren, schnell nach vorne spielen. Fordert Pressing. Bringt nur einen Sechser.

Darauf muss Skibbe aufpassen: Die schwierigen Charaktere. Amanatidis scheint gekränkt, die Querköpfe Franz und Pröll derzeit nur Reservisten. Und die Fans? Sind bislang auf Skibbes Seite, gelten aber als anspruchsvoll. Siehe letztes Jahr die anhaltenden "Funkel-raus"-Rufe.

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