HSV: Eljero Elia im Porträt

"Meine Familie hätte mich gekillt"

Von Stefan Moser
Montag, 13.07.2009 | 09:19 Uhr
Eljero Elia wechselte für eine Ablöse von 8,5 Millionen Euro zum Hamburger SV
© Getty
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Er spielt wie Ryan Giggs, lernte bei Fred Rutten, war Hollands bester Nachwuchsspieler - und wechselte für viel Geld zum Hamburger SV. Dabei war Eljero Elia schon fast gescheitert. Entsprechend geduldig will HSV-Coach Bruno Labbadia mit dem Neuzugang umgehen.

In drei einfachen Worten beschreibt Eljero Elia seine eigene Auffassung von Fußball: "Action, Action, Action!" Der Neuzugang des Hamburger SV fühlt sich sichtbar am wohlsten, wenn er selbst den Ball hat. Und wenn der Eindruck nicht täuscht, fühlt sich auch der Ball durchaus wohl, wenn er im höchsten Tempo von Elias Füßen zärtlich gepufft wird.

"Am liebsten laufe ich die linke Seite rauf und runter und mache verrückte Sachen", strahlte der 22-Jährige auch gleich bei seiner Ankunft in Hamburg. Verrückt ist dabei vor allem die Geschwindigkeit, mit der er den Ball eng am Fuß führt.

Labbadia fordert Geduld

Elia feiert keine penetranten Übersteiger-Orgien, sein Standardtrick besteht einfach darin, dass er schneller und wendiger ist als die meisten seiner Gegenspieler. Spielfreude, Bewegungstalent und Intuition erlauben ihm zudem immer wieder überraschende und kreative Lösungen im Eins-gegen-Eins: Abgesehen vom Teint erinnert er fast ein wenig an den jungen Ryan Giggs.

"Vergleiche mit großen Spielern würden ihn in der jetzigen Situation nur unnötig unter Druck setzen", wehrt sich allerdings Bruno Labbadia bei SPOXgegen eine überzogene Erwartungshaltung. Vor allem die Ablöse von immerhin 8,5 Millionen Euro soll dem Youngster nicht zur Bürde werden.

"Ich habe Elia lange beobachtet und er ist ein großes Talent, aber er muss sich noch weiterentwickeln und in der Bundesliga den Durchbruch erst noch schaffen", fordert der HSV-Trainer weiter Geduld.

Die Kehrseite von Elias Talent

Zwar wurde der Rechtsfuß in der abgelaufenen Saison in Holland mit dem Johan-Cruyff-Preis als bester Nachwuchsspieler ausgezeichnet und steht damit in der Traditionslinie von Spielern wie Arjen Robben, Wesley Sneijder oder Klaas Jan Huntelaar - doch in der Tat wirkt Elia in seiner Entwicklung noch nicht fertig.

Denn die Kehrseite seiner überragenden Fähigkeiten am Ball sind bisweilen leicht konfuse Laufwege im Spiel ohne Ball. Das merkte auch Fred Rutten, der den ungestümen Dribbler in seiner Zeit bei Twente Enschede (2007-2009) unter seine Fittiche nahm.

Elia: "Rutten hat mich sehr geprägt"

"Rutten hat mich sehr geprägt", erinnert sich Elia an seine wohl wichtigste Lehrzeit: "Er war sehr kritisch und sagte, ich wäre gut am Ball, aber schlecht im Passspiel - und noch schlechter, wenn ich gar nicht am Ball war."

Bis dahin spielte der damals 19-Jährige allerdings zumeist im zentralen oder halbrechten Mittelfeld. Rutten stellte ihn auf die linke Außenbahn, zügelte sein Temperament und ließ ihn taktische Varianten pauken.

Mit Erfolg. Am Ende der Saison 2007/08 hatte Elia 30 Spiele in der Eredivisie absolviert, etliche Tore vorbereitet - allerdings nur zwei selbst erzielt. Danach machte sich Rutten - inzwischen in den Niederlanden zum Trainer des Jahres gewählt - auf den Weg, um auf Schalke seinen Ruf zu ruinieren, und Steve McClaren übernahm Twente. Und damit auch die Aufgabe, Elias Effektivität zu steigern.

Elias Karriere vor dem Scheitern

Und auch hier erwies sich der verspielte Techniker als gelehriger Schüler. Seine Aktionen wurden schnörkelloser, er suchte häufiger den direkten Weg zum Tor. 19 Mal traf Elia in 47 Pflichtspielen - für einen Außenstürmer eine beachtliche Quote. Und prompt saßen die Scouts aus ganz Europa in Enschede auf der Tribüne, unter anderem die von Chelsea, Arsenal und dem HSV.

Dabei wäre Elia als Teenager schon fast an seiner unbedingten Liebe zum Ball gescheitert. Mit knapp 13 ging er an die berühmte Jugendakademie von Ajax Amsterdam. Dort lobte man zwar seine Ballbehandlung, schickte ihn aber aufgrund taktischer Mängel nach nur zwei Jahren wieder nachhause: "Es hieß, ich sei zu schlecht. Keine Perspektive."

Warum Elia nicht nach Amsterdam ging

Doch seine Familie, allen voran der Vater, glaubte weiter an die Chance auf eine Profikarriere - und keine drei Jahre später debütierte Elia tatsächlich in der ersten Mannschaft von ADO Den Haag, wo er schon einmal als Kind in der Jugendakademie trainierte. Nach Den Haags Abstieg in die Eerste Divisie folgte dann schließlich der Wechsel zu Twente, wo er sich schnell zu einem der begehrtesten Talente der Niederlande entwickelte.

Für den HSV entpuppte sich jene Fehleinschätzung aus Amsterdam nun sogar als Glücksfall.

Denn ausgerechnet Ajax war im Sommer Hamburgs schärfster Konkurrent im Werben um Elia: Martin Jol hatte Elia schon während seiner HSV-Zeit auf dem Zettel und wollte ihn nun auch zu seinem neuen Arbeitgeber locken.

Doch der Spieler entschied sich für Hamburg. Neben sportlichen, strukturellen und wirtschaftlichen Argumenten war auch die Kränkung von damals noch ein Grund. So erzählt es jedenfalls Elia: "Ich habe meine Familie gefragt, und meine Eltern und Geschwister sagten mir: 'Wenn Du zu Ajax gehst, killen wir dich!'"

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