Holger Badstuber im Porträt

Der John Terry des FC Bayern

Von Andreas Lehner
Montag, 13.07.2009 | 20:18 Uhr
Holger Badstuber wurde im Sommer mit einem Profi-Vertrag beim FC Bayern ausgestattet
© Imago
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Holger Badstuber ist bisher der große Gewinner unter Louis van Gaal. Der 20-Jährige schaffte den Sprung von den Amateuren zu den Profis und liegt zurzeit in der Gunst des Trainers vor Lucio und Martin Demichelis. Für Bayern-Verantwortliche keine Überraschung. Jetzt muss er nur noch ein Mann werden.

Es kommt nicht oft vor, dass Hermann Gerland bei einem Spieler ins Schwärmen gerät. Noch dazu, wenn es sich um einen seiner eigenen handelt.

"Wenn ich einen Spieler als 'gut' bezeichne, ist dies die größte Anerkennung, die er von mir erwarten kann", lautet Gerlands Credo.

Bei Holger Badstuber war das anders. Früh bezeichnete ihn Gerland, der damals noch die zweite Bayern-Mannschaft betreute und unter Louis van Gaal nun Co-Trainer der Profis ist, als seinen Musterschüler und attestierte ihm zwischendurch schon mal überragende Leistungen.

Schon immer Bayern-Fan

Kein Wunder, hatte Gerland doch schon beim Wechsel 2002 des damals 13-Jährigen aus der Jugendabteilung des VfB Stuttgart nach München seine Finger im Spiel. Gerland war gut mit Holgers Vater Hermann Badstuber befreundet und fortan sein Förderer.

Zwei Jahre zuvor war Badstuber vom TSV Rot in die D-Jugend des VfB gewechselt, wo sein Vater die B-Jugend trainierte. Das Ziel der Badstubers war aber schon immer München. "Ich war schon immer ein Fan der Bayern und auch mein Vater wollte, dass ich dort spiele", erzählte Holger bei seinem ersten Pressetermin als Bayern-Spieler am Montag.

"Wie man sich einen jungen Mann wünscht"

Leicht nervös, aber sicher in seiner Ausdrucksweise, gibt er Auskunft über seine Herkunft und seine Ziele. Man merkt, dass es sich hier um einen wohlerzogenen jungen Mann handelt, der auch bei Fragen nach seinem im März an Krebs verstorbenen Vater gefestigt wirkt.

"Er kommt aus einem sehr korrekten Elternhaus, wo ihm die richtigen Werte vermittelt wurden. Er ist so, wie man sich einen jungen Mann wünscht", sagt Werner Kern, Abteilungsleiter des FC Bayern Junior Teams und Wegbegleiter Badstubers, im Gespräch mit SPOX.

Bewusst als Mittelfeldspieler ausgebildet

Das erste Jahr seiner Bayern-Zeit pendelte er täglich von Rot an der Rot ins 130 km entfernte München, dann wechselt er ins Jugendhaus an der Säbener Straße.

Er durchlief ab der C-Jugend alle Jugendmannschaften und wurde als A-Jugendlicher 2007 zu den Amateuren hochgezogen. Allerdings spielte er in allen Teams im Mittelfeld und das, obwohl den Verantwortlichen früh klar war, dass der 1,90 Meter große Schlaks für die Innenverteidigerposition prädestiniert ist.

"Wir haben ihn bewusst auf der Position des defensiven Mittelfeldspielers ausgebildet, damit er seine Spieleröffnung verbessert", erklärt Kern.

Dort erlernt man genau die Fähigkeiten, die man als Innenverteidiger mitbringen muss, hat aber viel mehr Druck. "Auf der Sechs muss man ein gutes Kopfballspiel haben, ein Stratege sein, die Abstimmung mit den Mitspielern finden und sich in die Offensive einschalten", sagt Kern.

Spritzig und sprunggewaltig

Genauso machten es die Münchner bei Mats Hummels, der für 4,2 Millionen Euro an Borussia Dortmund verkauft wurde. Zwar sieht Kern in Hummels den etwas besseren Fußballer, Badstuber habe aber nur minimalen Rückstand und sei außerdem spritziger und abgezockter in den Zweikämpfen.

In der zweiten Mannschaft war er bei allen Sprinttests der Schnellste und beeindruckte durch seine Kraftwerte. Besonders seine Sprungkraft - Badstuber springt 55 cm hoch aus dem Stand - macht den Hünen im Kopfballspiel fast unüberwindbar.

Im Oberkörperbereich muss er dafür noch an Muskelmasse zulegen, um seinem Vorbild John Terry noch näher zu kommen.

Vorbilder: Terry und Pique

Während er zu seiner Zeit als Mittelfeldspieler Andres Iniesta favorisierte, orientiert er sich nun am englischen Nationalmannschaftskapitän und Gerard Pique vom FC Barcelona.

An Terry gefallen ihm die knallharte und robuste Spielweise sowie dessen Kopfballspiel. "Pique ist groß und schlank, wie ich auch und dazu beidfüssig. Ich habe ihn gesehen, als Bayern in Barcelona gespielt hat und schon da hat er mir sehr gut gefallen", sagte Badstuber und hatte die Lacher auf seiner Seite.

"Van Gaal kann mich verbessern"

Schon bald könnte es mit dem Beobachten schwierig werden, sollte Badstuber weiter die Rolle des linken Innenverteidigers ausfüllen dürfen. Da Trainer Louis van Gaal dort einen Linksfuß bevorzugt, scheint er im Moment gesetzt.

"Ich muss mich Tag für Tag beweisen und wenn ich schlecht spiele, könnte es schnell sein, dass Braafheid oder ein Rechtsfuß dort spielt", so Badstuber.

Von van Gaal erntete er in der Vorbereitung bisher viel Lob, was ihn "pusht und stolz macht". Nach dem Salzburg-Spiel hatte der Coach taktische Hinweise fürs Stellungsspiel parat. "Mit van Gaal habe ich einen guten Trainer erwischt, der mich verbessern will und kann", so Badstuber.

Potential zur internationalen Klasse

Dass er nach zwei Wochen bei den Profis schon mit Lucio und Demichelis um die Plätze kämpft und im Moment sogar die Nase vorn hat, überrascht viele, seinen langjährigen Begleiter Kern allerdings nicht. "Seine Entwicklungskurve zeigte immer nach oben. Wir waren schon immer davon überzeugt, dass es er es packen kann und das Potential besitzt, ein internationaler Klassespieler zu werden."

Nun müsse er nur noch "ein Mann werden", wie Kern es formuliert, sich von Fehlern nicht aus der Bahn werfen lassen und mehr Selbstvertrauen entwickeln.

Genau das wird er im mit Stars besetzen Team auch brauchen, um sich dauerhaft zu etablieren. "In der Umkleidekabine war es zunächst schon aufregend neben den ganzen großen Spielern zu sitzen, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt", so Badstuber.

Noch ist er in der Kabine zurückhaltend und bescheiden, wie es sich für einen Nachwuchsspieler gehört. "Irgendwann werde ich aber auch lauter werden - hoffe ich." Seine Förderer wären auch davon nicht überrascht.

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