Freitag, 10.07.2009

Edson Braafheid im Porträt

"Cannavaro ist auch nicht groß"

Für Edson Braafheid war der Wechsel nach München ein Quantensprung. Doch schon jetzt hat der die Philosophie der Bayern verinnerlicht und passt perfekt in van Gaals Gesamtkonzept.

Edson Braafheid kostete den FC Bayern nur zwei Millionen Euro
© Getty
Edson Braafheid kostete den FC Bayern nur zwei Millionen Euro

Edson Braafheids Karriere ist keine dieser modernen Fußballerlaufbahnen, die auf dem Reißbrett geplant sind und stetig nach oben gehen. Zwar gehörte er zum Kader der niederländischen U 21, die 2006 den EM-Titel gewann, zu einem Top-Klub in seiner Heimat schaffte er es aber nicht und so ließ auch sein internationaler Durchbruch auf sich warten.

Im Jahr 2009 ging aber auf einmal alles ganz schnell. Der in Surinam geborene Niederländer kam im Februar zu seinem ersten A-Länderspiel, als ihn Bert van Marwijk gegen Tunesien als Linksverteidiger aufstellte.

Was danach kam, ist für Braafheid im Moment noch kaum zu begreifen. Der FC Bayern zeigte nach der Verpflichtung von Trainer Louis van Gaal Interesse an Braafheid. "Ich konnte es kaum glauben, dass so ein großer Klub wie Bayern an mir interessiert ist. Das Angebot kam aus dem Nichts", meinte der 26-Jährige, als er sich am vergangenen Montag in München erstmals der Presse stellte.

Beeindruckt von neuen Dimensionen

Für Braafheid ist der Wechsel nach München ein Quantensprung. Nach sechs Jahren in der niederländischen Provinz beim FC Utrecht, wo er auch die Jugendakademie durchlief, und drei Jahren beim FC Twente betritt er nun die große Bühne des europäischen Klub-Fußballs.

Und diese hat bisher einen gewaltigen Eindruck hinterlassen. Die vielen Zuschauer beim ersten Training, das moderne Leistungszentrum und sogar der Zustand der Rasenplätze - das alles ist Neuland für den Spätberufenen.

Ebenso der erste Kontakt zu seinen neuen Mitspielern. "Als ich die Kabine betrat, saßen da all die großen Spieler. Und jetzt habe ich den Platz neben Franck Ribery. Das war wie im Traum", schwärmte der zweimalige Nationalspieler.

Philosophie schon verinnerlicht

Zu großen Respekt oder gar Angst hat Braafheid vor dem großen Konkurrenzkampf in München allerdings nicht. Sein persönliches Ziel ist es, einen festen Platz in der Startelf zu ergattern. Und auch die Ziele des Vereins hat er nach knapp einer Woche schon verinnerlicht. "Mein Ziel mit Bayern ist die Meisterschaft. Die müssen wir auch holen", meinte er selbstbewusst und schob eine kleine Anekdote hinterher.

Als er zum ersten Mal den Kraftraum betrat hat, stand gerade Bastian Schweinsteiger an einem Gerät und stemmte Gewichte und sagte mit einem Augenzwinkern: "Edson, schau her, das ist wichtig. Am Ende der Saison müssen wir das nämlich mit den Trophäen machen."

Bayerns Philosophie des Gewinnenmüssens hat er wie sein Trainer Louis van Gaal, der auf der ersten Pressekonferenz mit "Mir san Mir" beeindruckte, schon nach wenigen Tagen verinnerlicht.

Beeindruckendes Tattoo auf dem Unterarm

Ein derart offensives Selbstvertrauen ist Braafheid eigentlich fremd. Unisono wird er als ruhiger Typ bezeichnet, der die Öffentlichkeit weitgehend meidet und auch nur selten Interviews gibt. Bei seinem ersten offiziellen Auftritt, den er in Englisch absolvierte, war von Schüchternheit aber keine Spur.

Souverän meisterte er alle Fragen und ließ sogar einen kleinen Einblick in sein Privatleben zu, als er nach dem pompösen Tattoo auf seinem linken Unterarm gefragt wurde. Dieses ließ er sich vor zwei Jahren stechen, nachdem ein guter Freund verstorben war.

"Das ist eine Art Gedicht", erklärte Braafheid, der sich selbst als sehr religiös bezeichnete. "Es bedeutet, dass nur der Körper stirbt, aber die Seele für immer weiterlebt, solange sich jemand an einen erinnert."

Van Gaal als Vorteil

Schnell wird klar, dass es sich bei Braafheid um einen Spieler handelt, für den es mehr gibt als nur Fußball. Damit passt er nur zu gut in den ganzheitlichen Ansatz seines Trainers Louis van Gaal.

Verpflichtet wurde er aber wegen seiner fußballerischen Qualitäten, die er selbst im direkten Duell mit dem Gegenspieler und Vorstößen auf der linken Außenbahn sieht. Deshalb spielt er am liebsten als Linksverteidiger.

Dass mit van Gaal ein Trainer an der Säbener Straße ist, der ihn und seine Spielweise aus der Eredivisie kennt, hält er für einen kleinen Vorteil, auch wenn van Gaal andere Pläne mit ihm haben könnte.

Geringe Größe ist kein Problem

Der Coach will auf der Position des linken Innenverteidigers einen Linksfuß haben, so dass er sich mit Bayern-Eigengewächs Holger Badstuber um diesen Platz streitet. In den Trainingsspielen durfte er aber zumeist auf Außen verteidigen, Badstuber im Zentrum.

Braafheid selbst hätte mit der Innenverteidigerposition trotz seiner mit 1,76 Metern geringen Körpergröße aber auch kein Problem, kennt dies aus Twente.

"Ich habe schon öfter gegen große Stürmer gespielt. Um Nachteile im Kopfballspiel auszugleichen, muss ich an meiner Sprungkraft arbeiten. Dafür bin ich schneller und wendiger."

Van Bommels gewagter Vergleich

Auch Mark van Bommel, der seinen Landsmann in den wichtigen Fragen des Alltags in München unterstützt und ihm bei der Eingewöhnung hilft, macht sich darüber keine Sorgen. "Cannavaro ist auch nicht groß", meinte er lapidar.

Ein gewichtiger Vergleich. Aber wer weiß, vielleicht kann Braafheid in München als Innenverteidiger durchstarten. Van Gaal ist dafür bekannt, Spieler auf für sie ungewohnter Position mit Erfolg einzusetzen. Und für Braafheid wäre das späte Glück ohnehin kein neues Gefühl.

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Andreas Lehner

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