Fussball

"Als Mainzer geht man nicht nach Frankfurt"

Von Interview: Torsten Adams
Roman Neustädter (l.) bestritt 16 Zweitligaspiele für Mainz und unterschrieb bis 2012 bei Gladbach
© Borussia Mönchengladbach

Als Sechsjähriger kam Roman Neustädter mit seinen Eltern aus Kirgisistan nach Deutschland. 15 Jahre lang hat das Talent für den FSV Mainz 05 gespielt, wo sein Vater Peter früher auch Profi war und heute die Regionalliga-Mannschaft trainiert.

Die neue Saison bedeutet für Neustädter junior auch einen neuen Lebensabschnitt. Der 21-Jährige hat bei Borussia Mönchengladbach einen Dreijahres-Vertrag bis 2012 unterschrieben und wird die neue Trikot-Nummer 13 der Fohlen.

Im Interview mit SPOX spricht der U-20-Nationalspieler über Ärger in Mainz und die Gründe für seinen Wechsel sowie seine Rolle als Marin-Ersatz und seine Ähnlichkeit zu Michael Ballack.

SPOX: Herr Neustädter, vor kurzem hat jemand über Sie gesagt: "Er ist ein Typ wie der junge Michael Ballack, als der damals aus Chemnitz kam". Wissen Sie, wer das war?

Roman Neustädter (lacht): Ohje. Ja, daran kann ich mich erinnern: Das war Jörn Andersen. Er hat das mal in einem Interview gesagt.

SPOX: Hat ihr ehemaliger Trainer Recht?

Neustädter: Das müssen andere beurteilen. Zwar haben mich die Jungs in Mainz nach seiner Aussage immer Ballack genannt. Aber das war eher ein Scherz unter Mitspielern und nicht, weil ich ihm ähnele.

SPOX: Haben Sie bei ihrem neuen Verein Gladbach auch schon einen Spitznamen?

Neustädter: Nein, noch nicht. Ich habe ja auch erst ein paar Mal mit der Mannschaft trainiert.

SPOX: Wie waren Ihre ersten Eindrücke vom neuen Team und dem Trainingsgelände?

Neustädter: Das ist alles ganz schön imposant hier in Gladbach. Das Stadion, die Kabinen, die vielen Fans beim Auftakt. Allein von der Größe ist das hier schon eine ganz andere Adresse als Mainz.

SPOX: Haben Sie von den neuen Mitspielern schon jemanden näher kennengelernt?

Neustädter: Moses Lamidi kannte ich schon von der U-Nationalmannschaft. Ansonsten verstehe ich mich bis jetzt mit allen ganz gut. Ich wurde hier sehr nett empfangen und von den Jungs gut aufgenommen.

SPOX: Hatten Sie schon Zeit, sich in der neuen Stadt umzuschauen und eine Wohnung zu finden?

Neustädter: Von Gladbach habe ich noch nicht so viel gesehen. Aber wichtiger ist, dass ich schon eine Wohnung gefunden und eingerichtet habe. Es fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten.

SPOX: Sie kamen als Sechsjähriger mit Ihren Eltern nach Mainz, haben 15 Jahre lang für den FSV gekickt. Warum jetzt der Wechsel nach Gladbach?

Neustädter: Ich bin jetzt 21 und denke, dass in meiner Karriere nun der nächste Schritt folgen muss. Gladbach hat eine große Tradition und gehört für mich zu den größten Klubs der Bundesliga. Es ist die beste Adresse für meine Entwicklung und ich werde versuchen, mich hier durchzubeißen.

SPOX: Und das, obwohl Ihre Familie Ihnen dazu geraten hat, in Mainz zu bleiben.

Neustädter: Das stimmt. Vater, Mutter und auch mein Bruder haben gesagt, ich soll noch ein, zwei Jahre bei Mainz spielen, und dann könne ich ja immer noch wechseln. Aber ich will mich jetzt auch mal abnabeln, einen anderen Verein kennenlernen und neue Erfahrungen sammeln.

SPOX: Als Ihr Abschied aus Mainz bekannt wurde, entstand durch verschiedene Berichte in den Medien der Eindruck, Ihnen sei es bei ihrem Wechsel nur ums Geld gegangen.

Neustädter: Das stimmt so nicht. Ich weiß, worüber mein Berater und Christian Heidel (Manager des FSV Mainz 05; Anm. d. Red.) gesprochen haben. Da ging es sicher nicht in erster Linie um das Finanzielle.

SPOX: Es soll von Summen die Rede gewesen sein, die Sie zu einem Spitzenverdiener gemacht hätten.

Neustädter: Da waren absolut keine Summen in überdimensionalen Größen im Gespräch. Die Entscheidung, nach Gladbach zu wechseln, habe ich aus rein sportlichen Gründen getroffen.

SPOX: Wie kam der Kontakt zu Borussia Mönchengladbach zustande?

Neustädter: Anfang März hat mich mein Berater angerufen und mir gesagt, Gladbach hätte sich gemeldet und sie seien sehr interessiert an mir.

SPOX: Wie ging es weiter?

Neustädter: Gladbacher Scouts haben mich in den folgenden Spielen nochmals beobachtet. Danach habe ich mich mit den Verantwortlichen zusammengesetzt und die Sache unter Dach und Fach gebracht.

SPOX: Eintracht Frankfurt und Kaiserslautern sollen auch an Ihnen interessiert gewesen sein.

Neustädter: Ein konkretes Angebot von Frankfurt hatte ich nicht. Und auch wenn ich eines bekommen hätte, wäre meine Entscheidung dennoch auf Gladbach gefallen.

SPOX: Was hätte gegen Frankfurt gesprochen? Immerhin hätten Sie dann nahe an Mainz und Ihrer Familie wohnen bleiben können.

Neustädter: Erstens: Als Mainzer geht man nicht nach Frankfurt. Und zweitens sehe ich Gladbach schon noch eine Stufe höher als die Eintracht.

SPOX: Mit Alex Baumjohann und Marko Marin verlassen zwei junge deutsche Nationalspieler die Fohlen. Können Sie diese Lücke füllen?

Neustädter: Die beiden spielen auf anderen Positionen als ich. Von daher ist der Vergleich nicht ganz einfach. Allerdings sind Marin und Baumjohann aufgrund ihrer Entwicklung ein Vorbild für mich. An ihren Beispielen kann man sehen, dass Gladbach viele talentierte Spieler herausbringt. Junge Spieler bekommen hier eine Chance, ihnen wird Vertrauen geschenkt. Das hat meine Entscheidung für Gladbach auch sehr beeinflusst.

SPOX: Marin spielt momentan bei der U-21-EM. Schauen Sie ein wenig wehmütig nach Schweden, weil Sie auch gerne dabei gewesen wären?

Neustädter: Klar hatte ich ein wenig darauf spekuliert, für die U21 nominiert zu werden, als ich es bei Mainz in die Startelf geschafft hatte. Aber letztlich habe ich zu wenige Spiele gehabt, um mich über einen längeren Zeitraum empfehlen zu können. Es genügen nicht zwei, drei gute Partien. Man muss über eine ganze Saison konstante Leistungen bringen, um eingeladen zu werden.

SPOX: Sie gelten als Allrounder, können in der Abwehrkette und im Mittelfeld fast überall spielen. Auf welcher Position sehen Sie sich selbst?

Neustädter: Ich spiele am liebsten im Mittelfeld. Entweder zentral oder defensiv, als Schnittstelle zwischen Abwehr und Angriff. Ich bin eher einer, der aus der Tiefe kommt.

SPOX: Und was plant Michael Frontzeck mit Ihnen. Haben Sie schon mit ihm gesprochen?

Neustädter: Nein, noch nicht. Wir werden im Trainingslager reden. Aber ich habe mit Max Eberl gute Gespräche geführt. Er hat mir bestätigt, dass er mich auf der Sechs oder auf einer der Halbpositionen sieht.

Von Dnipropetrovsk über Mainz nach Gladbach: Das ist Roman Neustädter

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