Hamburg und Beiersdorfer trennen sich

SID
Dienstag, 23.06.2009 | 23:49 Uhr
Dietmar Beiersdorfer war seit 2002 Sportchef beim Hamburger SV
© Getty
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Der Machtkampf beim Hamburger SV ist entschieden. Der HSV und sein Sportchef Dietmar Beiersdorfer haben sich auf eine sofortige Trennung geeinigt, als Nachfolger sind vor allem drei Kandidaten im Gespräch. Somit geht Klubchef Bernd Hoffmann als Sieger aus den Streitereien der letzten Wochen hervor. Dennoch droht dem HSV eine Spaltung auch an der Basis.

Der Hamburger SV und Sportchef Dietmar Beierdorfer haben sich auf eine sofortige Trennung geeinigt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker bestätigte am späten Dienstagabend nach einer rund zweistündigen Sitzung des zwölfköpfigen Gremiums im Restaurant "Insel" an der Hamburger Alster die Auflösung des ursprünglich bis Dezember 2010 dotierten Vertrages.

Spaltung an der Basis

"Der gesamte Aufsichtsrat bedauert diese Entscheidung sehr. Wir wünschen Dietmar Beiersdorfer alles Gute für die Zukunft und bedanken uns bei ihm für die geleistete Arbeit", sagte Becker. "Wir müssen uns nun auf die neue Saison konzentrieren", betonte er weiter und sprach den drei Vorstandsmitgliedern das volle Vertrauen aus, in der Übergangszeit die nötigen Schritte zu planen.

"Für den HSV ist es eine unruhige Phase, die wir nun mit aller Kraft zügig überstehen müssen", so der Aufsichtsratvorsitzende abschließend. Das gilt umso mehr, als die Mitarbeiter der Scouting- und Nachwuchsabteilung angeblich angekündigt hatten, sie würden Hoffmann die Gefolgschaft verweigern, sollte Beiersdorfer gehen.

Zu weiteren Einzelheiten wie der Nachfolge äußerte sich der Vorsitzende des Kontrollgremiums allerdings nicht. Gerüchteweise gelten der Ex-HSV-Profi Nico-Jan Hoogma (Manager bei Almelo in Holland) und Stefan Kuntz (Vorstandsvorsitzender in Kaiserlautern als mögliche Nachfolger. Schon seit längerem wird spekuliert ob nicht Sergej Barbarez aus dem Aufrsichtsrat ins operative Geschäft wechselt.

Streit zwischen Beiersdorfer und Hoffmann

Am Dienstagabend traf sich der Aufsichtsrat des sechsmaligen deutschen Meisters mit Becker an der Spitze, um über die aktuelle Situation zu beraten. Zwischen Beiersdorfer und HSV-Boss Bernd Hoffmann war es zuletzt zu Streitigkeiten gekommen.

Dabei geht es um unterschiedliche Auffassungen über die Kompetenzbereiche, mögliche Transfers und die Aufarbeitung der vergangenen Saison.

So soll Hoffmann mit dem neuen Trainer Bruno Labbadia eigenständig über die künftige Zusammensetzung des Kaders debattiert haben - ohne Beiersdorfer.

Ein Affront, den der Sportchef offenbar so nicht stehen lassen wollte.

Die Streitpunkte im Überblick:

Kompetenzen in der Kaderplanung: Hoffmann kritisierte die Transferpolitik von Beiersdorfer und forderte selbst Kompetenzen in der Kaderplanung. Laut der "Hamburger Morgenpost" traf sich Hoffmann sogar mit dem neuen Trainer Bruno Labbadia, um Personalentscheidungen für die neue Saison zu besprechen - hinter dem Rücken von Beiersdorfer, der eigentlich für den Kader verantwortlich ist. Der allerdings war mit Co-Trainer Eddy Sözer in Albanien, um dort Lorik Cana zu beobachten.

Umgang mit der sportlichen Abteilung: Laut eines Berichts im "Spiegel" missfiel Beiersdorfer vor allem der Ton, in dem sich Hoffmann gegenüber den Mitarbeitern der sportlichen Abteilungen äußert. Laut Satzung war Beiersdorfer auch für den Nachwuchsbereich und die Scouting-Abteilung alleinverantwortlich. In einer internen E-Mail vom 11. Juni soll Hoffmann die Arbeit eben dieses HSV-Unterbaus als "enttäuschend" bezeichnet haben. Die Scouting-Abteilung nannte er, laut "Bild", eine "Geldvernichtungsmaschine".

Kompetenzen im "Unterbau": Hoffmann soll zudem gefordert haben, dass die Abteilungsleiter der Nachwuchs- und Scouting-Abteilung seinem persönlichen Assistenten Stephan Hildebrandt berichten. Beiersdorfer blieb einem entsprechenden Termin aus Protest fern. Wie der "Spiegel" und die "Mopo" berichten, stehen die sportlichen Abteilungen hinter dem Sportchef. Es hieß: Sollte Beiersdorfer gehen, wollen etliche Mitarbeiter Hoffmann die Gefolgschaft verweigern. Damit droht dem HSV nun eine grundsätzliche Zerreißprobe auch an der Basis, die weit über ein Kompetenzgerangel im Vorstand hinausgeht.

Bewertung der abgelaufenen Saison: Hoffmann wird nicht müde, die mangelnde Leidenschaft der Mannschaft in der Schlussphase der abgelaufenen Saison zu betonen. Laut "Bild" soll er sich zudem nach dem Pokal-Aus gegen Werder im VIP-Bereich abfällig über Mannschaft und Trainer geäußert haben.

Entlassung von Thomas Doll: Hoffmann wollte Doll schon im Herbst 2006 entlassen. Beiersdorfer hielt am Trainer fest. Im Februar 2007 musste Doll dann doch gehen.

Trainersuche: Schon im Sommer des letzten Jahres konnten sich Hoffmann und Beiersdorfer nicht auf einen Nachfolger von Huub Stevens einigen. Hoffmann wollte Jürgen Klopp, Beiersdorfer Fred Rutten. Der Kompromiss hieß Martin Jol.

Der HSV: Kader, Termine, Ergebnisse

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