Helden im Hintergrund

Von Daniel Börlein
Samstag, 13.06.2009 | 14:24 Uhr
Michael Henke war insgesamt über 13 Jahre lang Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld
© Getty
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Sie stehen nie im Mittelpunkt, viele Fans kennen nicht mal ihre Namen. Und dennoch sind Co-Trainer längst unverzichtbar, weil sie ihren Chefs den Rücken frei halten und Spieler sich bei ihnen ausweinen dürfen.

Peter Hermann ist in den letzten 20 Jahren fast ein Dutzend Mal fremdgegangen. Sagt zumindest der Duden. Das Wörterbuch der deutsche Sprache nämlich definiert fremdgehen mit: eine außereheliche Beziehung haben.

Und davon hatte Hermann in den vergangenen zwei Jahrzehnten nun wirklich etliche. Zuallererst war da Jürgen Gelsdorf, anschließend kamen unter anderem Reinhard Saftig, Dragoslav Stepanovic und Erich Ribbeck, später dann Klaus Toppmöller, Rudi Völler, Klaus Augenthaler und Michael Skibbe. Selbst Berti Vogts war dabei.

Unter allen arbeitete Hermann als Co-Trainer. Mit allen verstand er sich bestens, verbrachte die meiste Zeit des Tages mit ihnen, tauschte Geheimnisse aus und ging mit allen auch durch schwere Zeiten. Wie in einer Beziehung eben.

Seit 20 Jahren Co-Trainer

Ab sofort geht der 57-Jährige also mit Jupp Heynckes fremd. Der neue Bayer-Coach wollte Hermann unbedingt als Assistenten haben. Leverkusen ist gerne bereit, ihm diesen Wunsch zu erfüllen, wenn der 1. FC Nürnberg ihn freigibt. Denn bei Bayer weiß man: Hermann ist der perfekte Co-Trainer. Und das seit 20 Jahren, 19 davon in Leverkusen. Und Heynckes wird davon profitieren.

Nur zweimal sprang der ehemalige Profi interimsmäßig als Chefcoach bei Bayer ein, ansonsten stand der vierfache Familienvater in der zweiten Reihe. Hermann bleibt lieber im Hintergrund. Ähnlich wie Roland Koch (Co-Trainer von Christoph Daum), Seppo Eichkorn (Felix Magath) oder Michael Henke (Ottmar Hitzfeld). Für ihre Chefs sind sie allerdings unverzichtbar.

"Ohne Co-Trainer wärst du heutzutage als Chefcoach aufgeschmissen. Ihre Arbeit wird häufig unterschätzt, ist aber durch nichts zu ersetzen", sagt Klaus Toppmöller im Gespräch mit SPOX. "Es ist aber gar nicht so einfach, den richtigen zu finden."

Oenning: "Er saugt alles in sich auf"

Was macht die Kochs, Eichkorns, Hermanns und Henkes so besonders? "Zunächst einmal", sagt der langjährige Hitzfeld-Assistent und neue Co-Trainer beim 1. FC Köln, Michael Henke, zu SPOX, "musst du top-kompetent sein". Ein Co-Trainer hat stets über die neuesten Entwicklungen in der Trainingslehre auf dem Laufenden zu sein und muss Spieler kennen, von denen sein Chef überhaupt nichts weiß.

"Du musst dich stets auf den neuesten Stand bringen", sagt Hermann dazu lapidar. Sein ehemaliger Chef-Trainer beim 1. FC Nürnberg, Michael Oenning, lässt etwas tiefer blicken: "Der sagt dir Ergebnisse aus der dritten finnischen Liga - von Vereinen, die ich nicht mal gehört habe. Ich bin fußballinteressiert, er saugt alles in sich auf."

Loyalität ist Pflicht

Ansprüche hat Hermann trotzdem nie gestellt, wie auch Henke und Co. nicht. "Du darfst nicht im Stillen darauf hoffen, vielleicht selbst irgendwann Cheftrainer zu werden", sagt Henke, der deshalb auch öffentlich immer im Hintergrund blieb und Hitzfeld den Rücken frei hielt.

Sprich: Dinge wie die Organisation von Trainingseinheiten, Spielbeobachtungen und Videoanalysen sind meist Aufgabe der Co-Trainer, während sich der Chef mit Medien und den Klubverantwortlichen auseinandersetzt. Oder mit den eigenen Spielern.

"Spieler weinen sich schon mal aus"

Und dabei wird's dann häufig auch für den Co-Trainer knifflig, denn "man hat schon eine geringere Distanz zu den Spielern als der Chef", sagt Henke, und Toppmöller erklärt: "Als Chef muss man schon ein Stück schroffer zu den Spielern sein. Da kommt es dann schon vor, dass sich ein Spieler mal beim Co-Trainer ausweint."

Den Kumpeltyp dürfe man gegenüber den Spielern allerdings nicht geben, mahnt Henke, "damit der Mannschaft klar ist, dass man immer auf der Seite des Cheftrainers steht".

Noch Kontakt zu Berbatow und Co.

Einen guten Draht zum Co haben die Profis allerdings dennoch fast immer. Noch heute meldet sich Manchesters Dimitar Berbatow regelmäßig bei Hermann, auch Juan oder Andrej Woronin aus Rom und Berlin klingeln regelmäßig bei ihm durch.

Und auch Toppmöller würde für Hermann jederzeit zum Hörer greifen. "Ich würde ihn sofort zu jedem Klub mitnehmen. So wie ihn stellt man sich einen Co-Trainer vor."

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