Fussball

1,3 Millionen: HSV und Bayer endlich einig?

Von SPOX
Bruno Labbadia und seine Frau Sylvia werden nach Hamburg ziehen
© Getty

Endlich scheint der Deal perfekt: Bruno Labbadia wechselt von Bayer Leverkusen zum Hamburger SV. Die Hamburger überweisen, laut "Bild"-Informationen, 1,3 Millionen Euro für den neuen Trainer. Am Sonntag soll Labbadia offiziell als HSV-Coach vorgestellt werden - ausgestattet mit einem Drei-Jahres-Vertrag.

UPDATE Dabei drohte der Trainer-Wechsel beinah noch zu platzen. Zunächst meldeten verschiedene Medien am Freitag, der Transfer sei in trockenen Tüchern, eine offizielle Präsentation am Freitag galt als "wahrscheinlich".

Dann allerdings meldete sich Bayer Leverkusen zu Wort - und drohte, Labbadia die Freigabe zu verweigern. Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sagte, es sei an der Zeit, ein Exempel zu statuieren: "Ich kann Labbadia zwar nicht zwingen, aber ich kann verhindern, dass er woanders arbeitet. Dieses Job-Hopping muss aufhören."

Holzhäuser ärgerte sich über die Meldungen vom Freitag: "Ich habe den Hamburgern deutlich erklärt, dass Herr Labbadia noch ein Jahr Vertrag bei uns hat und ich bitte, dies zu respektieren." Der Kontrakt des ehemaligen HSV-Profis Labbadia in Leverkusen läuft noch bis 30. Juni 2010.

Doch ein Hamburger Sprecher sagte am Freitag, der HSV sei optimistisch, dass der Trainerwechsel noch im Lauf des Tages über die Bühne gehen werde. Es seien sowohl mit Labbadia als auch mit Bayer Leverkusen nur noch letzte Details zu klären.

"Mit moralischen Grundvorstellungen nicht vereinbar"

Holzhäuser appellierte dagegen an die Vertragstreue der Trainer und forderte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer auf, angesichts der jüngsten Entwicklungen mehr auf die Fußballlehrer einzuwirken und sie an ihre Verantwortung und Vorbildfunktion zu erinnern.

"Das derzeitige Verhalten ist mit ethischen und moralischen Grundvorstellung nicht vereinbar. Wenn ein Trainer freigestellt wird, zahlt der Klub ja auch weiter zum Teil riesige Summen", so der Bayer-Boss.

Zuletzt verließ noch Felix Magath und Martin Jol auch Kölns Christoph Daum trotz eines laufenden Vertrags den Verein, um eine lukrativere Stelle bei Fenerbahce Istanbul anzutreten. Ähnlich wie Magath hatte der jedoch eine Ausstiegsklausel in seinem Kontrakt.

Bruno Labbadia dagegen hat keine. Stattdessen, so jedenfalls die gängige Version in der Öffentlichkeit, provozierte er mit einem in der Tat extrem offenherzigen Interview seinen Abschied aus Leverkusen. Am Tag des Pokalfinals kritisierte er dabei ungewohnt heftig Teile der Vereinsführung sowie die eigenen Spieler.

Labbadias bleibender Eindruck

Nach dem verlorenen Finale gegen Werder Bremen deuteten schließlich alle Zeichen auf eine Trennung hin -und der HSV-Vorstand einigte sich schnell auf Labbadia als Wunschkandidat für die Jol-Nachfolge.

Der 43-Jährige galt bereits vor einem Jahr nach Huub Stevens' Rücktritt als einer der Topfavoriten auf die Trainerstelle, das Rennen machte damals aber Jol.

Doch Labbadia hinterließ offenbar einen derart bleibenden Eindruck bei der Präsentation seines Konzepts, dass sich Hamburg nun wieder an ihn erinnerte. So habe sich der Klub-Vorstand nun einstimmig für ihn ausgesprochen.

Enttäuschende Saison mit Leverkusen

Dabei bekam Labbadias Ruf in den letzten Wochen erhebliche Kratzer. Zuvor noch als Paradebeispiel für die neue, moderne Trainergeneration gerühmt, brach er mit Leverkusen nach einer starken Hinrunde in der Rückserie komplett ein.

Obwohl Bayer am 13. Spieltag noch auf Platz eins gestanden hatte, beendete der Werksklub die Saison auf dem neunten Rang.

Und auch die Chance, durch einen Sieg im DFB-Pokal das Jahr versöhnlich zu beenden und sich für die Europa League zu qualifizieren, vergab Leverkusen mit der 0:1-Finalniederlage gegen Werder Bremen.

Spielerrevolte gegen Labbadia

Ein Grund für Bayers Absturz war offenbar, dass Labbadia die Unterstützung der Mannschaft verlor. Sogar von einer offenen Revolte gegen den ungeliebten Trainer war die Rede. Angeblich gab es ein teaminternes Misstrauensvotum: Nur vier Spieler sprachen sich dabei für den 43-Jährigen aus, 20 stimmten gegen ihn.

Zudem überwarf sich Labbadia mit Sportmanager Michael Reschke, der ebenfalls gegen ihn opponiert hatte.

Bayer kämpfte um Labbadia

Dennoch haben sich Sportdirektor Rudi Völler und der Bayer-Vorstand gegen eine Entlassung von Labbdia ausgesprochen, da sie sich nicht von den Spielern diktieren lassen wollten, welcher Trainer die Mannschaft betreut, berichtet die "Bild".

Innerhalb der Konzernleitung stieß angeblich sogar das durchaus denkwürdige Interview am Tag des Pokal-Finales auf ein positives Echo. Dort kritisierte Labbadia unter anderem die fehlende Sieger-Mentalität der Spieler und ein phasenweise unprofessionelles Verhalten. Die Mannschaft lebe in Leverkusen in einer "Komfortzone", sagte Labbadia.

 Und die Bayer-Bosse scheinen das mittlerweile ähnlich einzuschätzen. Nach Informationen des "Hamburger Abendsblattes" soll Vorstandschef Werner Wenning persönlich Labbadia "regelrecht bekniet" haben weiterzumachen - und ihm sogar umfangreiche Kompetenzen auch als Manager in Aussicht gestellt haben.

 Am Ende aber blieb der offene Streit mit der Mannschaft wohl das ausschlaggebende Argument - und Labbadia wird gehen. Holzhäusers Rundumschlag aber hat offenbar trotzdem seine Wirkung getan zu haben. Ursprünglich standen 500.000 Euro Ablöse im Raum - nun bekommt Bayer mehr als das doppelte. Und damit scheinen sich auch die ethischen Bedenken des Bayer-Geschäftsführers wieder einigermaßen zerstreut zu haben.

Bruno Labbadia im Steckbrief

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