Mit den Gedanken woanders

Von Florian Bogner
Samstag, 09.05.2009 | 22:42 Uhr
Wolfsburg kassierte in Stuttgart die höchste BL-Niederlage seit dem 3. Mai 2006 (0:3 gegen Mainz)
© Getty
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Während Felix Magath gedanklich in Richtung Schalke abdriftet, verspielt Wolfsburg in Stuttgart den Vorsprung auf Verfolger Bayern München. Der VfB feiert derweil einen Mario Gomez in der Form seines Lebens, der trotz eines Viererpacks bescheiden bleibt.

Felix Magaths Wechsel zum FC Schalke 04 war unter der Woche allgegenwärtig. Dass es auch beim Spiel Stuttgart gegen Wolfsburg zum Thema wurde, daran trug der Trainer selbst Schuld.

Unmittelbar vor der Partie hatte Magath nichts Besseres zu tun, als vor laufender Kamera zu verkünden, dass VfB-Sportdirektor Horst Heldt kommende Saison ja wohl "perfekt zu Schalke passen" würde. Ein weiterer Tiefschlag für seinen Noch-Arbeitgeber und in dieser Form absolut unnötig.

Natürlich war diese befremdliche Aussage nicht der Grund, warum Wolfsburg darauf hin das Spiel mehr oder weniger sang- und klanglos mit 1:4 verlor. Dass sich Magath in den letzten Saisonwochen wie angekündigt jedoch vollkommen auf Wolfsburg konzentrieren wird, nimmt man ihm spätestens nach diesem Auftritt nicht mehr ab.

Risse zwischen Team und Magath?

Erste Anzeichen, dass Magath dabei ist, sich von seiner Mannschaft abzunabeln, konnte man schon am letzten Wochenende erkennen, als der Trainer aus heiterem Himmel die Meisterschaft als Saisonziel ausgab und damit die zurückhaltenden Aussagen seiner Spieler konterkarierte.

Auch in Stuttgart wiederholte Magath trotz der Klatsche die These vom Titelkandidaten Nummer eins. "Klar sind wir noch Favorit", sagte er. "Wir haben zwar heute unseren Vorsprung eingebüßt, aber ich glaube, wir sind noch Erster."

Hinter ihm lagen derweil ausgelaugte Wölfe auf dem Rasen, denen in den 90 Minuten zuvor deutlich anzumerken war, dass sich die Leichtigkeit in den letzten Wochen zusammen mit Magath klammheimlich aus dem Staub gemacht hatte.

"Die Körpersprache war schlecht"

Zwar war Wolfsburg den Hausherren nicht so deutlich unterlegen, wie es das Ergebnis am Ende aussagte. Frappierend war jedoch die Erkenntnis, dass kein Spieler in Grün, wie schon vor zwei Wochen in Cottbus, in der Lage war, ans Leistungsmaximum zu ergehen.

Bei den Spielern blieb Ratlosigkeit zurück. "Das war von Anfang an ein ganz schlechtes Spiel von uns", meinte Zvejzdan Misimovic. "Die Körpersprache war schlecht, wir haben uns unserem Schicksal ergeben." Dass das einem Titelaspiranten nicht passieren dürfe, war ihm ebenso aufgefallen.

Magath nannte jedoch vor allem den ohne Frage starken VfB als Hauptgrund, warum Wolfsburg in einem Spiel drei Punkte und fünf Tore Vorsprung auf den FC Bayern verloren hatte. "Der VfB Stuttgart ist schließlich die zweitbeste Rückrunden-Mannschaft. Wenn die so auftrumpft, kann man auch mal verlieren", meinte er mondän, ohne dabei souverän zu wirken.

Magath als Ausrede? "Zählt absolut nicht"

Ebenso unnötig machte er Cristian Zaccardo teilweise dafür verantwortlich, dass die zwischenzeitliche Aufholjagd nach dem 1:2 jäh gestoppt wurde. "Zaccardo hätte den Ball nur eindrücken müssen", kritisierte er den eingewechselten Italiener, der in der 55. Minute deutlich unbeholfen das leere Tor aus kurzer Distanz verfehlt hatte.

Auf die Frage, ob die Spieler durch Magaths Wechsel nach Gelsenkirchen ein Alibi bekommen hätten, antwortete Magath resolut: "Es ist natürlich leicht, das jetzt als Argument zu nehmen. Ich bin überzeugt, dass unser Spiel bei einem anderen Start besser gewesen wäre."

Offen wollte aber sowieso kein Akteur Kritik am Verhalten des Trainers üben. "Das jetzt als Ausrede zu nehmen, würde es uns Spielern zu einfach machen", meinte Christian Gentner, der gegen seine Ex-Kollegen bis auf seine Kopfballverlängerung vor dem 1:2 unsichtbar geblieben war, und fügte hinzu: "Diese Ausrede zählt absolut nicht. Wir spielen nicht etwa für oder gegen den Trainer, sondern für uns."

Entwarnung bei Misimovic

Am Dienstag trifft der VfL auf das drittbeste Rückrundenteam aus Dortmund und muss um den Einsatz von Misimovic und Sascha Riether bangen, die beide vom anfangs übermotivierten VfB-Youngster Georg Niedermeier gefoult wurden und noch in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden mussten.

"Er hat eine Prellung am Mittelfuß, ich rechne mit seinem Einsatz am Dienstag", gab Magath zumindest bei Misimovic Entwarnung. Bei Riether besteht jedoch der Verdacht auf eine Kapsel- und Bänderverletzung im Sprunggelenk und deswegen nur wenig Hoffnung für ein Mitwirken gegen den BVB.

Gomez gibt Lob an Mitspieler weiter

Während die Wölfe nach dem Spiel schon ihre Wunden leckten, war Mario Gomez der Star der Cannstatter Kurve und ließ sich nach seinem ersten Viererpack seiner Karriere gebührend feiern. Anschließend schwante ihm vor der Kamera allerdings Böses.

"Jetzt wird die ganze Woche wieder über mich gesprochen", jammerte er ins Premiere-Mikro und war froh, dass "am Mittwoch bereits das nächste Spiel" anstehe. Das überbordende Lob für seine Leistung verteilte der 23-Jährige selbstlos auf mehrere Schultern.

"Unsere zwei Innenverteidiger haben die beiden fantastischen Spieler von Wolfsburg gestoppt, unsere Außenverteidiger sind marschiert. Und Cacau geht immer ein bisschen unter nehmen mir. Auch seine Leistung muss man würdigen", sprudelte es aus Gomez heraus.

Thomas Hitzlsperger, der das zwischenzeitliche 2:0 mustergültig eingeleitet hatte, habe laut Gomez sogar "wie ein Brasilianer" gespielt. Er hingegen sei einfach nur da gewesen, "wo ich sein musste".

Stuttgart Erster der "Babbel-Tabelle"

Auf die Meisterschaft angesprochen, der die Stuttgarter angesichts von nur zwei Punkten Rückstand auf Wolfsburg und Bayern näher denn je sind, antwortete der 23-Jährige deutlich defensiver.

"Wir müssen unsere Spiele gewinnen, dann sehen wir, was das Maximum ist", so der Nationalstürmer. In der Gomez-Show ging völlig unter, dass sich für Trainer Markus Babbel gegen Wolfsburg der erste Kreis geschlossen hatte, war Vorgänger Armin Veh doch nach der 1:4-Hinspielniederlage entlassen worden.

Vom Titel wollte der Coach jedoch ebenso wenig sprechen wie Gomez. "Bayern ist immer Favorit, sie haben unheimliche Qualität in ihrer Mannschaft", zitierte er Felix Magath. "Was die anderen Mannschaften machen, interessiert mich weniger."

Mehr dürfte den bescheidenen Babbel da doch interessieren, dass sein Team unter ihm in 17 Spielen nur ein Spiel verloren hat - und mit 38 Punkten in der "Babbel-Tabelle" punktgleich mit Wolfsburg auf Platz eins liegt.

In die Stuttgarter Herrlichkeit passte, dass Horst Heldt den Versuchungen von Magath letztendlich widerstand und in der "ARD" verkündete: "Mein Bekenntnis zum Verein ist mein Vertrag, der bis 2012 geht. Mehr muss ich dazu nicht mehr sagen."

Gegner des VfB Stuttgart ist am Mittwoch übrigens: der FC Schalke 04.

Analyse: Gomez der Held - die Abwehr der Sieggarant

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