Stuttgarts Erfolgscoach Markus Babbel

Der Rockstar im feinen Zwirn

Von Daniel Börlein
Mittwoch, 13.05.2009 | 13:07 Uhr
Im Stadion sieht man Stuttgarts Trainer Markus Babbel nicht an, auf welche Musik er privat steht
© Getty
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Ein Sieg beim FC Schalke 04 (19.45 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere), und der VfB Stuttgart darf weiter vom Titel träumen. Der Garant für den Stuttgarter Höhenflug: Trainer Markus Babbel. Der 36-Jährige hat viel von seinen Lehrmeistern übernommen und doch einen ganz eigenen Weg gefunden.

Den ersten Schritt machte Markus Babbel. Über ein paar Ecken hatte sich der damalige Liverpool-Profi die Nummer von Campino besorgt und dann zum Hörer gegriffen.

"Du Campino, hier ist der Babbel-Markus", erzählte der Frontmann der Punk-Band "Die Toten Hosen" später von der Nachricht, die Babbel ihm auf der Mailbox hinterlassen hatte. "Ja mei, mit Bayern, des fandst ja ned so guad. Aber i bin jetzt bei Liverpool. Vielleicht mogst mi amoi bsuacha."

Campino, glühender Liverpool-Fan und erklärter Bayern-Hasser, nahm die Einladung an. "Ich bin rüber geflogen. Beim fünften Bier habe ich dann versucht, ihm zu sagen: 'Jetzt gib doch zu, das mit dem FC Bayern war doch nichts'", erklärte Campino. "Aber rumgekriegt habe ich ihn nicht." Trotzdem wurden Babbel und Campino Freunde.

Nur eine Niederlage in der Bundesliga

Auch jetzt halten die beiden Kontakt, obwohl Babbel längst nicht mehr in kurzen Hosen auf der Insel kickt, sondern im feinen Zwirn für den VfB Stuttgart an der Seitenlinie steht. An seine erfolgreiche Zeit als Spieler knüpft der Trainer Babbel dabei bislang allerdings nahtlos an.

Als der 36-Jährige den VfB im November 2008 von Armin Veh übernahm, standen die Schwaben auf Platz elf. Was folgte war eine beeindruckende Aufholjagd, mit nur einer Niederlage in der Bundesliga. Mittlerweile darf man in Stuttgart sogar von der Meisterschaft träumen (Holt der VfB die Schale? Jetzt nachrechnen).

"Wir haben das Training ein bisschen umgestellt, damit die Spieler merken: Hier wird etwas Neues gemacht. Den Fußball neu erfunden haben wir aber nicht", sagt Babbel nüchtern. Recht viel mehr lässt er sich nicht entlocken.

Khedira: "Wir sind wieder eine Familie"

Grundsätzliches hat er allerdings auch nicht verändert. Er hat seinen Spielern den Glauben an die eigene Stärke ins Gedächtnis zurückgerufen und gibt allen das Gefühl, wichtig zu sein und gebraucht zu werden.

"Wir sind wieder eine Familie, in der jeder jedem hilft", beschrieb Sami Khedira vor kurzem den neuen, alten VfB. Babbel ist in dieser Familie mittendrin. Er lässt sich von seinen Spielern duzen und legt großen Wert auf Kommunikation.

Immer wieder tauscht er sich mit seinen Führungsspielern aus, holt deren Meinung ein. Im Training setzt Babbel auf Disziplin und klare Ansagen. Er lässt Co-Trainer Rainer Widmayer die Arbeit verrichten und beobachtet das Geschehen aus der Distanz. Das, so sagt Babbel, verschaffe ihm einen besseren Überblick.

Auftritt bei der Meisterfeier

Diesbezüglich hat er sich viel von seinen ehemaligen Trainern wie Ottmar Hitzfeld und Gerard Houllier abgeschaut. Auch von Giovanni Trapattoni habe er viel gelernt, sagt Babbel. Seinen eigenen Weg hat er dennoch längst gefunden.

Babbel ist keiner, der sich verbiegt. Er kommt ehrlich und authentisch rüber. Er macht noch immer die Dinge, die ihm gefallen und sagt, was er meint.

Für seinen Auftritt bei der Meisterfeier 2007 auf dem Stuttgarter Schlossplatz, als er sichtbar alkoholisiert "You'll never walk alone" von einer Bühne in die Fanmenge grölte, schämt er sich auch heute nicht. "Das muss auch mal sein", sagt er dazu nur. Es passt zu Babbel.

Babbel: "Metallica ist die beste Band der Welt"

Mit den Kumpels von früher geht er noch immer zu Heavy-Metal-Konzerten. "Wir sind eine Gruppe von vier, fünf Mann. Mein letztes Konzert war auf der aktuellen Tour von Judas Priest. Testament und Megadeth haben auch noch gespielt", sagte Babbel kürzlich im "Tagesspiegel".

Zum feinen Zwirn, den der Trainer Babbel bei Auftritten seiner Mannschaft trägt, passt das nicht wirklich. Zum Typ Babbel dagegen schon. "Dafür, Heavy-Metal-Fan zu sein, muss man sich nicht rechtfertigen. Es ist ein Lebensgefühl und eine Lebenseinstellung", sagt er, Metallica ist für ihn "nach wie vor die beste Band der Welt".

Ab Sommer Lehrgang in Köln

Babbel bewundert das Rockbusiness. "Das ist eine Parallelwelt, in der man vielleicht gerne mal leben möchte und in der man nicht immer diszipliniert sein muss", sagt er. "Wenn ich da allerdings mal mitmachen würde, wäre ich nach 14 Tagen aus dem Rennen."

Und das kann sich der VfB gar nicht leisten. Eigentlich. Denn ab der kommenden Saison müssen die Schwaben zwischendurch auf ihren Chefcoach verzichten. Drei Tage pro Woche weilt Babbel dann zur Trainerausbildung in Köln. Keine optimalen Bedingungen, schon gar nicht, sollte der VfB im nächsten Jahr in der Champions League starten.

Den ersten Schritt hätte Markus Babbel damit allerdings mal wieder gemacht.

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