Gomez und wer noch?

Van Gaals Dream Team nimmt Gestalt an

Von Thomas Gaber
Dienstag, 26.05.2009 | 20:27 Uhr
Der neue Bayern-Coach van Gaal kann auf eine absolute Topmannschaft hoffen
© SPOX
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Die Verpflichtung von Mario Gomez ist der erste Schritt einer groß angelegten Transferoffensive des FC Bayern München. Weitere Stars sollen kommen. Wie könnte der FC Bayern der Saison 2009/10 aussehen?

Am Ende ging alles ganz schnell. Um 14.01 Uhr verschickte der FC Bayern München am Dienstag eine Pressemitteilung. Inhalt: "Mario Gomez hat sich für einen Wechsel zum FC Bayern München entschieden."

Nach der direkten Qualifikation für die Champions League hatten die Bayern-Bosse betont, die Transferpolitik ab sofort mit Nachdruck anzugehen. Ivica Olic, Anatoli Tymoschtschuk und Alexander Baumjohann stehen schon länger als Neuzugänge fest. Seit Dienstag also auch Mario Gomez. 30 Millionen Euro lässt sich der deutsche Rekordmeister den Nationalstürmer kosten - der teuerste Bundesliga-Transfer aller Zeiten.

Die Verpflichtung des 23-Jährigen vom VfB Stuttgart soll aber nur der Anfang einer Transferoffensive sein, die dem Einkaufswahn der Bayern im Sommer 2007 in nichts nachsteht.

Manager Uli Hoeneß zog in den letzten zwei Wochen beinahe täglich von Fernsehstudio zu Fernsehstudio und sprach ungewöhnlich forsch die Wünsche der Vereinsspitze aus. Wesley Sneijder, Manuel Neuer, Dario Srna, Alexander Hleb - alle sollen kommen.

Hoeneß: "Haben keinen Geldscheißer"

In einem Punkt sind sich Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge aber scheinbar nicht einig: Während Vorstandsboss Rummenigge ankündigte "ordentlich Geld in die Hand zu nehmen" und das im Fall Gomez bereits getan hat, verweist Hoeneß gerne darauf, dass man keinen "Geldscheißer" habe, der das alles bezahlen könne.

Ein Verkauf von Franck Ribery würde das nötige Geld einbringen, um dem neuen Baumeister Louis van Gaal eine Mannschaft zusammenzukaufen, die in den nächsten Jahren die Champions League gewinnen soll. Hoeneß hält dies für realistisch, "wenn wir weiterhin vernünftig wirtschaften".

Doch wie könnte der FC Bayern 2009/10 aussehen? Van Gaals Dream Team:

Das Tor: Hoeneß und Rummenigge sehen Handlungsbedarf. Das Vertrauen in Michael Rensing und Jörg Butt ist nicht nachhaltig vorhanden, sonst hätte der Bayern-Manager nicht den FC Schalke informiert, dass man Manuel Neuer verpflichten will. "Er ist der einzige Torhüter, der uns interessiert", sagte Hoeneß. Sebastien Frey vom AC Florenz ist kein Thema.

Wie SPOX erfuhr, sind die Bayern schon länger hinter Neuer her. Der neue Schalke-Trainer Felix Magath denkt indes nicht daran, seine Nummer eins abzugeben. Dabei könnte Schalke einige Millionen brauchen, um Magaths Forderungen nach hochkarätigen Neuverpflichtungen zu erfüllen.

Neuer spielte bislang 88 Mal in der Bundesliga und führte Schalke 2008 mit sensationellen Paraden gegen den FC Porto ins Viertelfinale der Champions League.

Neuer fehlt allerdings wie Rensing (noch) die Konstanz in seinen Leistungen. In der abgelaufenen Bundesligasaison leistete er sich den ein oder anderen schweren Patzer, hatte anders als Rensing aber stets Rückendeckung.

Die Abwehr: 42 Gegentore kassierten die Bayern in der Bundesligasaison 2008/09 - doppelt so viele wie im Vorjahr. So löchrig war die Bayern-Abwehr seit 13 Jahren nicht mehr. Die Gründe sind vielschichtig: Mr. Zuverlässig Martin Demichelis erreichte nicht ansatzweise sein übliches Niveau.

Rechts spielten wahlweise Christian Lell und Massimo Oddo. Lell ist schlichtweg nicht gut genug für den FC Bayern und Oddos Transfer bezeichnete Hoeneß als "großen Fehler".

Die rechte Abwehrseite soll in jedem Fall neu besetzt werden. Heißer Kandidat ist Dario Srna von UEFA-Cup-Sieger Schachtjor Donezk. "Er hat uns allen ausnahmslos gefallen", sagte Rummenigge nach Srnas Gala-Auftritt im Finale gegen Werder Bremen. Der Marktwert des 27-jährigen Kroaten liegt bei ca. 14 Millionen Euro. Mit Andreas Görlitz kommt ein Rechtsverteidiger zu den Bayern zurück.

Philipp Lahm liebäugelte zuletzt mit einem Wechsel zum FC Barcelona und ließ seine Zukunft in der offen. Einen Verkauf des "besten Linksverteidigers der Welt" (Franz Beckenbauer) schlossen die Bayern bis zuletzt aus. Lahms erklärtes Ziel ist der Gewinn der Champions League. Bayerns Transferoffensive und die Verpflichtung von Mario Gomez könnte Lahm fürs Erste besänftigen.

Als Lahm-Backup kommt Aly Cissokho vom FC Porto infrage. Juri Schirkow von ZSKA Moskau wird auch mit dem FC Chelsea in Verbindung gebracht, würde an die 20 Millionen Euro kosten und wäre nur ein Kandidat, wenn es mit Srna nicht klappt.

In der Innenverteidigung werden die Münchner voraussichtlich nichts verändern. Daniel van Buyten ist ein passabler Backup für Demichelis und Lucio. Auf den Brasilianer Breno halten die Bayern große Stücke. Doch der 19-Jährige ist mit seiner Reservistenrolle unzufrieden und will den Verein zumindest vorübergehend verlassen. "Ich denke, ich werde ein Jahr ausgeliehen. Mein Manager sucht nach einem Bundesligaverein", sagte Breno.

Sollte Breno gehen, stünde mit Holger Badstuber ein hoffnungsvolles Talent bereit.

Das Mittelfeld: Bayerns größte Baustelle. Mark van Bommel, Bastian Schweinsteiger und Hamit Altintop sowie die Neuzugänge Tymoschtschuk und Baumjohann haben ihre Plätze im Kader der kommenden Saison sicher.

Ze Roberto ringt mit sich, ob er noch ein Jahr Bayern dranhängen soll. Sollte der Brasilianer bleiben, haben die Bayern für Andreas Ottl durch den Tymoschtschuk-Transfer keine Verwendung mehr. Tim Borowski wird angeblich vom Hamburger SV umworben.

Und dann ist da noch die große Unbekannte Franck Ribery. Hoeneß und Rummenigge betonen gebetsmühlartig, dass ein Verkauf des Franzosen nicht in Erwägung gezogen wird. Doch eins steht fest: Die Konkurrenz aus Europa wird in den nächsten Wochen ernst machen, allen voran Real Madrid. Zinedine Zidane, rechte Hand des künftigen Präsidenten Florentino Perez, zieht Ribery sogar Cristiano Ronaldo vor.

Noch steht ein offizielles Angebot für Ribery aus. Doch Real wird alles versuchen, um den 26-Jährigen zu bekommen. Und wenn Real Gas gibt, werden die Geschäftspartner in der Regel weich. Sogar das große Manchester United knickte ein, als es um David Beckham ging. Bei Cristiano Ronaldo blieb United dann aber standhaft.

Ein Verkauf von Ribery bei einer entsprechenden Ablösesumme von 50 oder 60 Millionen Euro würde Sinn machen. Dass der Franzose zu den derzeit besten Mittelfeldspielern der Welt gehört, steht außer Frage. Wenn man sich von dem Erlös aber zwei, drei Hochkaräter ins Boot holen kann, sollte man einen Verkauf zumindest erwägen.   

Wesley Sneijder, der Hoeneß "gut gefällt", könnte verrechnet werden. Zudem stünden weitere Millionen für Alexander Hleb bereit.

Der Sturm: Durch die Gomez-Verpflichtung sieht es nach dichtem Gedränge im Angriff aus. Zu Gomez, Luca Toni und Miroslav Klose, allesamt Stürmer der ersten Kategorie, gesellen sich Ivica Olic und Thomas Müller.

Hoeneß glaubt, dass "sich der eine oder andere Stürmer vielleicht Gedanken macht", angesichts der wachsenden Konkurrenz den Verein zu verlassen. Dass er dabei eher an Toni denn an Klose denkt, ist eindeutig. Der Italiener verschaffte sich in den letzten Wochen den Ruf als Chancentod.

Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld rät den Bayern im Gespräch mit SPOX allerdings von einem Toni-Verkauf ab. "Drei gute Stürmer reichen nicht. Um international wettbewerbsfähig zu sein und hohe Ziele zu erreichen, braucht man vier Top-Stürmer. Daher sollte keiner mehr verkauft werden", so Hitzfeld.

Dem AC Milan wird ein Interesse an Toni nachgesagt. Hoeneß' Plan ging übrigens schon zweimal auf. Nach der Verpflichtung von Roy Makaay flüchtete Giovane Elber 2004 zu Olympique Lyon. Und Makaay wechselte 2007 zu Feyenoord Rotterdam, weil Toni und Klose kamen.

Der aktuelle Kader des FC Bayern

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