Van Gaal sucht deutschen Co-Trainer

"Ich glaube, dass es Scholl wird"

Von Thomas Gaber
Dienstag, 19.05.2009 | 10:17 Uhr
8 x Meister, 5 x Pokalsieger und 1 x Champions-League-Sieger mit den Bayern: Mehmet Scholl
© Getty
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Louis van Gaal hat das Gros seines Kompetenzteams für München schon zusammen. Der neue Coach des FC Bayern wird - dem Trend des modernes Fußball-Trainers angemessen - einige persönliche Vertraute mit zum deutschen Rekordmeister bringen. Eine Stelle ist aber noch vakant. Van Gaal sucht einen zusätzlichen Assistenztrainer, der sich mit den Gegebenheiten in der Bundesliga und am besten beim FC Bayern auskennt.

Louis van Gaal wird drei Assistenten aus den Niederlanden mit nach München bringen. Co-Trainer wird Andries Jonker, der derzeit noch als Sportdirektor bei Willem II Tilburg in Amt und Würden ist. Mit ihm hat van Gaal schon beim FC Barcelona zusammengearbeitet. Dazu kommen Reha-Spezialist Jos van Dijk und Video-Analytiker Max Reckers.

Um seinen Stab zu komplettieren, will Van Gaal Leute rekrutieren, die bereits am FC Bayern arbeiten. Zusätzlich sucht van Gaal noch einen deutschen Assistenztrainer. SPOX listet mögliche Kandidaten auf.

Mehmet Scholl

Scholl ist ein Urgestein des Vereins und hat nach eigener Aussage "15 Jahre FC Bayern überlebt". Der Abschied nach Beendigung seiner Laufbahn 2007 fiel dem 38-Jährigen dennoch schwer. Im Frühjahr 2008 machte Scholl die B-Trainer-Lizenz und betreut seitdem die U 13 des FC Bayern, in der auch sein Sohn Lukas spielt.

Nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann sprang Scholl für den zum Co-Trainer von Jupp Heynckes beförderten Hermann Gerland als Trainer der zweiten Mannschaft ein. Seine Bilanz in vier Spielen: zwei Siege, zwei Unentschieden.

Sein ehemaliger Trainer Ottmar Hitzfeld hält Scholl für eine gute Wahl als van-Gaal-Assistent. "Er hat viel Erfahrung als Spieler des FC Bayern gesammelt und verdient sich erste Sporen als Trainer. Er könnte diese Rolle sicherlich ausführen", sagte Hitzfeld im Gespräch mit SPOX.

Scholl ist sehr beliebt bei den Fans, kennt die manchmal unbequeme Presselandschaft in München und hat mit vielen aktuellen Bayern-Spielern noch zusammengespielt. Allerdings verfügt er nicht über die nötige Erfahrung als Trainer und verweigert seit Jahren Interviews. Da van Gaal kein Freund der Medien ist, käme viel ungeliebte Pressearbeit auf Scholl zu.

Zudem ist fraglich, ob ein Spaßmacher wie Scholl die nötige Ernsthaftigkeit besitzt, um mit einem autoritären Trainer wie van Gaal, der "den Spielern auch mal unangenehme Dinge ins Gesicht sagt" (Uli Hoeneß), klarzukommen.

Michael Henke

Nach vielen erfolgreichen Jahren als Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld arbeitet Henke seit Saisonbeginn als Video-Analytiker beim FC Bayern.

"Der Reiz war von der ersten Sekunde da. Ich habe mir in meiner Zeit als Co-Trainer beim FC Bayern schon Einblick in die Materie verschafft. Die technische Dimension dieser Aufgabe auszuloten, war besonders reizvoll", sagte Henke zu SPOX.

Henkes Stelle wird unter van Gaal von Max Reckers besetzt. Ob Henke ihm assistieren wird, ist offen. Für Hitzfeld wäre Henke der ideale Mann für den Co-Trainer-Posten: "Wenn man einen erfahrenen Mann haben will, sollte man Henke nehmen."

Henke hat als Cheftrainer nicht ansatzweise die Erfolge vorzuweisen, die er als Assistent von Hitzfeld feierte. Er gilt als sehr loyal, bescheiden und verfügt über viel fußballspezifisches Know-how.

Thorsten Fink

Fink spielte von 1997 bis 2006 für den FC Bayern. Anschließend wechselte er zu Red Bull Salzburg und trainierte zunächst hauptverantwortlich die zweite Mannschaft, bevor er gemeinsam mit Lothar Matthäus Giovanni Trapattoni in der ersten Mannschaft assistierte.

Im Januar 2008 folgte Fink dem Ruf des FC Ingolstadt. Er führte die Oberbayern in die Zweite Liga, wurde aber im April wegen anhaltender Erfolglosigkeit entlassen.

Fink kann sich den Job als van Gaals Co-Trainer durchaus vorstellen. "Ich will eigentlich kein Co-Trainer sein, ich bin als Chefcoach schon in die Zweite Liga aufgestiegen. Aber wenn man einem Toptrainer wie Louis van Gaal assistieren kann, wäre es etwas anders. Da könnte man ins Überlegen kommen. Ich bin sicherlich noch in einem Alter, in dem man lernen kann. Ich weiß auch gar nicht, ob es ein Schritt zurück wäre, Co-Trainer bei den Bayern zu sein", sagte Fink zu SPOX.

Der 41-Jährige betont aber, dass er "kein Hütchenaufsteller" ist, sondern "Dinge mitgestalten" will. "Ich hätte nie als Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann gearbeitet, aber van Gaal ist was anderes." Eine Anfrage liegt Fink nicht vor. "Ich habe mit Bayern keinen Kontakt und dementsprechend noch keine Signale bekommen." Er glaubt "aus dem Gefühl heraus, dass es Mehmet Scholl wird".

Trapattoni attestierte Fink einst ein "sehr gutes Gespür, mit Spielern umzugehen". Gegen Fink spricht seine Selbstüberzeugung ("Ich habe als Trainer schon einiges erreicht"). Kompetenzgerangel mit van Gaal wäre wohl vorprogrammiert.

Lothar Matthäus

Matthäus hat sich als Trainer-Wandervogel einen Namen gemacht. Rapid Wien, Partizan Belgrad, Ungarn, Atletico Paranaense, Red Bull Salzburg, Maccabi Netanja. Sechs Stationen in acht Jahren. Der Rekordnationalspieler wartet sehnsüchtig auf ein Angebot aus der Bundesliga.

Insgesamt zwölf Jahre spielte Matthäus für den FC Bayern und hat sich in dieser Zeit viel Respekt und Anerkennung im Umfeld der Münchner erarbeitet. Aber nicht unbedingt bei den Verantwortlichen. Von Uli Hoeneß stammt der berühmte Satz: "Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich beim FC Bayern etwas zu sagen haben, wird der Lothar nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion."

Matthäus hat Erfahrung als Trainer gesammelt, große Erfolge aber (noch) nicht vorzuweisen. Sein ausgeprägter Stolz verbietet es ihm eigentlich, noch einmal als Co-Trainer zu arbeiten. Es sei denn, es geht zu den Bayern. Allerdings kam er schon als Trapattoni-Assistent mit der Aufgabenverteilung nicht zurecht und verließ Salzburg im Zorn. Matthäus will Chef sein, kein Handlanger.

Ein Tandem Van Gaal/Matthäus wäre eine extrem explosive Mischung.

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Christian Ziege

Ebenfalls ein Bayern-Intimus, der die Szenerie in München bestens kennt. Nach seinem Karriere-Ende bei Borussia Mönchengladbach wurde Ziege bei den Fohlen wie eine Figur übers Schachbrett gezogen. B-Jugendtrainer, Sportdirektor, Cheftrainer, Co-Trainer. Nach wenigen Wochen als Assistent von Hans Meyer erklärte Ziege seinen Rücktritt. Er kam mit Meyers diktatorischem Stil nicht klar.

Derzeit macht Ziege seine A-Trainer-Lizenz. Er sieht sich eher als Coach denn als Sportdirektor oder Manager. Die Arbeitsweise von van Gaal ist mit der von Hans Meyer vergleichbar - kein Indiz dafür, dass Ziege in München glücklich werden könnte. Von den Bayern-Bossen wird Ziege indes seit den Verhandlungen über den Wechsel von Marcell Jansen von Gladbach nach München als integrer Mann geschätzt.

Der Kreis der Kandidaten ist überschaubar. Ein Geheimtipp wäre Bruno Labbadia. Er hat genügend Bayern-Erfahrung und hat sich als Cheftrainer von Bayer Leverkusen viel Respekt erarbeitet. Hätte die Perspektive van Gaal irgenwann mal nachzufolgen. Es ist aber sehr fraglich, ob er sich noch mal in die Rolle des Co-Trainers begeben würde. Gleiches gilt für Michael Skibbe, der derzeit ohne Job ist. Gilt als bescheiden und ist ein Fußball-Fachmann. Auch er wäre einer für van Gaal. 

Vielleicht greift van Gaal doch lieber auf einen Landsmann zurück. Youri Mulder etwa. Mulder hat sich auf Schalke einen Namen als Trainer gemacht, hat aber unter dem neuen Trainer Felix Magath dort keine Zukunft mehr.

Louis van Gaal lobte Mulder zuletzt als "hervorragenden Trainer, von dem man noch viel lernen kann".

FC Bayern München: Kader, Termine, Ergebnisse

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