Bayerns erstes Spiel mit Heynckes

Wer ist eigentlich Mirko?

Von Andreas Lehner
Freitag, 01.05.2009 | 18:20 Uhr
Jupp Heynckes (l.) und Hermann Gerland: Das neue Trainergespann beim FC Bayern München
© Getty
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Auch wenn Jupp Heynckes noch Probleme mit den Namen hat: Der neue Bayern-Coach hat die Atmosphäre verwandelt. Seine Änderungen sind einfach aber effektiv.

Über 17 Jahre ist es her, dass Jupp Heynckes die Bayern verlassen musste. Beim Rekordmeister hat sich seitdem einiges verändert. Nicht nur an der Säbener Straße auch in der Journaille hat ein Umbau stattgefunden, so dass sich Heynckes bei seiner ersten Presserunde erstmal jeden Journalisten einzeln vorstellen ließ.

Was folgte, war weniger das übliche Frage-Antwort-Spiel, als eine Art Vorlesung, in der Dozent Heynckes seine Zuhörer über seine Fußball-Philosophie, das Arbeiten mit seiner neuen Mannschaft und deren Innenleben aufklärte. Er wirkte locker und hoch motiviert, der Spaß an der neuen Arbeit war ihm deutlich anzumerken.

Das Spiel gegen seinen Ex-Verein Borussia Mönchengladbach (Sa. 15.15 im LIVE-TICKER und bei Premiere) war nur am Rande Thema, auch wenn Heynckes versicherte, dass es "für mich kein Spiel wie jedes andere ist, weil meine Sympathien nach wie vor auch bei der Borussia sind".

Psychische Blockade gelöst

Einen Vortrag durften sich auch seine Spieler vor den Trainingseinheiten anhören. "Ich habe an der Tafel gezeigt und erklärt, was ich vorhabe. Das macht es einfacher. Die Spieler haben zugehört und zugeschaut und sehr positiv darauf reagiert", sagt der Coach.

Heynckes unterzieht alles einer genauen Prüfung bei den Bayern. Er will sich ein Bild verschaffen von der Mannschaft und dem Verein. Das hat er in den letzten Tagen geschafft und auch gleich den Hebel angesetzt.

Von psychischen Blockaden sprach der 63-Jährige bei seiner Antrittspressekonferenz. "Wenn man die Stimmung und die Kommunikation der Spieler untereinander sieht, glaube ich schon, dass es mir gelungen ist, diese zu lösen", so der Trainer.

Akribisch und penibel genau

Um aber nicht nur im mentalen Bereich zu arbeiten, hat er auch die taktischen Einheiten forciert. Auch wenn man das sonst üblicherweise vor der Saison mache. Heynckes ist akribisch, teilweise penibel genau. Unkonzentriertheiten lässt er nicht zu. Schlampigkeiten wie falsche Einwürfe werden nicht geduldet.

"Schlimm genug, dass so etwas überhaupt passiert", meint Philipp Lahm dazu: "Aber ein Trainer muss klar ansprechen, wenn ihm etwas nicht gefällt und verdeutlichen, was er will. Das sehe ich sehr, sehr positiv." Der Spaß sei zurück, beim Trainer und bei den Spielern. Den müsse man auch haben, um wieder erfolgreich Fußball zu spielen.

Leise Kritik im Unterton

Die Münchner legen sich großen Wert darauf, nicht gegen Ex-Trainer Jürgen Klinsmann nachzutreten. Leise Unzufriedenheit mit der Herangehensweise bei der täglichen Arbeit auf dem Platz schwingt aber in vielen Sätzen im Unterton mit.

Heynckes lässt die einfachen Sachen üben, um den Spielern die Sicherheit zurückzugeben. Er will das Rad nicht neu erfinden, sondern nur an den richtigen Stellen drehen.

"Der Trainer weiß, wie er mit den Spielern umgehen muss und strahlt den nötigen Optimismus aus", meint Lahm: "Er ist ein großer Trainer. Nicht nur wegen seiner Erfolge, sondern auch weil er die nötige Erfahrung hat."

Drive und Elan sind zurück

Der Trainerwechsel hat die von Manager Uli Hoeneß erwünschte Aufbruchstimmung erzeugt, einfach weil es etwas Neues ist, wie Lahm zugibt: "Jeder Einzelne ist wieder wacher." Heynckes merkt das auch im Training. Er hat bei der Mannschaft den richtigen "Drive und Elan" gespürt, um etwas zu erreichen.

Auch wenn das Thema Meisterschaft weiter gekonnt umgangen wird. Ziel ist die direkte Qualifikation für die Champions League, weil in München keiner mehr im UEFA-Cup "zwischen zwei Felsen" (Franz Beckenbauer) spielen will und es erhebliche Probleme bei der Kaderzusammenstellung für die nächste Saison machen würde.

Wie Ottmar und Felix

Um das zu vermeiden, hat Heynckes einige Sachen geändert. Gegen Gladbach wird Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth wieder auf der Bank sitzen, und übernachtet wird wieder im Hotel Limmerhof in Taufkirchen. "Das ist ein erfolgreiches Quartier. Wir werden wie Ottmar und Felix wieder die 'Münchner Stube' nehmen", so Heynckes.

Auf dem Platz liegt die entscheidende Änderung in der Sturmformation, denn Heynckes lässt mit zwei Angreifern spielen ("Eine Spitze mag ich nicht"). Ob das Mittelfeld mit Raute oder mit zwei defensiven Mittelfeldspielern angeordnet sein wird, sei dagegen nachrangig. "Wichtig ist, dass wir bei gegnerischem Ballbesitz eng stehen und den Raum klein machen."

Heynckes beeindruckt von Podolski

An der Seite von Luca Toni wird demnach wieder Lukas Podolski stürmen, dem der Trainer eine engagierte Trainingswoche bescheinigte. Besonders seine Abschlussstärke und Gefährlichkeit bei direkten Freistößen beeindruckte Heynckes. "Wenn ich so einen linken Fuß gehabt hätte wie Lukas, hätte ich statt 220 Bundesligatoren 500 gemacht."

Noch hat er auch keine Alternativen, da Miroslav Klose bisher nur leichtes Lauftraining absolvieren kann. Der Trainer hofft aber auf eine baldige Rückkehr des Nationalspielers - auch wenn Heynckes den verletzten Stürmer konsequent Mirko nannte.

Es hat sich eben einiges verändert seit seiner ersten Amtszeit in München.

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