Schalke-Fans auf den Barrikaden

SID
Samstag, 07.03.2009 | 14:05 Uhr
Die Auswechslung von Vicente Sanchez quittierten die Schalke-Fans mit Pfiffen
© Getty
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Die Fans auf den Barrikaden, der Trainer unter Beschuss und die Spieler auf Konfrontationskurs - auch der zweite Sieg nacheinander hat die Krise bei Schalke 04 nicht entschärft. Im Gegenteil: Die Atmosphäre bei den Königsblauen ist trotz des 1:0 (1:0) gegen den 1. FC Köln völlig vergiftet.

"Was hier passiert, ist nicht normal", schimpfte Torschütze Jermaine Jones, nachdem die Zuschauer in der Schlussphase ihrem Unmut mit wütenden Pfiffen Luft gemacht hatten und die Spieler daraufhin den obligatorischen Gang in die Kurve verweigert hatten.

Den Fan-Boykott verteidigte der neue Wortführer der Schalker Mannschaft: "Man kann nicht immer alles gutreden, wenn es nicht so ist." Die gellenden Pfiffe hatte vor allem Trainer Fred Rutten provoziert, als er 20 Minuten vor Schluss in Marcelo Bordon den sechsten Abwehrspieler einwechselte und wenig später auch noch den neuen Publikumsliebling Vicente Sanchez vom Feld nahm.

Müller fehlt die Unterstützung

"Rutten raus!", schallte es erstmals laut durch die Arena. Später mischten sich die schon bekannten "Müller raus"-Rufe in den Chor der Unzufriedenen, sodass der Protest der Basis am Ende wie "Rüller raus" klang.

Während Rutten sich anschließend wie ein Angeklagter für seine Auswechselungen rechtfertigen musste ("Wir brauchten körperliche Kraft"), bemängelte Manager Andreas Müller einmal mehr die fehlende öffentliche Unterstützung seiner Chefs.

Das Bekenntnis fehlt

"Das Bekenntnis gibt es ganz deutlich innen, aber es wirkt nicht nach außen", sagte der Ex-Profi an die Adresse des Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies. Müller, schon seit November wegen seiner verfehlten Personalpolitik der Sündenbock für die Fans, dürfte der Sieg drei Tage nach dem DFB-Pokal-Debakel beim Zweitligisten FSV Mainz 05 nicht mehr retten.

Der Aufsichtsrat will in Kürze über das Schicksal des Managers entscheiden - wohl bis Ende der kommenden Woche. Weil Müller gleichzeitig Vorstandsmitglied ist, sind bestimmte Regularien und Fristen einzuhalten. Spätestens bei der nächsten offiziellen Sitzung des Gremiums am 17. März wird mit Müllers Aus gerechnet.

"Das muss man ausblenden"

"Das muss man ausblenden, dafür sind wir Profis", kommentierte der angeschossene Manager die ständigen Diskussionen um seine Person und wiederholte zum x-ten Mal: "Wir haben die Probleme erkannt, wir kennen die Lösung, die müssen wir jetzt Schritt für Schritt umsetzen."

Auch gegen Köln war vor 61.673 Zuschauern einmal mehr deutlich geworden, dass der zweitteuersten Mannschaft der Bundesliga vor allem die spielerische Qualität fehlt. Jones war als Dauerrenner und Torschütze (28.) der überragende Akteur.

Neben der gelungenen Kombination, die über Sanchez und Ivan Rakitic zum 1:0 führte, gab es in 93 Minuten nur noch einen weiteren sehenswerten Angriff, der wegen Kevin Kuranyis Handspiel nicht mit einem Tor belohnt wurde (42.).

Mit Mauertaktik und Neuer über die Zeit gerettet

Am Ende brachte Schalke mit Ruttens Mauertaktik, viel Glück und einem ganz starken Torwart Manuel Neuer den Vorsprung über die Zeit - und die Fans gegen sich auf. "Früher war nach Siegen alles gut. Jetzt haben wir eine neue Situation", stellte Geschäftsführer Peter Peters nachdenklich fest: "Jetzt müssen wir auch nach einem Sieg diskutieren."

Der Vize-Präsident des Ligaverbandes hält nach dem dritten Dreier in den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen aber noch das Ziel Europapokal für erreichbar: "Es heißt jetzt: Kämpfen bis zum Schluss, kämpfen, kämpfen, kämpfen. Im Pokal und Europacup haben wir verloren, aber in der Bundesliga noch nicht."

Unterstützung von Daum

Unterstützung bekamen die unter Beschuss stehenden Schalker Sportchefs von Kölns Trainer Christoph Daum. "Ich hoffe, dass Schalke jetzt die Wende schafft. Müller und Rutten haben Unterstützung verdient", sagte der FC-Coach und prophezeite: "Wenn Schalke fünfmal 1:0 gewinnt, werden die Leute, die jetzt pfeifen, wieder klatschen."

Dass er fast nur nach der Schalker Situation gefragt wurde, kam Daum wahrscheinlich nicht ganz ungelegen. So musste er nicht erklären, warum die Kölner nach ihrem 2:1-Triumph bei Bayern München ausgerechnet beim Krisenklub der Liga so ängstlich begonnen und erst in der letzten halben Stunde wirklich Druck aufgebaut hatten. Die Schalker "Vehemenz", mit der sein Team "in der Abwehr festgenagelt" worden sei, hatte außer ihm kaum jemand gesehen.

Schalke - Köln: Daten & Fakten

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