Immer schön mit Köpfchen

Von Florian Bogner
Sonntag, 08.03.2009 | 21:40 Uhr
Der zweite Bayern-Streich: Miro Klose köpft zum 2:1 ein. Es folgten noch zwei Kopfballtore
© Getty
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Was ist die beste Therapie gegen Angstgegner? Na klar, gewinnen! Dachten sich am 23. Spieltag dann auch gleich vier Teams und therapierten sich selbst. Die Hertha hatte dafür einen Woronin, Bayern starke Standards und Wolfsburg das puristischste aller Heimspiel-Ergebnisse. Das und noch viel mehr im Liga-Zapping.

9 Spiele, 9 Geschichten: Das passierte am 23. Spieltag.

Bayer Leverkusen - VfL Bochum 1:1:

Chancen hatte Bayer gegen den VfL wieder mal genug, getroffen allerdings hat nur Patrick Helmes. Wieder mal. Der Nationalspieler erzielte nach gut einer Stunde per Handelfmeter den Ausgleich und hat nun schon 17 Saisontreffer.

Helmes braucht damit nur noch ein Tor, um mit Hoffenheims Vedad Ibisevic gleichzuziehen und ist damit erster Anwärter auf die Torjägerkanone in dieser Saison. Ein großartiger Kicker ist der 25-Jährige nun zwar nicht, dafür aber ein überragender Knipser - egal ob vom Punkt oder aus dem Feld.

In Leverkusen ist man darüber äußerst glücklich, denn nur mit den "Chancentode" Kießling, Sinkiewicz oder Henrique wäre der Zug Richtung UEFA-Cup schon längst ohne Bayer abgefahren.

Rückkehrer-Fact: Für Thomas Zdebel und Paul Freier ging es gegen ihre ehemaligen Klubs. Oder auch nicht. Freier saß 90 Minuten nur auf der Bank, Zdebel stand verletzungsbedingt überhaupt nicht im Kader. Zur SPOX-Analyse

Arminia Bielefeld - Eintracht Frankfurt 0:0:

Am Samstag gab es in Sinsheim ein rassiges 0:0 zwischen 1899 Hoffenheim und Werder Bremen. Eines der Sorte, die locker auch 2:2 oder 3:3 hätten ausgehen können. In der Schüco-Arena auf der Bielefelder Alm gab es am Sonntag auch ein 0:0. Das aber war eines jener Sorte, von der die Zuschauer danach sagen: "Und dafür hab ich auch noch Eintritt bezahlt?!"

Ganze vier Chancen gab es in 90 Minuten, keine davon eine sogenannte Hundertprozentige. Warum die beiden Tore überhaupt aufgestellt wurden, bleibt ein Rätsel.

Schließlich fehlten bei der Arminia Toptorjäger Artur Wichniarek (12 von 20 Arminia-Toren) und auf Seiten der Gäste Ioannis Amanatidis, Nikos Lyberopoulos und Martin Fenin (zusammen 14 von 28 Eintracht-Toren). Zum Spielbericht

Energie Cottbus - Hertha BSC Berlin 1:3:

Angstgegner, der: Im Hertha-Lexikon sind neben diesem Eintrag tapfere Cottbusser Recken abgebildet. Seit 2003 hatten die Hauptstädter nur ein lausiges Pünktchen gegen die Lausitzer eingefahren und die Konkurrenz spekulierte schon darauf, dass auch diesmal die kratzenden, spuckenden und beißenden Brandenburger den Herthanern den Garaus machen würden. So ließ es sich auch an diesem Samstag an; Drobny patzte, Cottbus führte - und dann baute Jula einen Emil, als er freistehend aus sechs Metern das Scheunentor nicht traf.

Der Rest war Andrej Woronin, der immer mehr zum Topfavoriten auf den Neuzugang des Jahres avanciert. Drei Buden in einem Spiel waren ihm bislang nur einmal für Leverkusen gelungen. Trainer Favre über die Vorzüge des Ukrainers: "Er macht wichtige Tore, ist immer anspielbereit und bringt Klarheit in unser Spiel." Das war auch den Cottbussern klar, als Woronin vor dem 3:1 vier Energie-Pilonen umspielte und netzte. Teamkollege Dardai hinterher scherzhaft: "Ich habe ihm in der Halbzeit gesagt, er soll mal ein schwieriges Tor schießen." So fuhr die Hertha im "Spiel der Charakterfrage" (Manager Dieter Hoeneß) schon wieder drei Punkte ein. Hat hier jemand Meisterschaft gesagt? Zum Spielbericht

FC Bayern München - Hannover 96 5:1:

In der Hinrunde war Jürgen Klinsmann nach dem 0:1 erstmals angezählt, für Vor-Vorgänger Felix Magath bedeutete eine 0:1-Heimniederlage gegen 96 einst den Anfang vom Ende. Hannover also ein Angstgegner? Von wegen! Diesmal wischte Bayerns B-Elf ohne Ribery, Toni und van Bommel die Trainerdiskussion mit einem Fünferpack - der dritte in der Rückrunde und der höchste Liga-Sieg unter Klinsmann überhaupt - lässig weg und kramte dabei vor allem ungeahnte Tugenden aus der Trickkiste hervor.

Vier Tore erzielten die Münchner per Kopf (van Buyten, Klose, Podolski, Demichelis) und alle vier wurden durch Standards von Schweinsteiger (zwei Freistöße) und Ze Roberto (zwei kurz gespielte Ecken) eingeleitet - dabei galten die ruhenden Bälle doch als Schwachstellen der Klinsmann-Elf. Es scheint fast so, als habe der Schwabe im Training doch nicht nur Laufeinheiten auf dem Zettel.

Rückkehrer-Fact: Jan Schlaudraff war auch mit von der Partie. Sagt zumindest der Spielberichtsbogen. Zur SPOX-Analyse

1899 Hoffenheim - Werder Bremen 0:0:

Klar, das 5:4 in der Hinrunde war wahnsinnig spektakulär und stand auch irgendwie sinnbildlich für den Offensivspiel beider Mannschaften. Dass Hoffe und Werder aber auch anders können, sieht man in den letzten Wochen: Zwei Null-Nulls in Folge! Dabei war der Kick in Sinsheim diesmal gar nicht so schlecht, wie es das Ergebnis vermuten lässt: Die beiden Teams überboten sich lediglich im Auslassen bester Torchancen.

Rückkehrer-Fact: Ibisevic-Ersatz Boubacar "Jürgen" Sanogo traf dreimal den Pfosten. Immer den linken.

Für Werder ist nach dem 16. sieglosen Spiel der Saison indes klar: Internationalen Fußball gibt's nächstes Jahr angesichts von 13 Punkten Rückstand auf Platz fünf nur im Fernsehen oder über den Umweg UEFA- oder DFB-Pokal. Deshalb war am Samstagabend auch irgendwie Fernsehen angesagt, denn im ZDF-Sportstudio wurde Werder Erzrivale Hamburger SV auswärts als Halbfinalgegner zugelost. Keine leichte Aufgabe - und ob Spieler wie Naldo, Diego und Claudio Pizarro ohne Champions oder zumindest Europa League weiter bei Werder bleiben, steht auf einem anderen Blatt. Zur SPOX-Analyse

Borussia Mönchengladbach - Hamburger SV 4:1:

Wenn man als Meisterschaftskandidat und laut Uli Hoeneß einziger ernstzunehmender Konkurrent der Bayern beim Tabellenschlusslicht mit 1:4 eingeht, muss man sich schon hinterfragen. Wer da wohl schuld war? "Die ganze Mannschaft hat Fehler gemacht", sagte Trainer Martin Jol patzig. Sinnbildlich für den Absturz des HSV im Schnelldurchgang war die Leistung von Piotr Trochowski, der das Duell gegen den Nationalmannschaftskonkurrenten Marko Marin klar verlor und nach 60 Minuten entnervt ausgewechselt wurde.

Der kleine Gladbacher zeigte gegen seinen vermeintlichen Bald-Klub (der HSV hatte im letzten Sommer schon Interesse) hingegen abermals eine starke Leistung, bereitete das 1:0 von Friend mustergültig vor und übernahm beim Elfmeter zum 4:1 Verantwortung.

Rückkehrer-Fact: Marcell Jansen war beim 1:3 gelinde gesagt kurz nicht im Bilde, damit war das Spiel (vor)entscheiden. Zur SPOX-Analyse

VfL Wolfsburg - Karlsruher SC 1:0:

Auweia, Konkurrenz! Der VfL kann es jetzt auch ganz schmutzig, gewinnt gegen seinen Angstgegner (bislang fünf Niederlagen in fünf Spielen) schnöde mit Eins-Null und fährt bereits den zehnten Heimsieg der Saison ein. Nur unter der Woche läuft's in der VfL-Arena nicht so, da gab es zuletzt ein 1:3 (Paris) und ein 2:5 (Bremen). Ein Glück für Magath, dass nur noch ein Heimspiel (32. Spieltag gegen Dortmund) unter der Woche stattfindet. Beim Pragmatiker Magath wachsen angesichts solch puristischer Ergebnisse Begehrlichkeiten. "Wenn wir noch elf Mal so gewinnen", meinte Felix, "dann können wir Meister werden." Gut gebrüllt.

Beim KSC gehen hingegen so langsam die Lichter aus. Vier Spiele sind die Badener schon ohne Torerfolg, auch in Wolfsburg ging's wie beim Handball immer schön um den Sechzehner herum. Die Konsequenz: Tabellenplatz 18.

Rückkehrer-Fact: Mahir Saglik traf im November noch für Wolfsburg in Mailand. Jetzt, im KSC-Trikot, trifft er keinen LKW mehr. Zum Spielbericht

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund 2:1:

Heimlich, still und leise pirscht sich der VfB - unter Babbel immer noch ungeschlagen - von hinten an die ersten Fünf heran. Maßgeblich daran beteiligt, wieder einmal: Mario Gomez. Gegen den BVB - Stichwort: Angstgegner, weil seit 2004 gegen Dortmund ohne Heimsieg - markierte Gomez bereits sein neuntes Tor im neunten Pflichtspiel 2009.

Mal wieder im Fokus stand bei Dortmund Kevin-Prince Boateng, der diesmal nicht auf irgendwas trat, sondern in der 86. Minuten so dilettantisch schwalbte, dass Schiedsrichter Florian Meyer sogar vergaß, Gelb zu zeigen.

Rückkehrer-Fact: Jens Lehmann hatte seinen pfiffigsten Auftritt, als er den Ball an der Eckfahne (!) gegen den gegnerischen Innenverteidiger (!) Felipe Santana verlor, diesen am Trikot zupfte und ebenfalls keinen Karton dafür sah. Es wäre seine fünfte Gelbe gewesen... Zum Spielbericht

FC Schalke 04 - 1. FC Köln 1:0:

Kurzum: Königsblau hat sich mal wieder zum 1:0 geschalket. Spielerisch überaus arm, aber immerhin mit einem blitzsauberen Treffer, den Vicente Sanchez stark mit der Hacke einleitete. Den Fans war das nicht mehr als ein Rumoren wert, ansonsten war es in der Arena verdächtig leise, so dass man sogar teilweise nur Köln-Fans hörte.

Richtig laut wurde es auf den Rängen nur, als Trainer Fred Rutten in der 72. Minute Offensiv-Kraft Rakitic durch Abwehrmann Bordon ersetzte ("Rutten raus!") und zehn Minuten später noch Sanchez gegen Asamoah auswechselte ("Rutten raus! Müller raus!"). Gegenüber Christoph Daum, neulich schon nach dem Sieg in München wohlwollender Gutmensch, sprang allerdings in die Bresche und meinte: "Sanchez hätte ich auch raus genommen. Der war platt." Zur SPOX-Analyse

Der 23. Spieltag im Überblick

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