Felix Magath im Interview

"Hertha oder Bayern werden Meister"

Von Interview: Florian Bogner
Dienstag, 17.03.2009 | 20:00 Uhr
Felix Magath ist mit dem VfL Wolfsburg in der Rückrunde noch ungeschlagen
© Getty
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Felix Magath ist sowas wie der Mann der Stunde in der Bundesliga. Mit sechs Siegen in Folge ist der VfL Wolfsburg in der Bundesliga-Tabelle bis auf Platz drei durchgestartet. Im SPOX-Interview erklärt der 55-Jährige allerdings, dass es so nicht weitergehen kann.

exklusiv Einen der vielen Schulterklopfer der letzten Wochen gab es am Montagabend im Bayerischen Rundfunk. "Felix Magath macht wirklich einen Superjob", zog dort Bayern-Manager Uli Hoeneß den Hut.

Nach 24 Spieltagen ist der VfL Wolfsburg punktgleich mit dem FC Bayern und befindet sich als Erster der Rückrundentabelle auf dem Weg nach ganz oben. Im Interview mit SPOX tritt Magath jedoch auf die Bremse. Er erklärt, wer seine wahren Meisterschaftsfavoriten sind, welche Vor- und Nachteile sein Job mit sich bringt und warum die Tabelle die wichtigste Kontrollinstanz seiner Arbeit ist.

SPOX: Herr Magath, Sie haben am Freitag mit dem 4:3 gegen Schalke vorlegen können und hatten so bestimmt ein nettes Wochenende auf der Couch.

Felix Magath: Klar ist es wunderbar, wenn man sich den Rest der Liga dann in Ruhe anschauen kann. Wir haben ein entspanntes Wochenende gehabt, auch wenn nicht alle Ergebnisse für uns gepasst haben.

SPOX: Wenn Sie sich die Tabelle ansehen, dann ist noch einiges möglich.

Magath: Die Tabelle ist eng. Wir sind das beste Beispiel, wie schnell man mit einer guten Serie oben dabei sein kann. Aber es sind noch so viele Spieltage zu absolvieren, die Tabelle hat so für mich keine Aussagekraft.

SPOX: Dennoch sind Sie als bestes Team der Rückrunde quasi in Lauerstellung auf Platz eins.

Magath: Wir haben bis jetzt überragend gepunktet, aber nicht überragend gespielt. Ja, wir sind die beste Rückrundenmannschaft, aber jede Serie geht mal zu Ende. In dieser Art und Weise werden wir nicht weiter gewinnen können. Wenn uns das gelänge, dann wäre das eine Rückrunde, wie sie noch nie ein Verein zuvor gespielt hat. Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr gering.

SPOX: Die Ergebnisse täuschen also?

Magath: Das habe ich nicht gesagt. Ich sage: Wenn man eine Serie hat und auch mal auswärts gewinnt, dann rutscht man eben schnell nach oben. Aber jetzt stehen für uns mit Bayern, Leverkusen und Hoffenheim auch drei ganz schwere Heimspiele an. Erst danach können wir sagen, wo wir vielleicht am Ende der Saison stehen können.

SPOX: Und vorher gibt es keine Meisterschaftsphantasien?

Magath: Die gibt es ganz bestimmt nicht. Und eine definitive Prognose kann ich Ihnen auch nicht geben. Wir haben am Ende eine gute Saison gespielt, wenn wir unter die ersten Fünf kommen.

SPOX: Hat die Hertha das Zeug dazu, Meister zu werden?

Magath: Ich bin überzeugt davon, dass die Hertha und die Bayern den Meister unter sich ausmachen. Beim FC Bayern ist die Frage, wie belastend die Champions League noch sein wird. Vielleicht lassen sie ja deswegen in der Liga noch ein paar Punkte liegen und dann wäre die Hertha der Nutznießer.

SPOX: Bosniens Nationaltrainer Miroslav Blazevic hat im Interview mit SPOX gesagt, Ihr Stürmer Edin Dzeko wird mal 'ein ganz Großer'. Sehen Sie das auch so?

Magath: Das kann man nicht vorhersehen. Dzeko hat seine Qualitäten, keine Frage, und er hat sich auch unheimlich gut entwickelt. Sollte diese Entwicklung weitergehen - und nach seinen Aussagen scheint er gewillt zu sein, sich weiter zu entwickeln - dann kann er sicher mal einer der ganz großen Stürmer werden.

SPOX: Sie reden von Ihren Stürmern immer sehr besonnen, fast schon defensiv. Muss man Dzeko ein bisschen vor dem Rummel um ihn herum schützen?

Magath: Es ist ja wohl klar, dass er mit seinen 23 Jahren noch nicht ganz ausgereift ist. Er ist auf einem guten Weg. Man kann nur hoffen, dass er den weiter geht. Leider ist es ja heutzutage charakteristisch, dass man jungen Leuten keine Zeit mehr lässt, sich richtig zu entwickeln. Deswegen werden Grenzen oft schneller erreicht.

SPOX: Sie sind seit Juni 2007 Trainer, Manager und Geschäftsführer in Personalunion. Welche Vorteile hat das nach wie vor für Sie?

Magath: Große Vorteile sind die kurzen Entscheidungswege und der große Einfluss, den ich auf die Mannschaft ausüben kann. Das meine ich sowohl kurzfristig - also das nächste Spiel, das nächste Training - aber eben auch langfristig, was die Planung und das Konzept dahinter angeht. Ich kann in dieser Konstellation leichter perspektivisch für den Verein entscheiden. Normalerweise hat der Manager doch immer die längerfristigen Ziele vor Augen, der Trainer mehr die wöchentlichen Ergebnisse. In dieses Dilemma komme ich nicht, solche Diskussionen fallen bei uns weg.

SPOX: Weil Sie das alles mit sich selbst ausmachen müssen.

Magath: Genau. Ich kann alleine entscheiden und entscheide mich meistens für die längerfristige Perspektive. So ist übrigens auch die Mannschaft zusammengestellt. Wir haben eine junge Mannschaft, die in vielleicht drei, vier Jahren Meister werden kann, aber nicht in dieser Saison.

SPOX: Die finanzielle Perspektive dafür scheint ja zu stimmen - Stichwort: VW und 62 Millionen Euro Transferausgaben.

Magath: Das wird mir entschieden zu einseitig gewichtet. Bedenken Sie: Ich habe 2007 einen Kader mit nur zwölf Spielern übernommen. Da mussten neue Leute her. Für diesen Umbruch haben wir meiner Meinung nach nicht sehr viel Geld ausgegeben. Wir haben auf junge, entwicklungsfähige Spieler gesetzt.

SPOX: Man findet aber auch nur wenige Spieler, die schon vor Ihrer Amtszeit da waren. Sie haben sich bei der Zusammenstellung - überspitzt formuliert - austoben können.

Magath: Der Begriff 'austoben' ist verkehrt. Ich hatte ja keinen Einfluss darauf, dass man die Hälfte der Mannschaft verkauft hat, bevor ich kam. Ich musste dann ja Geld ausgeben, um überhaupt eine Mannschaft zusammen zu bekommen.

SPOX: Was sagen Sie, wenn sich Herr Watzke von Borussia Dortmund über "neureiche Vereine" echauffiert und dabei Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg in einem Atemzug nennt?

Magath: Dazu sage ich: Jeder sollte erstmal bei sich selbst schauen. Borussia Dortmund hatte selbst genügend Geld, viel mehr als ich jetzt in Wolfsburg ausgegeben habe. Wenn es so einfach wäre, einfach nur viel Geld zu investieren und dann damit erfolgreich zu sein, dann müsste Borussia Dortmund doch ganz oben stehen, oder?

SPOX: Sie haben die Vorteile Ihres Postens erörtert - erklären Sie die Nachteile.

Magath: Man muss viel Zeit aufwenden und kann manche Dinge nicht einfach weiter delegieren. Zudem trägt man ganz alleine die Verantwortung, die einem keiner abnehmen kann.

SPOX: Sie müssen sich natürlich auch permanent selbst hinterfragen, ob Sie das Richtige tun. Oder wer ist die Kontrollinstanz für Sie?

Magath: Eine wichtige Kontrollinstanz ist die Tabelle. Wenn es mal nicht so läuft, bin ich auch der erste, der sich mit Kritik auseinandersetzen muss.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Felix Magath über die Fachkompetenz beim VfL Wolfsburg, sein Verhältnis zu Uli Hoeneß und die Kochkünste von Frau Magath.

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